des Lohns mit dem Manne . Mag er doch in das heiße schwarze Kaminloch hinaufklettern , mag er doch in die übelriechende , miasmatische Grube hinabsteigen - das Weib wird derweil gemächlich zu Hause bleiben , mit der Nachbarin schwatzen und lästern und in Süßigkeiten und unnötigem Putz das schwer erworbene Geld des Ehemanns verhausen . Ein junger Landwirt kurierte sein für Gleichberechtigung schwärmendes Eheweib auf ebenso leichte wie nachahmenswerte Weise . Er weckte sie des Morgens um halb vier aus den süßesten Emanzipationsträumen . Sie erschrak sehr , die Tochter aus besserem Hause . Jesis Gott , was fällt dir ein , mich so früh aufzuwecken ? sprach sie . Stand uf , sprach er , nimm die Kälber , führ sie auf den Berg , ich will jetzt eine Gleichberechtigung eintreten lassen . Ach , du mein Spaßvogel ! sprach das Weib . Da warf er sie zum Bett hinab und prügelte sie zur Tür hinaus . Spaßvogel hin , Spaßvogel her ! Hier wird nicht gespaßt , hier wird Gleichberechtigung durchgeführt . Das Weib wollte nicht , wehrte sich und schrie : Ich kann das nicht . Aber ich kann das ? denkst du , Weib , denkst du ? ich kann alle Tage um halb vier Uhr aufstehen oder um drei ? Marsch , Gleichberechtigung , führe die Kälber auf den Berg ! Und der Mann prügelte sie in den Stall hinein , wo die jungen Kälber dem Morgen entgegenbrüllten . Und er lachte sehr und sagte : Man muß euch Weiber zur Gleichberechtigung zwingen , ihr versteht sie falsch ! So belehrte ein kluger Mann sein törichtes Weib , und von da an hatte er Ruhe vor ihr . « » Ech ! « unterbrach Bernstein , » wozu lesen Sie ! lassen Sie das ! « Er betrachtete den Knaben Hermann , der begierig zuhörte und die Erzählung einzusaugen schien . » Chaibeluschtig ! Weiter , « sagte der Bub und seufzte vor Genuß . Georges warf den Löffel klirrend auf den Teller , ein fleckiges Rot spielte auf seinen blanken Backenknochen . » Gesunde Auffassung , scheint mir , « sagte er mit einem bösen Lächeln , » was haben Sie an dem Essay auszusetzen , Damen ? « » Essay ! lieber gar ! « Helene warf das Blatt hin und schüttelte sich vor Lachen . Hermann griff sofort nach der Zeitschrift ; seine Mutter nahm sie ihm aus der Hand , so heftig , daß sie zerriß . » Dummheiten , Bub , nichts für dich ! « sagte sie mit finsterem Gesicht , » wenn du lesen willst - es gibt so viel Gutes . « In Hermanns Augen stiegen Zorntränen auf . » Ich will das lesen , « sagte er , zu dem Vater gewandt , in dessen Gesichtsausdruck er Billigung , ja Wohlgefallen suchte und fand . Josy zerriß das Blatt mit der ihr eigentümlichen Heftigkeit in kleine Stücke , die sie in den Kohlenkasten warf . » Fühlst du nicht , Bub , daß hier Häßliches ist ? « sagte sie verwundert und bekümmert , » roh und dumm ist die Erzählung ! Mach deine Augen auf , Hermannli , wirst sehen , daß die Frauen überall mit ihren Händen schaffen , gleichviel ob die Arbeit angenehm ist oder nicht . Das Schreiberhirn stellt sich dumm , so , als ob es nur faule Weiber gäbe , und derweil sind schon alle Fabriken voll von arbeitenden Frauen . Und in den Familien - « - « Sie vollendete nicht , denn Hermanns gleichgültige verbissene Miene brachte sie aus der Fassung . Er hatte die Hand auf seines Vaters Arm gelegt , - der innere Zusammenhang zwischen diesen beiden ging ihr blitzartig auf . Ein Gefühl , das fast Entsetzen war , drückte ihr auf dem Herzen . » Hermann ! « schrie sie auf , schrill , außer sich , » komm hierher ! höre ! « Georges blickte groß auf , mit zurückgeworfenem Kopfe ; er lehnte sich gegen den Knaben mit der Schulter , als ob er ihn verdecken , schützen wolle . » Er ist wohl auch mein Sohn , oder - könnt ihr gar am End auch das schon ohne uns , ihr Herrscherinnen von heute ? « Sein spöttisches Zischeln ging in Gelächter aus . Josefine schloß wie betäubt die Augen , in ihrem Kopfe sauste und hämmerte das Blut - das - das - ging ja nicht , so ist es ja schlecht ! Man wird sich also jetzt hier streiten , so - streiten , - und sich vergessen wird man , - Dinge sagen , o pfui ! was für Dinge ! Und das schadenfrohe Blinzeln in Hermanns matten Augen , das soll sie - sie ertragen ? Sie zwang sich zu einem lauten Lachen , das sie alle aufschauen machte . » Oh , Hermannli , wie bist du angeführt , « rief sie , » der Vater scherzt , und du verstehst nichts ! Komm , mach , schieb ! hinaus ! es schneit ! der erste heurige Schnee ! frühzeitig , gelt ? Und die Geranien sind noch draußen . Der Schnee bringt sie um . Lauf , Hermannli , spring , die Geranien heraustun ! « Sie verließ mit den Kindern das Zimmer - ohne Hut ging ' s in das schmale Gärtchen , der nasse Schnee kühlte ihre heiße Stirn . Hinter ihr ging der Streit fort - mochte er fortgehen , Bernstein und Helene würden ihre Meinung schon allein verfechten . Der Knabe mußte die Pflanzen aus dem Boden heben , der sich mit leichtem , weißem Anflug bedeckte ; Rösi holte Scherben herbei , füllte sie halb mit Erde , Josefine setzte die Geranien hinein . Sie blühten noch reich , rosa , leuchtend rot und purpurn , die Wurzeln hatten sich tief und weit verbreitet . Der Knabe tat gehorsam , aber mürrisch seine Sache ; als eine Viertelstunde vergangen