und den offiziellen Hut , doch ohne rote Fäden . Also angetan , bahrte man ihn in der Mitte des Hauptgemaches auf , wie es ihm in seinen zwei Eigenschaften als ältester Sohn und als derzeitiges Haupt der Familie zukam . Denn der Vater des Toten war merkwürdigerweise fort . Das erfuhr Tschun sogleich . Aber niemand erwähnte , wo er eigentlich sei . Außer den Verwandten , die die Leiche abgeholt hatten , der Mutter und der Witwe , waren da noch die nächsten Freunde versammelt , denen die Aufgabe zufällt , die fremderen Besucher im Namen der Familie zu empfangen und zu dem Toten zu geleiten . Auch Tschun führten sie und reichten ihm die schmale weiße Trauerbinde Tsing-pa . Damit umwickelte er sich vorschriftsmäßig den Kopf und warf sich ehrerbietig vor dem Toten nieder . Danach mischte sich Tschun in einem Nebenzimmer unter die Verwandten und übrigen Gäste . Sie alle sprachen von dem Toten , priesen sein stilles freundliches Wesen und ergingen sich in heftigen Ausbrüchen gegen diese Barbaren , die ihm , einem Unschuldigen , ein so jähes Ende bereitet . » Und er konnte doch gar nicht anders ! « rief einer , » ich frage Euch alle : er durfte doch nicht etwa seinen Vater verraten ? « » Sicherlich nicht ! Er hat recht gehandelt ! « antworteten sie einstimmig . Tschun horchte gespannt auf ; er begann die geheimen Zusammenhänge zu ahnen . » Er hat alles auf sich genommen , um den Vater zu schützen , « begannen die Freunde wieder , » er ist gestorben wie die höchsten Beispiele kindlicher Ehrerbietung und Treue , die von den Klassikern gepriesen werden . « Und einer der Verwandten sagte seufzend : » Ja , wenn die Kaiserin darum wüßte , sie verliehe ihm sicher posthume Ehren ! « » Wahrlich , Du hast recht , « fiel ein anderer Vetter ein , » manch einem ist um geringeres Verdienst ein Gedenkbogen errichtet worden . « » Nun , wenigstens erhält er ein Begräbnis , so großartig , wie er selber nie geträumt , « meinte ein Freund . » Aber das ist nicht genug , « murmelte ein Vetter und schaute die anderen Verwandten bedeutungsvoll an . Nun lauschte Tschun noch gespannter , denn jetzt , so hoffte er , würden sie in der Erregung doch sicher von ihrem Vorhaben reden . Aber die Vettern nickten sich nur schweigend zu . Und dann ging das Gespräch auf das Begräbnis über , lange Berechnungen seiner mutmaßlichen Kosten wurden angestellt , und jeder zählte die Fälle seiner eigenen Bekanntschaft auf , wo Hinterbliebene durch große Aufwendungen einem Toten guten Empfang im Jenseits und sich selbst hohes Ansehen auf Erden erworben hatten . Das Thema war unerschöpflich . Tschun fühlte , daß er jetzt nichts mehr erfahren würde . Enttäuscht erhob er sich und nahm Abschied . Als er dann in dem äußeren Hof des Hauses stand , wo noch die von den fremden Soldaten erbrochenen und geleerten Unheilskisten standen , gewahrte er zwei kleine Kinder . Die Söhnchen des toten Händlers waren es , um die sich , bei dem plötzlichen Schicksalsschlag , offenbar niemand sonderlich kümmern konnte . - Sie hatten ein paar Fetzen weißen Trauerstoffes erwischt und sich damit die drolligen bezopften Köpfchen umwickelt . So ausstaffiert , warfen sie sich mit ehrfürchtigen Gebärden vor einer der Kisten nieder , als sei es ein Sarg , in dem ein Toter liegt . Tschun schaute ihnen einen Augenblick zu , wie sie sich so ernsthaft feierlich benahmen , ganz wie sie es von den Großen gesehen . Dann trat er zu ihnen und sagte : » Ihr trauert wohl um den Vater ? « » Ja « , antwortete das kleinste Kind , » die fremden Teufel haben ihn tot gemacht ! nun ist er auch fort ! « Und der größere Knabe fiel erklärend ein : » Der Großvater ist nämlich auch fort , ganz rasch ist er fort , aber der ist nicht tot , der ist zum Prinzen Tuan geflohen in die Verbannung ! « » Aber « , erzählte der Kleinste mit wichtiger Miene , » unsere großen Vettern haben gesagt , sie würden die fremden Teufel dafür strafen , daß sie den Vater tot gemacht haben . Im Hause , wo sie wohnen , werden die Vettern sie braten . « Tschun stockte der Atem . Aber er zwang sich , ganz gleichgültig zu fragen : » Und wann wollen die Vettern denn die bösen Fremden braten ? « » Nach der Beerdigung , haben sie gesagt , « antwortete das Kind . » Nachts , wenn die fremden Teufel alle schlafen , wollen sie hinziehen . Mit vielen Kannen voll Petroleum werden sie das Holz begießen . « » Und dann « , rief der andere Kleine , » wird es wieder so ein schönes großes Feuer geben , wie der Großvater sie mit dem Prinzen Tuan anzündete ! « Und bei den Worten glomm es in den Schlitzäuglein der beiden Kinder , als ob aus ihnen selbst böse Flämmchen hervorzüngelten . Tschun aber atmete auf . Nach der Beerdigung erst , hatten sie gesagt , dann hatte er also noch Zeit , zu überlegen . Denn die würde doch erst in ein paar Tagen sein . - Er eilte nun davon , sinnend , was zu tun . Diesen Anschlag mußte er verhindern , das stand fest . Aber wie es am besten anzufangen , wußte er nicht . Seinem Herrn alles , was er ermittelt hatte , erzählen , das wäre das einfachste gewesen . Vielleicht rührte sogar ihn der Gedanke an diesen Sohn , der die Schuld des Vaters auf sich genommen hatte und unschuldig in den Tod gegangen war ? Vielleicht begnügte er sich , dann die Wachen zu verdoppeln , und ermächtigte Tschun , das den Verwandten des Händlers zu sagen , und sie vor unüberlegten leidenschaftlichen Taten zu warnen ?