die frische Luft mit genießen , und nach dem Essen wollte er dann immer graben , pflanzen und jäten . Derart lebten die beiden als zielbewußte und ganz umstürzlerisch gesinnte Arbeiter doch in allerhand Wünschen , wie sie wohl kleine Bürger haben mögen , und es zeigte sich auch an ihnen , daß die Gedanken der Menschen immer viel weiter greifen , wie ihr eigentliches Streben ist , das für einen Arbeiter in Wahrheit ja doch immer nur auf ein größeres Behagen gehen kann und auf die Art von Freiheit und Sittlichkeit , welche er versteht , nämlich des kleinen Bürgers , weil er den gerade über sich sieht . So nahte sich die Zeit , wo die Frau entbunden werden sollte . Als eine fleißige und frische Person ging sie noch bis in die letzten Tage auf ihre Arbeit , und weil sie jung und gesund war , so geschah alles ohne besondere Unfälle und in richtiger Weise . Und nun war das Leben und das Glück , das sich jedesmal wiederholt , wo eine Familie wenigstens nicht mit allzu großem Leichtsinn gegründet ist , wenn das Erstgeborene kommt ; zwar hatten sie nur ein Mädchen , aber doch war der Vater so stolz , daß er meinte , er sei fast allen seinen Arbeitsgenossen überlegen , und die Mutter dachte , ein so kräftiges , gesundes und kluges Kind sei doch eine sehr große Ausnahme ; den Namen gaben sie ihm nach den drei von ihnen am meisten verehrten Männern , nämlich Marx , Lassalle und Bebel , als Karoline Ferdinande Auguste . Es stellte sich naturgemäß heraus , daß die Frau zunächst ihre Arbeit lassen mußte , und so hatten die Ehegatten jetzt wieder viele Gelegenheit , über die bessere Organisation solcher Dinge in der künftigen Gesellschaft zu reden , wo eine gelernte und geübte Pflegerin eine Menge Kinder versorgen kann , indes die Mütter ihrer Arbeit nachgehen , die wegen ihrer geringen Kenntnis und Übung , auch wegen des bekannten Nachteils jeden Kleinbetriebes , doch gewiß ungeeignetere Pflegerinnen wären wie jene , und meinte die Frau , sie würde sich sehr gern von der Gesellschaft an solche Stelle als Pflegerin setzen lassen , denn dabei hätte sie ihr Kind doch immer bei sich , das sie auch nicht bevorzugen wolle . Inzwischen erwies sich das Kind als kräftig wachsend und froher Gemütsart und bekam einen sehr schönen Wagen mit Gummirädern , um den vorher die Frau eines Amtsrichters vergeblich gefeilscht hatte , er war der aber zu teuer gewesen , und auch alle seine Wäsche war sehr schön . Hans und Karl hatten die Freundschaft mit den beiden aufrecht gehalten , und obschon sie zwar kein rechtes Verständnis für kleine Kinder hatten , so freuten sie sich doch des Glückes der Eltern mit . Zuweilen kamen sie am Sonntagnachmittag in die kleine Wohnung mit den ängstlich geschonten Möbeln , brachten allerhand Zugebröte in Papier gewickelt , wie Wurst und Käse , und aßen dann mit der Familie unter fröhlichen Gesprächen zu Abend ; und erzeugte die Annäherung der Klassen in dem Schuhmacher und den Studenten auf beiden Seiten ein besonderes Hochgefühl und eine gewollte Freude , als kämen sie alle in eine neue Freiheit , indem es ihnen freilich oft mit Schwere auffiel , daß es eigentlich wenig war , was sie einander sagen konnten , und daß sie fast sich gegenüberstanden wie Menschen verschiedener Sprachen , die durch einige allgemeinverständliche Laute und Zeichen einander ihre Freundschaft versichern . Auch Jordan war oft zu Besuch bei den jungen Leuten , jener ruhige Mann , der damals in der Versammlung ihnen die Spuren der Ketten an seinen Knöcheln gezeigt hatte . Einmal , als er mit den beiden Studenten zusammen von dem Ehepaar wegging , war er in sehr trüber Stimmung und in jener Verfassung , die zu Klagen und Erzählungen treibt . So sprach er von seiner Heimat , wo er bei einem alten Meister gelernt , der ihn lieb gewonnen hatte , weil er Sonntags nicht zum Tanzen ging und zu Biere , sondern zu Hause blieb und Bücher las ; der hatte ihm gesagt , wenn er seine Wanderschaft beendet habe , so solle er wiederkommen , dann sei er selbst so weit , daß er nicht mehr arbeiten könne , dann solle er seine Werkstätte übernehmen und seine Kundschaft bekommen . Nun hatte er aber gesehen , wie überall das Handwerk durch die Fabriken verdrängt wurde , und auch die Schuhmacher konnten sich nicht lange mehr halten , und wenn jetzt ein junger Mensch sich in einem kleinen Ort als Meister niederließ , so mochte er ja wohl noch ein paar Jahre lang sein Auskommen haben , aber dann ging das Handwerk doch zugrunde , und da war es besser , gleich in jungen Jahren in die fabrikmäßige Produktion zu gehen , solange man sich noch gewöhnen konnte , und vielleicht bekam er eine bessere Stellung . Weshalb Jordan das erzählte , wurde nicht klar ; aber der Grund war , daß er Heimweh hatte und sich aus dem großen Fabriksaal mit den schnurrenden Maschinen und der hastigen Arbeit wegsehnte in die kleine Schusterwerkstätte mit dem Schemel , dem Knieriemen und der Glaskugel vor dem Licht . Weiterhin erzählte er , daß er versprochen gewesen sei , kurz vor seiner Verhaftung , und das Mädchen habe er auch von Jugend auf gekannt , denn was man so in Berlin sehe von Mädchen , da wisse man bei keiner , was der schon alles passiert sei , und das sei ja wohl nicht richtig , wenn man als junger Kerl sein Herz an ein Mädchen hängt , denn man könne ja tausend haben für eine , aber weil er sie so lange gekannt und auch ihre Eltern , so sei er doch der Meinung gewesen , er habe etwas Gutes . Wie er aber wieder aus dem Gefängnis herausgekommen sei , da habe er sie mit einem andern verlobt gefunden , und sie habe