sehr ärgerlich ! Aber Sam pflegte sich niemals lange zu ärgern . Ärger kostete Zeit , und » Zeit ist Geld « . Er schätzte das Geld viel zu hoch , um es auf etwas Verlorenes zu setzen . Lieber strengte er seinen Verstand an , überlegte , ob sich hier nicht doch noch etwas machen lasse , und bald hatte er das Richtige gefunden . Wozu war denn Edmund Schmeiß da ! Von der Gewandtheit und dem Schneid des jungen Mannes hatte er mehr als eine Probe erhalten . Edmund Schmeiß war auch hierfür der richtige Mann . Der Plan des Händlers war folgender : Der Besitzer der Herrschaft Saland war Rittmeister und stand in Berlin . Sam kannte den jungen Grafen zwar nicht persönlich , aber er wußte , daß er ein vornehmer Herr sei , der sich nicht sonderlich viel um die Gutsangelegenheiten kümmerte . Im Sommer und Herbst lebte der Graf ein paar Wochen mit seiner jungen Frau auf der Herrschaft , die übrige Zeit hielten ihn Dienst und Geselligkeit in der Reichshauptstadt fest . Mit den Einzelheiten der Landwirtschaft seines großen Besitzes konnte der junge Herr sich wohl kaum befassen ; dazu waren die Beamten da . Ihm war jedenfalls die Rente die Hauptsache , und er war schon zufrieden , wenn er nur möglichst wenig Arbeit und Sorgen durch den Besitz hatte . Es war ferner anzunehmen , daß der Graf über die Verhältnisse bei den kleinen Leuten und Bauern , mit denen er grenzte , nur sehr unvollkommen unterrichtet sei . Was er etwa darüber wußte , wurde ihm jedenfalls durch seine Leute zugetragen . Überhaupt sah er alle Verhältnisse wahrscheinlich durch die Augen der Angestellten . Was konnte er eigentlich für ein Interesse an dem Büttnerbauer haben ? Dem Grafen irgendwelche Teilnahme an der Erhaltung eines kräftigen Bauernstandes zuzutrauen , so naiv war Samuel Harrassowitz nicht . Er kannte doch die Kavaliere ! Wahrscheinlich spekulierte der Graf auf den Wald des Bauerngutes der Jagd wegen . Jedenfalls war hier irgendein ganz realer , egoistischer Zweck im Hintergrunde , welcher diesen großen Herrn veranlaßte , dem Bauern anscheinend hilfreich unter die Arme zu greifen . Wie nun den Grafen daran verhindern ? Die Sache war äußerst brenzlich und mußte mit größter Vorsicht angefaßt werden . Solche Aristokraten waren hochfahrend , stark von sich eingenommen und liebten nicht , daß man sich ihnen aufdränge . Auf der anderen Seite waren sie leichtlebig und rasch in ihren Entschließungen , ließen sich leicht bereden und fortreißen . Vor allem aber kam es ihnen bei jedem Geschäfte darauf an , daß es sich in netter , gefälliger Form darbot , daß die Etikette gewahrt wurde . Sam besaß so viel Selbsterkenntnis , um sich zu sagen , daß , wenn er selbst nach Berlin führe , um mit dem Grafen zu verhandeln , dabei schwerlich etwas herauskommen werde . Er hielt sich zwar durchaus nicht für unfein ; aber er wußte , daß Leute , wie der Graf , besonders wenn sie Offiziere sind , einen schwierigen Geschmack haben ; kurz und gut , es schien ihm besser , seine Person im Hintergrunde zu halten . Edmund Schmeiß - des war etwas ganz anderes ! Das war ein » proper « aussehender junger Mann , immer » patent « angezogen und mit » noblen « Manieren , überhaupt » prima ! « Sam hatte immer seine geheime Freude gehabt an dem forschen Auftreten seines Günstlings . Er zweifelte keinen Augenblick daran , daß der Kommissionär auch das Wohlgefallen des Grafen , schon durch seine Erscheinung , gewinnen werde . Edmund Schmeiß wurde also ausersehen , nach Berlin zu reisen . Zuvor natürlich einigte man sich über die Provision , wie das unter vorsichtigen Geschäftsleuten üblich ist . Sam vereinigte immer gern mehrere Geschäfte , wenn es sich machen ließ . Da er sich nun einmal in die Kosten gestürzt hatte , seinen Kommissionär nach Berlin zu schicken , gab er diesem gleich noch ein paar andere Aufträge mit . Man hatte Geschäftsverbindungen mit Berlin . Schmeiß bekam Order , verschiedene Freunde von der Produktenbörse aufzusuchen und ein wenig auszuhorchen über dieses und jenes . Überhaupt hätte Sam gern etwas über die Stimmung im Kreise der Eingeweihten erfahren . Besonders für Weizen interessierte sich der Händler gegenwärtig lebhaft . Die Berliner Berichte lauteten seit etwa acht Tagen stehend : » Weizen ruhig bei ziemlich behauptetem Preise . « Aber Sam traute nicht . Das war wohl nur die Stille vor dem Sturm . Der Markt litt nicht unter starkem Angebot , und trotzdem kein Anziehen der Preise ! Roggen litt unter Glattstellungen , Gerste war still . Wahrscheinlich dachte eine Anzahl großer Firmen , im trüben fischen zu können ; etwa die niedrigen Notierungen zu benutzen , um im stillen Deckungen auszuführen und dann mit einem Male , wenn sie genug hatten , die Preise zu schnellen . Es wäre recht interessant gewesen , hinter die eigentlichen Absichten der maßgebenden Leute im Weizengeschäft zu kommen . Wenn man das Ziel des Manövers rechtzeitig erfuhr , konnte man sich in seinen Manipulationen danach richten . * * * Edmund Schmeiß reiste also nach Berlin ab . Zunächst versah er sich in einem Modemagazin mit einem neuen Zylinder , rotbraunen Handschuhen und einer Kravatte von prächtiger Farbe . Er meldete sich nicht an ; denn da riskierte man eine Ablehnung . Er wollte überraschen , wenn es sein mußte , überrumpeln ! Die Mittagsstunde schien ihm die beste Zeit für seinen Besuch . Er nahm eine Droschke erster Klasse , der Kutscher sollte vor der Tür auf ihn warten - man durfte nichts versäumen , was guten Eindruck machen konnte - und fuhr nach » den Zelten « wo , wie er durch das Adreßbuch ersehen hatte , der Graf seine Wohnung hatte . Fast gleichzeitig mit ihm fuhr ein Coupé vor . Der Diener sprang vom Bock und öffnete den Schlag . Ein Ulanenoffizier stieg aus und eine Dame