, als ob sie etwas suche . Unwillkürlich drückte ich mich tiefer in den Schatten . Da verstummte plötzlich das leise Geräusch der Menge . Man hörte einen Wagen vorfahren – es war , als ob mein Herz aufhörte zu schlagen . Aller Augen richteten sich nach der Tür . Ich vernahm ein leises Gemurmel der Bewunderung , die Orgel erbrauste , und nun schritten sie durch den Gang daher , der hohe , schlanke Mann in der schimmernden Uniform , und an seinem Arm das wunderschöne Geschöpf in ihrem weißen , silberdurchwirkten Kleide , mit den blitzenden Brillanten auf dem dunklen Haar , um das sich Orangenblüten schlangen . Einer Wolke gleich floß der Schleier um die zarte Gestalt . Wie geblendet starrte ich sie an . Ach , eine schönere Braut gab es wohl nie ! Ich hörte nichts von der Rede des Geistlichen , ich sah nur das Brautpaar . Aber als sie hinknieten , da eilte ich in wilder Hast aus der Kirche , ich hätte das Ja nicht hören können , das nun sein Mund aussprechen wollte ! Ich flüchtete in unseren kleinen Garten , in die alte , verwilderte Buchenlaube , wo ich als Kind so oft gesessen . Da blieb ich die halbe Nacht . Es war eine so weiche , berauschende Luft , die Nachtigall flötete in vollen , langgezogenen Tönen , der Flieder duftete , ein geheimnisvolles Leben waltete in dieser linden Maiennacht ; der Frühling sang sein altes zaubervolles Lied von Lieben und Seligsein . In ungestümer Sehnsucht streckte ich die Arme aus nach dem Glück , das ich besessen und nun für immer verloren hatte . Drüben auf dem Schlosse rauschte der Hochzeitsjubel , zuweilen drangen abgerissene Akkorde der Musik zu mir herüber , und ich war verlassen – verlassen ! Auch dieses ging vorüber . Der heiße Schmerz , der sich noch einmal wild aufgebäumt hatte in jener Maiennacht , wurde sanfter . Es war , als hätte ich einen wunden Fleck am Herzen , der bei der leisesten Berührung wehtat . Mein Leben floß still und einförmig weiter , mein Vater saß über seinen Büchern , und ich war auf die Gesellschaft der alten Kathrin angewiesen . Der Verkehr mit dem Schlosse blieb nach wie vor nur ein geringer . Wenn Frau v. Bendeleben mich einmal gebrauchen konnte , so schickte sie , oder ich bot mich selbst an . Was sollte ich auch sonst dort ? Mit dem Pfarrhaus bestand ein freundschaftliches , stilles Hinüber und Herüber , die kleine , alte Frau hatte nun einmal eine besondere Liebe für mich . Der junge Pfarrer war zurückhaltend , aber vorsorglich für mich bedacht . Ihm verdankte ich meine Lektüre , er besorgte mir Blumensamen für meinen kleinen Garten , er besuchte meinen Vater an den langen Winterabenden , wenn er ermattet die Feder weglegte , und plauderte mit ihm . Bergen wurde bald nach Ruths Hochzeit von G. versetzt , und zwar nach M. als Adjutant einer Brigade . Das war noch ein schwerer Tag , als die beiden Freunde Abschied von mir nahmen . » Kommt bald wieder , ach , vergeßt mich nicht ganz « , bat ich sie und begleitete sie bis an die Freitreppe des Schlosses . Ich wäre mit hinaufgegangen , hätte sich nicht eben eine kleine , elegante Equipage in der Allee gezeigt , in der ich Eberhardt und Ruth erkannte . Sie führte die Zügel . Rasch schlug ich einen Seitenweg ein , ich konnte noch hören , wie der Wagen hielt und Eberhard sagte : » Da sind wir doch noch , Ruth hat sich besonnen und ihren Schmollwinkel verlassen . « Dann tönte Ruths Lachen in mein Ohr . Ein letztes Zurückgrüßen von Hanna – und auch sie hatte ich verloren . Dann kam ein Morgen , wo ich verzweifelt am Bette meines Vaters stand , immer wieder mit versagender Stimme seinen Namen rief und doch keine Antwort erhielt , wo seine kalte Hand die meine nicht mehr fassen konnte . Er war heimgegangen . Tot hatte ich ihn in seinem Bette gefunden , als ich ihm sein Frühstück bringen wollte : ein Schlagfluß hatte seinem Leben ein Ende gemacht . Tränenlos ließ ich mich hinwegführen und sank neben Kathrin in die Knie . Die Tränen der Alten fielen auf mein Haar , und sie hielt mich fest umklammert – die alte , gelähmte Dienstmagd war ja noch das einzige , was ich auf der Welt besaß . Ich sehe noch , wie man den unter Blumen verdeckten Sarg auf den Kirchhof trug . Das ganze Dorf gab dem verehrten alten Seelsorger die letzte Ehre . Die Leute weinten und schluchzten , und ich stand noch immer ohne Tränen an dem Fenster meiner Stube und sah ihm nach – nun war ich eine Waise . Dann kam der Baron und wollte mich wieder aufs Schloß nehmen , ich lehnte hastig ab und zeigte auf Kathrin . Was sollte die wohl anfangen ohne mich : es gab doch noch ein Wesen , das meiner bedurfte , und diese Sorge wollte ich mir nicht nehmen lassen . Wer weiß , wie lange ich noch dieses beglückende Gefühl haben durfte , daß ich jemand unentbehrlich sei . » Du darfst hier nicht allein bleiben , du verkommst hier « , sagte der Baron . » Ich ehre deine Anhänglichkeit , aber du mußt wenigstens die Woche ein paarmal an bestimmten Tagen zu uns kommen . Du gehst hier zugrunde in deinem starren Schmerz , du siehst ja mehr tot als lebend aus . « » Lassen Sie mich « , bat ich . » Ich danke Ihnen tausendmal – nicht jetzt , vielleicht später , ich kann ja nicht – « Ein Weilchen ließen sie mich wirklich in Ruhe , aber dann kam der Baron wieder . » Nun gehst du auf jeden Fall heute mit « , sagte er , » ich kann es nicht verantworten , mich so