in die großen , dunklen Eulenaugen , und war sanft entzückt , daß ihm die Augen zulachten , und auch daß die Hände , die einmal aus dem dicken Wollhandschuh herausfuhren , sanfte , kleine Frauenhände waren . » Ich werde Ihnen die Hände reiben . Kommen Sie ! « sagte Einhart . Johanna gab ihm die Hände . Es waren ziemlich viel Vergnüglichkeiten in ihren Blicken dabei , weil auch sie in seinen Augen das Funkeln und die Güte gern sah , und alles sanft und zärtlich war , was er sagte und tat . Schließlich wollte Johanna doch nicht mit ihm kommen , so sehr Einhart auch bat und quälte und sie am Arme hielt und lachte , wobei auch sie lachte . » Schon wegen der Schmutzerei , « meinte sie , auf ihre Beschneitheit weisend . Sie hatten beide Schneelasten auf Hut und Mänteln . » Aber auch so ! das schickt sich nicht . Ich werde Sie erst einmal am Tage besuchen . Wenn Sie mir dann noch so gefallen wie jetzt , « sagte sie ganz bestimmt , » dann können wir weiter Freunde sein . « So hatten sie sich getrennt . An dem Abend war es Einhart , als ob er plötzlich eine ganz eigene Art und Leichtigkeit gewönne . Es kamen ihm allerhand Tollheiten in den Sinn . Er konnte gar nicht zum Entschluß kommen , ob er zu Poncet noch in die Ecke ins Kaffeehaus gehen sollte . Dann ging er doch . Poncet , der verheiratet war und daheim zwei Kinder hatte , saß vor sich hinbrütend wie oft . Einhart war an dem Abend voller Leben . Aber er sagte nicht warum . Er ließ sich zweimal hintereinander Kaffee geben . Und glomm Zigarette um Zigarette und war sehr gesprächig . » Ja , malen ! « sagte er . » Ach Gott , das liebe Malen ! Wenn man nicht einmal fände , was einen im Alter noch anmutet mit dem Glück eines gefundenen Schatzes . Man muß dahinter sein . Das große Bild wird etwas . Ganz neuartig . Ganz meine eigenen Harmonien . Das ist sicher . Der Einfall und der Zufall ! Ich will nur malen , was mich selber überrascht ! Den glücklichsten Einfall und den seligsten Zufall . « Er hörte nicht auf , so hinzuplaudern , daß Poncet nur zuhörte . » Ein Blick gibt es manchmal , « sagte er . Poncet saß versunken in sich . Aber er lächelte auch manchmal , weil Einhart lächelte . » Einfälle und Zufälle machen es bei euch , « sagte Poncet dann einmal . » Bei uns ist alles System , System , System ! Das ganze Leben System ! Schrecklich ! schrecklich ! schrecklich ! « Sie liefen erst in tiefer Nacht nach Hause . Einhart war noch immer nicht still . Sie standen erst lange vor Poncets Hause , ehe sie sich bis zum andern Tage Lebewohl sagten . 8 Johannas Hände waren fein und klein , weiche Frauenhände , die Finger schlank . Wenn sie hantierte , gab es ein lustiges Spiel . Wenn sie mit einem Finger drohte , mußte Einhart lachen . Und nun hantierte sie erst noch eine Weile , einige Monate , bis über die Weihnacht im Putzladen , daß die weißen , lieblichen Frauenhände in bunte Seidenbänder und in allerlei fremde Blumen und Federn sich ewig einwühlten , und garnicht , däuchte es , daraus endlich ganz ans Tageslicht kommen könnten . Die etwas gebogene , schmale Nase war ewig noch den Tag gesenkt . Die großen , schwarzen Eulenaugen hatten durchaus gar kein Lachen , nur eine sichere Sittsamkeit und Spannung . Sie umprüften um und um die breiten Krempen oder hohen Türme der sonderlichsten Frauenhüte , ehe endlich wieder einer , rings umziert , aus der Schöpferin liebender Hand ins Schaufenster oder auf den Ladentisch wanderte . Einhart stand jetzt oft vor dem Laden , schon am Tage . Aber die großen Eulenaugen drinnen sahen und zwinkten nur heraus . Erst am Abend waren dann die lustigen Blicke und der junge Mund und die sanften Hände in Einigkeit mit Einharts . Bis Einhart sich ganz und garnicht trennen gewollt , gleich zu Neujahr , und Johanna ruhig lachend eingestimmt hatte und eine kleine , zierliche Hausmutter bei Einhart geworden war . Und Einhart war jetzt plötzlich ganz auf sich selber gekommen . » Ich male nur dich und mich , das ganze Leben lang , « sagte er stolz . » Denn im Grunde genommen sind wir zusammen alles . Du bist eine hohe und eine niedere Frau , und ich lebe auch das ganze volle Leben . Alle Tugenden und alle Laster sind in einem jeden . Besser , man lockt sie auf die Leinwand , als ins Leben . « Es war das drolligste Spiel zwischen den beiden . Johanna war wie ein Kind , so dienstwillig und hingegeben . Und hatte einen Zauber schon im Lachen . Das klang rein , als wenn Lachtauben ihre weichen Laute sanft hinhauchen und ein wenig dazu schluchzen . Und Johanna war voller Grazie . Fast noch mehr als früher . Sie hatte gleich begriffen , daß sie mit Anmut die Seele Einharts ganz und gar umspinnen konnte . Wenn sie auch nur mit der Kaffeemühle dasaß , die sie hockend zwischen den Knieen hielt , so gab das schon für Einhart eine Malerfreude , rein nur , wie sie dann die Schultern aufnahm und den Kopf halbgesenkt , halb ihm zugewandt ihre großen Dunkelblicke geschäftig spielen ließ . Oder wenn sie sich einmal flüchtig dabei zum Kusse hergab , launiges Lachen in die Lüfte schluchzend . Oder gar , wenn sie in feierlichen Gesten , den schlanken , kindhaften Jungleib in irgend ein köstliches Tuch leicht eingehüllt , eine griechische Krugträgerin hinschritt . Nun : Einhart konnte plötzlich ein Gefühl nicht loswerden , als wenn er jetzt erst ganz die eigene Kunst