, auf dem all meine Sachen liegen , weil ich keine Schubladen habe - die Lampe mit dem zerrissenen , hellgrünen Schirm - aber doch liebe ich das Ganze , und es hat einen gewissen Zauber . Und drüben im Lehnstuhl schläft der ferne , fremde Mann . Beim Einschlafen geht mir durch den Sinn , wie schön doch diese unsere stillen Stunden sind - , daß ein Mensch zu mir kommt , um auszuruhen , und all das Schweigen zwischen uns beiden Ruhelosen . Erst am hellen Sommermorgen wachen wir auf , die Lampe brennt immer noch . Ich mache Kaffee , und nun kommt erst die Plauderstunde . Dann begleite ich ihn durch den Englischen Garten , er hat einen weißen Tennisanzug an und ich ein weißes Kleid - draußen ist alles so morgenfrisch und schön . November Nun wieder zurück von den Sommerfahrten , und der Herbst macht melancholisch . München verödet immer mehr ; dieses Jahr sind viele gegangen . Johnny , die Dalwendt - der Zarekkreis hat sich nach und nach aufgelöst , es ist nicht mehr das abenteuerliche Traumland von früher . Ich komme im Café mit allerhand Leuten zusammen , Malern , Literaten usw. , aber es ist eine ganz andere Sorte Menschen . Es scheint mir beinah , als ob inzwischen eine andere Zeit und eine andere Generation gekommen wäre . Es ist kein Sturm mehr darin , und all das Neue ist eben doch nicht gekommen . Diese Kaffeehausmodernen sind schon so mit allem fertig , was wir damals andächtig anbeteten , als ob man nun keine Andacht mehr brauchte , weil man die Kinderschuhe ausgetreten hat . Und im Grunde haben sie dafür nur Pantoffeln angezogen und bewundern nur mehr sich gegenseitig . Oh , diese vielen ernsten Gespräche , was der eine als Künstler will und wie der andere das Leben anfaßt usw. Ich bin doch , weiß Gott , noch nicht so alt , daß mir alles in der Erinnerung anders aussieht , aber diese Leute scheinen mir so abgelebt und greisenhaft gegen die , mit denen ich jung war , sogar auch gegen unsere Zarekboheme vor drei Jahren . Sie wollen auch nicht mehr Boheme sein , jeder hat seinen schwarzen Rock und geht auf jours , um über Kunst und Kultur zu reden . Man soll es doch nicht ganz mit der Gesellschaft verderben , denn sie hat die Übermacht behalten , und es ist gescheiter , sich eine Tür offen zu halten . Ach , wie hätten wir den totgelacht , der auf einen jour gegangen wäre . Neujahrsabend Wenn doch Bel-ami noch käme , um mir die schwarzen Gedanken etwas zu vertreiben , und wenn er nur ganz ruhig dasäße und kein Wort sagte . Aber es ist alles still , und ich bin allein . Seit Tagen schon nicht mehr ausgegangen , es hilft nichts , gegen diese Kraftlosigkeit und Erschöpfung anzukämpfen , es hilft nichts , daß ich mich nicht ergeben will . Warum man wohl an solchen Tagen immer so sehr zu Betrachtungen aufgelegt ist - , aber es scheint eine alte Gewohnheit , die schwer loszuwerden ist . Immer wieder muß ich an Reinhard denken , vor zwei Jahren waren wir an dem Abend noch zusammen - , und weiter zurück - zu Hause - die Geschwister . - Vielleicht denken sie manchmal noch an mich , wie an jemand , der lange gestorben ist . Und ich sitze hier , halbkrank , in dem elenden Raum , wo das Schneewasser durch die Scheiben läuft , und wo alles zu sagen scheint : Was führst du für ein Dasein ! Und ich bin noch jung - aber alles , was ich hoffen und wünschen könnte , ist untergraben durch diese elende Kraftlosigkeit . Es hat längst zwölf geschlagen , lärmende Menschen kommen unten in der Straße vorbei , dann ist es wieder ruhig . - Mir ist , als ob mein eigenes Leben mir hier in der Totenstille gegenübersäße - so haben wir beide schon oft Zwiegespräche gehalten , mit bangen schweren Fragen . Wenn ich an die eine Hoffnung glauben könnte , die ganz leise und ganz ferne aufdämmern will , aber ich habe nicht den Mut dazu - , als ob sie dann zerrinnen müßte wie alles andere , wenn ich nur den Blick nach ihr wende oder nur eine Hand rühre . Mitte Januar Nun schon seit Wochen so hinliegen . - Wollte ich mir meine ganze Verzweiflung eingestehen ! Wozu immer wieder sich aufraffen , wenn doch alles umsonst ist . Als ob ein Gespenst mich vor meinen eigenen Augen hinwürgte - ich kann nicht leben und nicht sterben . Heute habe ich mir mit vieler Mühe den Lehnstuhl ans Fenster geschleppt - es ist ein wahres Ereignis , einmal den Platz zu verändern , in den Hof hinauszusehen , wo ein paar Knechte Holz hacken und der Schnee von den Dächern rinnt . Alles trüb und grau , weiche , drückende Vorfrühlingsluft , über dem Kohlenschuppen graugelbe Häuserwände - so einer von den Tagen , wo man sehnsüchtig von Luft und Licht träumen möchte wie ein Gefangener . Ja , was ist das für ein Dasein , wenn man krank ist - morgens liege ich lange im Bett , nur um nicht in den Tag hinein zu müssen . Dann mit dem Hammer dreimal an die Wand klopfen , bis der alte Hausmeister kommt , um Feuer zu machen . Er läßt die Tür offen , und sie knarrt , daß ich weinen möchte , dann fliegen die Späne durchs Atelier , und dabei unterhalten wir uns über das Elend im Leben - drüben liegt seine Frau schon seit Monaten krank . Die beiden Alten sind wie eine Art Familie für mich . Dann bringt er mir den Kaffee , der auf meinem schwarzen Koffer serviert wird , weil kein anderer Platz da ist . Ich stehe allmählich auf , alles ist in Unordnung ,