gebeugte Gestalt - , hob er diese Hand hastig über die Augen . » Es blendet so , « ließ sich eine glockentiefe Stimme vernehmen , deren Klang niemand von der eingefallenen Brust erwartet hätte . Erst unter dem Rosendach enthüllte er sein Gesicht . Fast würde Leonie aufgeschrien haben , wenn Konrad nicht rechtzeitig ihren Arm umklammert hätte . Es war von grünlicher Blässe ; die fast weißen Lippen darin zitterten , um die dunklen Augen , von schweren Lidern fast ganz beschattet , zogen sich tiefe schwarze Ringe . Ein paar dünne blonde Haarsträhnen klebten an der feuchten Stirn . Konrad fühlte , daß dieser leichenfahle Mann in das helle , freudige Zimmer nicht passen würde . So ließ er ihn selbst das ihm behaglichste wählen . Erst ganz zuletzt fand er es : einen Raum im Parterre , den Konrad unbewohnt hatte lassen wollen , denn die Wände erschienen ihm feucht , um das einzige schmale Fenster zog sich dichter dunkler Efeu , und der Blick , nach beiden Seiten durch dunkle Tannen beengt , sah nichts vor sich als die Bucht . Egil , durch dessen Körper ein Zittern ging - er mochte sich beim Treppensteigen vielleicht überanstrengt haben , dachte Konrad - , sank in den Sessel am Fenster . » Wie schön das ist , - wie froh ich bin ! « sagte er , zu Konrad aufschauend . Welche Augen ! Sie straften die Wärme der Worte Lügen . Wer vermochte zu enträtseln , ob sie von kalter Müdigkeit oder von grausamer Härte waren . Er schien den Eindruck , den sie erweckten , zu kennen , denn er senkte rasch die Lider über sie . » Gib mir meine Schatulle , Sabine , « flüsterte er dann , » und laßt mich allein . « Sie gehorchten stumm . » Die Reise hat ihn sehr mitgenommen , « sagte Sabine erschüttert ; » auch die plötzliche Helle nach der Dunkelheit seines teppichverhangenen Zimmers . « Nicht einmal Konrad vermochte ein höfliches Wort der Erwiderung hervorzubringen . Kaum eine Stunde später klang die Stimme des unheimlichen Gastes voll und klar bis zu der Rosenterrasse hinaus , wo zum Essen gedeckt war , und er trat in die Türöffnung , ein vollkommen Gewandelter , mit erfrischter Haut , geröteten Lippen , feurigen , offenen Augen . Er war in diesem Augenblick nichts als ein junger glücklicher Mensch , vor dessen strahlendem Lächeln selbst Leonies ängstliche Scheu verflog . Als sie sich vom Tisch erhoben , stand der Mond hoch am Himmel . » Wir wollen zum See hinab , « sagte Sabine mit verhaltenem Jubel in der Stimme , » so beglänzt soll es dir entgegenleuchten , das Wasser , deine Wiege ! « Egil aber zuckte zusammen und wurde aschfahl im Gesicht . Was er sagte , klang wie ein Stöhnen : » Nein , nein , noch nicht - heute noch nicht ! « Und er schritt hastig zur anderen Seite des Hauses . Dann lächelte er wieder , ein seliges verzücktes Lächeln . Seine Augen hingen unverwandt an dem Efeuturm der Kapelle , der sich schwarz gegen die Silberhelle der Nacht abhob . » So wächst meine Kirche , « flüsterte er vor sich hin , » aus dem nährenden Boden der Mutter Erde und umschlingt die Tempel alter Götter und zerdrückt sie mit starken lebendigen Armen ! Ich sage euch , der Tag ist nicht fern , wo die Mauern unter ihr , an denen sie aufwärts wuchs , zerbröckeln werden , und sie allein ihren sonnendurchleuchteten Turm , in dem die Sänger des Himmels nisten , triumphierend zu den Sternen erhebt ! « War er ein Wahnsinniger ? Ein Seher ? Mit ausgebreiteten Armen - regungslos - stand er auf dem weißschimmernden Rasenplateau , auf dem sein Schatten wie ein schweres schwarzes Kreuz sich streckte . Leonie schauerte zusammen und schmiegte sich an Konrads Schulter . Sabine starrte , die Hände ineinander verschlungen , zu Egil empor , und als sie ihn zittern , die ekstatisch aufgerichtete Gestalt kraftlos zusammensinken sah , schlang sie den Arm um ihn und führte den Willenlosen behutsam in das Haus zurück . Am nächsten Morgen , als sie die Freunde begrüßte , lag in ihren Augen der Ausdruck unendlichen Flehens . Da küßte Leonie sie zärtlich auf die zuckenden Lippen , und Konrads Blick senkte sich in den ihren . » Ängstige dich nicht , du arme Seele ! « sagte er , während der Mund schwieg , » wir werden nicht fragen , nicht forschen , dir unsere ahnungsvolle Furcht nicht verraten - « und sie drückte dankbar die Hände der beiden . Von demselben Gefühl getrieben , eine Last abschütteln zu müssen , wanderten Konrad und Leonie am Ufer entlang nach Urfeld , dem freundlichen Weiler an der äußersten Nordspitze des Walchensees , den die große von fauchenden Automobilen belebte Kesselbergstraße so schmerzhaft aus seiner einstigen Verträumtheit - zu der Zeit , da nur wenige Wagen mühselig über den alten steilen Weg zu klettern wagten - aufgeschreckt hatte . Von den Hängen blinzelten kleine Häuschen immer noch erstaunt auf das Leben unten , als würden sie sich nie daran gewöhnen können , während die beiden Wirtshäuser wie rechte Wegelagerer alles packten , was vorüberkam . Sie waren sogar schon zu Hotels geworden und würden sich gewiß , wie Konrad lachend sagte , » binnen kurzem vom Mittagessen zum Lunch , vom Nachmittagskaffee zum Afternoon-Tea entwickelt haben . « Jetzt waren sie noch von jenen Sommergästen gefüllt , die sich an Orten wie Urfeld , wo es noch keine Kurmusik und keine Tanzkränzchen gibt - der Gebildete nannte sie Reunions - , aus Bürgerfamilien , die ihren Ferienaufenthalt auf Grund der niedrigen Preise wählen , und aus Natur- und Ruhebedürftigen zusammensetzen , bei denen die Abgeschiedenheit den Ausschlag gibt . Konrad und Leonie ließen sich im Wirtsgarten nieder . Es war ein heißer Sommertag . Der See atmete nur leise , vom