hin , Wladimir . « » Ich rechne es dir hoch an , Ermyntrud , daß du so sprichst . Aber es wäre schließlich auch ohne mich gegangen . Koseleger war da , der konnte das Präsidium nehmen so gut wie ich . Und wenn der nicht wollte , so konnte Torfinspektor Etzelius einspringen . Oder vielleicht auch Krippenstapel . Krippenstapel ist doch zuletzt der , der alles macht . Jedenfalls liegt es so , wenn es der eine nicht ist , ist es der andre . « » Ich kann das zugeben . Wie könnte sonst die Welt bestehen ? Es gibt nichts , was uns so Demut predigte wie die Wahrnehmung von der Entbehrlichkeit des einzelnen . Aber darauf kommt es nicht an . Worauf es ankommt , das ist Erfüllung unsrer Pflicht . « Katzler , als er dies Wort hörte , sah sich nach einem Etwas um , das ihn in den Stand gesetzt hätte , dem Gespräch eine andere Wendung zu geben . Aber , wie stets in solchen Momenten , das , was retten konnte , war nicht zu finden , und so sah er denn wohl , daß er einem Vortrage der Prinzessin über ihr Lieblingsthema » von der Pflicht « verfallen sei . Dabei war er eigentlich hungrig . Ermyntrud wies auf ein Taburett , das sie mittlerweile neben ihren Sofaplatz geschoben , und sagte : » Daß ich immer wieder davon sprechen muß , Wladimir . Wir leben eben nicht in der Welt um unsert- , sondern um andrer willen . Ich will nicht sagen , um der Menschheit willen , was eitel klingt , wiewohl es eigentlich wohl so sein sollte . Was uns obliegt , ist nicht die Lust des Lebens , auch nicht einmal die Liebe , die wirkliche , sondern lediglich die Pflicht ... « » Gewiß , Ermyntrud . Wir sind einig darüber . Es ist dies außerdem auch etwas speziell Preußisches . Wir sind dadurch vor andern Nationen ausgezeichnet , und selbst bei denen , die uns nicht begreifen oder übelwollen , dämmert die Vorstellung von unsrer daraus entspringenden Überlegenheit . Aber es gibt doch Unterschiede , Grade . Wenn ich statt zu der Stechliner Wählerversammlung lieber zu Doktor Sponholz oder zur alten Stinten in Kloster Wutz ( die ja schon früher einmal dabei war ) gefahren wäre , so wäre das doch vielleicht das Bessere gewesen . Es ist ein Glück , daß es noch mal so vorübergegangen . Aber darauf darf man nicht in jedem Falle rechnen . « » Nein , darauf darf man nicht in jedem Falle rechnen . Aber man darf darauf rechnen , daß , wenn man das Pflichtgemäße tut , man zugleich auch das Rechte tut . Es hängt soviel an der Wahl unsers alten trefflichen Stechlin . Er steht außerdem sittlich höher als Kortschädel , dem man , trotz seiner siebzig , allerhand nachsagen durfte . Stechlin ist ganz intakt . Etwas sehr Seltenes . Und einem sittlichen Prinzip zum Siege zu verhelfen , dafür leben wir doch recht eigentlich . Dafür lebe wenigstens ich . « » Gewiß , Ermyntrud , gewiß . « » In jedem Augenblicke seiner Obliegenheiten eingedenk sein , ohne erst bei Neigung oder Stimmung anzufragen , das hab ich mir in feierlicher Stunde gelobt , du weißt , in welcher , und du wirst mir das Zeugnis ausstellen , daß ich diesem Gelöbnis nachgekommen ... « » Gewiß , Ermyntrud , gewiß . Es war unser Fundament ... « » Und wenn es sich um eine sittliche Pflicht handelt , wie doch heute ganz offenbar , wie hätt ich da sagen wollen : bleibe . Ich wäre mir klein vorgekommen , klein und untreu . « » Nicht untreu , Ermyntrud . « » Doch , doch . Es gibt viele Formen der Untreue . Das Persönliche hat sich der Familie zu bequemen und unterzuordnen und die Familie wieder der Gesellschaft . In diesem Sinne bin ich erzogen , und in diesem Sinne tat ich den Schritt . Verlange nicht , daß ich in irgend etwas diesen Schritt zurück tue . « » Nie . « Das kleine Dienstmädchen , eine Heideläufertochter , deren storres Haar , von keiner Bürste gezähmt , immer weit abstand , erschien in diesem Augenblicke , meldend , daß sie das Teezeug gebracht habe . Katzler nahm seiner Frau Arm , um sie bis in das zweite , nach dem Hof hinaus gelegene Zimmer zu führen . Als er aber wahrnahm , wie schwer ihr das Gehen wurde , sagte er : » Ich freue mich , dich so sprechen zu hören . Immer du selbst . Ich bin aber doch in Unruhe und will morgen früh zur Frau schicken . « Sie nickte zustimmend , während ein halb zärtlicher Blick den guten Katzler streifte , der , solange das ihm nur zu wohlbekannte Gespräch über Pflicht gedauert hatte , von Minute zu Minute verlegener geworden war . Neunzehntes Kapitel Und nun war Wahltagmorgen . Kurz vor acht erschien Lorenzen auf dem Schloß , um in Dubslavs schon auf der Rampe haltenden Kaleschewagen einzusteigen und mit nach Rheinsberg zu fahren . Der Alte , bereits gestiefelt und gespornt , empfing ihn mit gewohnter Herzlichkeit und guter Laune . » Das ist recht , Lorenzen . Und nun wollen wir auch gleich aufsteigen . Aber warum haben Sie mich nicht an Ihrem Pfarrgarten erwartet ? Muß ja doch dran vorüber « - und dabei schob er ihm voll Sorglichkeit eine Decke zu , während die Pferde schon anrückten . » Übrigens freut es mich trotzdem ( man widerspricht sich immer ) , daß Sie nicht so praktisch gewesen und doch lieber gekommen sind . Es is ' ne Politesse . Und die Menschen sind jetzt so schrecklich unpoliert und geradezu unmanierlich ... Aber lassen wir ' s ; ich kann es nicht ändern , und es grämt mich auch nicht . « » Weil Sie gütig sind