plötzlichen Bewegung alle Gegenstände in eine Art von Nebel hüllte , so tappte er doch mit gezogener Klinge vorwärts . Manasse kauerte an einem Baume , zitterte und bebte , und wies mit den Händen nach der Seite : » Er ist vorüber , ist vorüber . « Kaum vermochte es der schwache Valerius , den in diesem Augenblicke noch schwächeren Alten aufzurichten . Diesem hatte die Todesangst alle Sehnen zerschnitten . Straff und geschmeidig war er bis hierher durch soviel Gefahren gegangen , und vor dem wilden Tiere brach er zusammen . Er gestand es später , daß ihm ein ganzer Trupp Feinde nicht so fürchterlich seien als ein gefährliches Tier . » Es sind doch Menschen , « sagte er mit schwacher Stimme , als er bis zum Wagen gekommen war und sich ein wenig erholt hatte , » es sind Menschen , für tausend Dinge zugänglich , mit Organen wie ich , mit Schwächen wie ich . Sie können auf mich schießen , und meine Furcht ist nicht so groß , sie können vorbeischießen - aber die Bestie hat keine Schwäche mit mir gemein , ihre Zähne treffen immer - ach Joel ! « Trotz seiner Schwäche sah er , daß der Sohn hilflos an der Erde lag , und mit zitternden Händen griff er nach ihm . » Joel , warum tust du dir solchen Schaden ! Das wilde Tier sprang vorbei , weil wir alle geschrien haben , wozu steigst du mit dem kranken Beine vom Wagen ! - - « Joel verbarg seinen Schmerz und ließ sich von Valerius und dem Alten wieder hinaufheben . Darauf untersuchte Manasse voll Angst und Sorge , ob und wie der Wagen zerbrochen wäre , sah sich indessen immer noch vorsichtig um , ob noch eine Bestie in der Nähe sei . Der Wagen war zwar beschädigt , aber nicht so arg , daß die Weiterfahrt nicht hätte gewagt werden können . Er war durch den plötzlichen Ruck der Pferde auf einen schmalen freien Platz gebracht worden , und es öffnete sich wieder ein enger Weg rechts in den Wald hinein . So fuhren sie denn in Gottes Namen weiter . Manasse war noch totenbleich , und die großen schwarzen Augen lagen erloschen tief in den Höhlen , die langen erstarrten Finger hielten unsicher die Lenkstricke der Pferde . So ging ' s einige Stunden fort . Es zeigte sich kein Wechsel : immer dieselben unwirtlichen Kiefern , derselbe halb verschneite Weg . Valerius sagte , ob man nicht den Pferden etwas Heu vorlegen wolle . Manasse schüttelte schweigend den Kopf . Man könne indessen ein Feuer anmachen , um sich ein wenig zu wärmen . Manasse selbst vor Frost klappernd , schüttelte schweigend den Kopf . - Der Alte war zwar von Wilna bis Lemberg und von Brody bis Kalisch mit allen Wegen und Stegen des alten Königreichs bekannt , aber wer einmal auf Irrwege gerät in diesen polnischen Wäldern , namentlich wenn der Schnee die Gegenden alle gleich macht , der braucht auch bei genauer Kenntnis des Landes oft Tag und Nacht , eh ' er sich wieder zurecht findet . Manasse sah immer aufmerksam vor sich hin und trieb die müden Pferde ununterbrochen an . Joel klagte über Hunger : der Alte zog ein Stück Brot aus der Tasche und reichte es seinem Sohne , ohne selbst einen Bissen zu begehren . Wohl aber wandte er sich verdrießlich um , als Joel einen Teil davon an seinen Nachbar gab . Es mochte gegen Mittag sein , als er still hielt und den Pferden etwas von dem Heu vorwarf , was auf dem Wagen lag . Er zupfte es von der Seite heraus , auf welcher Valerius saß , und beobachtete übrigens noch immer dasselbe Schweigen . Vorsichtig griff er nun an seines Sohnes Bein und sah fragend mit schmerzlichem Gesichte zu ihm in die Höhe . Auf Joels zufriedenes Kopfnicken ging er hinweg und stellte sich an die Seite des Wagens . Das Schneien hörte auf , und es fuhr solch ein hellgrauer Dämmer über den Himmel , wie er in jenen Gegenden zuweilen daran erinnert , es sei noch eine Sonne hinter den Wolken . Alles rings war still . » Ich höre Tritte - wahrhaftig , ich höre Tritte , « sagte Manasse murmelnd vor sich hin . Joel und Valerius indessen entdeckten nichts . Wirklich aber trat nach einer Weile ein Mann aus den Kiefern und kam in den Weg unserer Reisenden . Er nahm keine Notiz von ihnen und wäre wahrscheinlich ohne zu grüßen vorübergeschritten , wenn ihn nicht Manasse angeredet hätte . Der polnische Bauer , und einem solchen sah er gleich in dem kurzen Schafpelze , der die Knie kaum bedeckte , ist auf der Landstraße nickt gesellig , am wenigsten spricht er einen Juden an . Das unterläßt er nicht sowohl aus Haß oder Abneigung , sondern aus gewöhnlicher Gleichgültigkeit . Der Reisende hat kein Interesse für ihn , und die deutsche Redseligkeit , die sich freut , wenn sie nur Gelegenheit findet , etwas zu reden , die kennt er nicht . Er geht tagelang durch Wald und Feld , ohne ein Wort zu sprechen . Er unterscheidet sich von der höheren Klasse in sehr vielen Dingen , welche nicht bloß Reichtum und äußere Verhältnisse betreffen . Das Melancholische des slawischen Volkscharakters ist noch vielfach am Bauer zu erkennen . Mag er auch heftig , schnell , verschlagen erscheinen , der trübe Slawe ist doch der Grund seines Wesens , und Schweigsamkeit bringt er aus seiner Hütte mit . Das chevalereske lebendige Wesen der Polen , das uns als polnisches bekannt wird , ist , wie gesagt , mehr dem Vornehmen eigen , und widerspricht auch dem eben Gesagten nicht - der lebhafteste Pole ist nicht so geschwätzig wie der Franzose und Deutsche . Manasse erkundigte sich in schneller Frage nach Weg und Richtung , und ob kein Dorf in der Nähe sei . Der Bauer antwortete