unter die Leute ; am Altare sang der hochwürdige Herr ein lateinisches Wort besonders langgedehnt und feierlich durch die Nase . Die Mette war zu Ende . Die Ehehalten des Schuller verbreiteten es bald im Dorfe , daß ihr Bauer den Glauben abgeschworen habe und kein Christ mehr sein wolle . Aber die Erlbacher hätten das auch ohne die Rederei bald gemerkt , denn bei allen heiligen Handlungen , die in dieser Zeit schnell hintereinander folgen , fehlte der Andreas Vöst . Er trank nicht vom gesegneten Johanneswein ; er war nicht bei der großen Salz- und Wasserweihe , die am Abend vor dem Dreikönigstage gehalten wird , und er ging am Lichtmeßtage nicht mit einer geweihten Kerze in der Prozession . Die Schullerin brachte freilich geweihtes Salz heim und vermengte es mit dem Johanneswein , auf daß die Mischung das ganze Jahr aufbewahrt bleibe und davon jedem Stück Vieh gegeben würde , welches in den Stall käme . Aber wie konnte es helfen und den Schaden abwehren , wenn der Hausherr den Brauch nicht ehrte ? Sogar den Blasiussegen verschmähte er . Er war nicht unter den Leuten , welche am Tage nach Lichtmeß vor dem Altare knieten ; er ließ sich nicht die gekreuzten Kerzen an den Hals legen , daß er von Krankheit verschont bleibe . Aber wenn der Schuller glaubte , daß er für sich allein nach eigenen Gesetzen leben könne , irrte er sich . An seine Feindschaft mit dem Pfarrer hätten sich viele nicht gekehrt ; die gab es zu allen Zeiten , voraus jetzt , wo sich die Bauernbündler zusammentaten . Aber wer sich von Herkommen und Brauch losmacht , verliert den Boden unter den Füßen . Darin hatte die Schullerin mit ihrem Weiberverstande klarer gesehen wie der Bauer . Das Ansehen wurde ihm gemindert , in der Gemeinde , wie im Hause . Denn die Sitte ist älter als die Menschen . Und sie ist stärker . Weil sie das nüchterne Leben segnet , ist sie ehrwürdig , und weil sie ehrwürdig ist , kann sie keiner ohne Schaden verletzen . Sie ehrt die Arbeit , sie gibt der Fröhlichheit und der Trauer Bedeutung . Absonderlich der Bauer hängt mit zäher Treue an ihr . Sie begleitet ihn von dem Tage an , wo der Göd seinen Einbindtaler dem Täufling in die Windeln steckt , bis zu der Stunde , wo ehrsame Nachbarn seinen Sarg dreimal auf die Schwelle des Hauses niederlassen , bevor sie ihn auf die Schultern heben . Daß der Schuller heraustrat aus dem festgefügten Kreise , mißfiel allen . Auch dem Haberlschneider . Er sagte dem Freunde offen , daß er unrecht damit tue , und daß ihn jeder tadeln müsse , der es gut mit ihm meine . Wenn jetzt der Pfarrer seinen Schmerz über den unchristlichen Haushalt auf der Kanzel verkündete , dachte mancher Rechtschaffene , daß er damit seine Pflicht tue . Und im eigenen Hause mehrte sich dem Schuller der Verdruß . Zu Lichtmeß sagten ihm alle Dienstboten auf . Sie wollten einem Herrn nicht dienen , der im Gerede stand ; denn von dem Spotte fiel auch etwas auf sie . Die neuen , welche kamen , taugten nicht viel . Sie glaubten von Anfang , daß sie in diesem Hause das Recht zur Liederlichkeit hätten . Wenn sie dann straffes Regiment spürten , wurden sie störrisch und mißmutig . Der Roßknecht war das Jahr zuvor bei einem Bauern in Webling gewesen , der alle fünf gerade sein ließ und seinen Stall unreinlich hielt . Gerade in dem Punkte war der Schuller genauer wie andere ; er hatte nicht bloß in seinem eigenen Anwesen alte Mißbräuche abgeschafft , sondern auch Nachbarn und Freunde darüber belehrt , daß die alte Manier schädlich sei . Er sah streng darauf , daß jede Futterzeit Dünger und Streu entfernt wurden , damit die Pferde ein trockenes und reinliches Lager hatten . Dem neuen Knechte war die Arbeit zu viel . Als ein richtiger Faulenzer wußte er immer Gründe anzugeben , wenn er die Streu liegen ließ . Der Boden sei zu hart , sagte er , und er dürfe doch nicht jedesmal einen großen Haufen ausbreiten ; da sei es gescheiter , frische Streu auf die alte zu legen . Der Schuller machte ihm begreiflich , daß es ihm auf ein paar Strohbündel nicht ankomme . Übertreiben müsse man es ja nicht ; und ein hartes Lager sei immer noch besser , wie Schmutz oder Nässe . Der Hansgirgl hörte zu und sagte , er wolle in Gottes Namen jedesmal frische Streu aufschütten ; aber die alte warf er liederlich in eine Ecke des Stalles . Da mußte ihn der Schuller wieder mahnen . Er habe ihm doch angeschafft , daß er die alte Streu auf den Misthaufen bringen solle . Der Hansgirgl sagte , es sei draußen zu kalt , und er habe die Stalltüre nicht aufmachen dürfen , sonst wäre die Luft hereingekommen . Der Dallhammer von Webling sei scharf darauf gewesen , daß die kalte Luft nicht in den Stall komme . Das sei eine alte Dummheit , entgegnete der Schuller . Bei ihm müsse es anders gemacht werden . Nur auf mit der Tür , dreimal im Tag , und den Mist hinausgefahren ! Die Luft sei was Gutes für Mensch und Vieh . Ein paar Wochen tat es gut . Bis eines Tages der Hansgirgl wieder frische Streu auf die alte warf . Diesmal faßte der Schuller schärfer an . » Ja , hab ' i dir ' s it g ' sagt , daß i dös it mag ? Is mei Reden für gar nix ? « » ' s Roß liegt oamal z ' hart , und de alt ' Strah is gar it naß ; beim Dallhammer hamm mir de Strah glei drei und vier Täg liegen lassen . « » Was geht denn dös mi o , was der Dallhammer tuat ? « » Der sell hat aa