Redlichen sind hilfreich , aber manchmal unbequem . Und klug ist er . Ich sorge , der würde wittern , was gekocht wird , würde zum König halten und den Frieden wahren . Der Schwester will ich einreden , was nötig ist . Sie soll , solange der Fritz seinen jungen Kohl im Brandenburger Sande pflanzt , den Loys in Franken zwicken , bis er ungeduldig wird und eine von seinen flinken Dummheiten macht . Schreib , Lieber ! Spitze dir eine feine , zarte Feder ! Am Buchstaben hat das Zierliche seine Vorteile wie an Weibern . « Der Herzog nahm einen festen Schluck des sauren Trausnitzer Weines , den der Diener in einem großen Zinnkrug gebracht hatte . Um den Tisch wandernd , diktierte Herr Heinrich den Brief an seine schöne Schwester Else von Zollern , aß dazu die schwarzen Kirschen und spuckte die Kerne zum Fenster hinaus . Nach dem Brief an die Münchner Vettern wurden Briefe an die Hauptleute von Heinrichs Burgen geschrieben , an die mit ihm verbündeten Bischöfe , Ritter und Städte . Zu verläßlichen Lehensherren konnte Herr Heinrich ehrlich reden . Doch in den meisten der Briefe , die da geschrieben wurden , hieß es nur : Man höre von verdächtigem Unternehmen des Ingolstädters ; man wisse , daß ihm von jeher nie zu trauen war und daß man sich stets der übelsten Dinge von diesem Übermütigen und Gewissenlosen zu versehen hatte ; man solle streng den vom König gebotenen Frieden wahren , doch auf der Hut sein und alle beste Wehr bereithalten , um einem drohenden Überfall begegnen zu können . Je länger Herr Heinrich diktierte , um so besser wurde seine Laune . Zwischen die Sätze , die Nikodemus zu schreiben hatte , schob der Herzog sein erregtes Geplauder hinein , seinen stachligen Spott und seine derben Scherze . Immer wieder mußte Nikodemus lachen . Und so heiter wurde Herr Heinrich , daß er bei seinem ruhelosen Wandern die Kirschkerne hinaufschnippte gegen den Namen Loys , der auf allen Spruchbändern der Wände zu lesen war . Der Morgen fing zu grauen an , der Tag wurde hell , und die klare Sonne glänzte an den Fenstern durch das bucklige Glas herein , während auf den Hirschgeweihen noch immer die Kerzen brannten und mit ihrem Qualm und Harzgeruch die Stube füllten . Immer hörte man einen dumpfen Lärm . Der klang aus den Burghöfen , in denen der Heertrupp und die Troßwagen zum Ausmarsch gerüstet wurden . Gegen sechs Uhr morgens meldete man dem Herzog einen Boten der Plaienburg . Herr Heinrich schrie : » Herauf mit ihm ! Da ist was los ! « Der Kastellan brachte einen langen , grau verstaubten Söldner , der lächelnd auf den kleinen Herzog heruntersah und einen Kratzfuß machte wie bei heiterem Wiedersehen . Es war Malimmes vom Taubensee . Herr Heinrich , ohne zu dem Boten aufzuschauen , riß ihm den gesiegelten Brief aus der Hand - und las - und wurde vergnügt . » Nikodemus ! Gott hat ' s wollen . Ich habe diesen Haller Fuchs nicht angelogen . Ich bin ein Ehrlicher , der die Wahrheit redet . Ich weiß , was geschehen ist heut nacht . Der Pienzenauer hat eben Hurtigen reiten lassen . Nach Ingolstadt ! « Herr Heinrich sprang zur Täfelung hinüber , riß die Geheimtür auf , verschwand und von draußen hörte man seine Stimme : » Du ! Sechs flinke Reiter nach Straubing hinauf ! Da kommen zwei , auf der Passauer Straß , ein Jungherr und sein Knecht . Der Brief da weist , wie sie ausschauen . Die zwei soll man kitzeln . Es soll so scheinen , als wollt man sie fangen . Aber nur hetzen soll man sie . Je flinker sie zum Ingolstädter Mautbaum kommen , um so besser ! « Eilig trat der Herzog wieder in die Stube , nahm einen Trank Wein , und als er die Kanne hinstellte , fragte er über die Schulter : » Kannst du gleich wieder reiten , Mann ? Oder mußt du rasten ? « » Rasten ? Nein . Aber ein neues Roß muß ich haben . Mein Gaul ist hin . « Herr Heinrich drehte langsam das Gesicht , als wäre ihm der Klang dieser Stimme aufgefallen . Sein erhitztes Gesicht verlor die Farbe , während er den Söldner betrachtete , der in einer Garbe dieser gelben Morgensonne stand . Nun lachte Herr Heinrich ein bißchen , beugte sich zu Nikodemus hin und sagte ihm leise ins Ohr , was an den Hauptmann von Plaien zu schreiben wäre . Und als Nikodemus den Brief begann , ging der Herzog auf Malimmes zu und stieß ihn mit dem Finger vor die Brust . » Du ? Bist du ' s ? « Malimmes nickte lustig . » Wohl , Herr ! Vergeltsgott für mein Leben ! Das Schnaufen bleibt allweil ein liebes Ding . « » Nikodemus ! « Herr Heinrich sah zum Tisch hinüber . » Guck ! Das ist Malimmes , der Galgenvogel von Nüremberg , mein Botschaftsbringer von der Himmelstür . « Die Stimme des Herzogs bekam einen wunderlich unsicheren Klang . » Daß der heut kommt ? Just heut ? Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ? « Heiter sagte der Kahlköpfige : » Wie man ' s nehmen mag . Zeichen reden nach unserem Willen . « » So soll es ein gutes sein für mich , ein schlechtes wider den andern ! « Lang betrachtete Herr Heinrich den Söldner . Dann fragte er schmunzelnd : » Hast du heut ein warmes Sitzfleisch ? « » Ich hab ' s noch nit untersucht , Herr ! Aber wer in fünfthalb Stund auf einem schlechten Gaul von Plaien nach Burghausen reitet , dem geht der Sattelfleck nit mit Grundeis . « » Teufel « , staunte der Herzog , » da mußt du eiserne Schenkel haben ! Und zähes Blut hast du auch « , er