, etwas kritikloser nehmen ? Immer dasselbe gleichsam festgefrorene Abweisungs- und Entsagungspathos - es wird etwas langweilig auf die Dauer . Jawohl ! Es kann sogar sehr langweilig werden . Wie ? Wenn er jetzt neben Emmy säße ... und sein leckeres Weiblein an diesem köstlichen Goldwein nippte und ihm dabei über den Rand des Glases hin zublinzelte mit seinen lustigen , lockenden Augen ... so verführerisch-verheißungsvoll zublinzelte - wie ? wäre daß nicht ein süßer , berauschender Genuß ... eine beseligende Traumstimmung ... ein solider Augenblick des Glücks , der Illusion ... zwischen Gliedern an der Lebenskette , die entwaffnet haben und entwaffnen werden , weil sie in nüchterner , durchschauender Erkenntniß beschlossen sind ? In Gesellschaft von Naturen à la Hedwig warf selbst der goldenste , göttlichste Wein keine bunten , sammtenen Lichter über das dumme , rohe , rauhbeinige Leben . Der Regen prasselte mit derselben trockenen Dreistigkeit immer noch nieder ... und mit den rothgelben Lüstreflammen des Saales coquettirten noch immer die weißblauen Blitze . Aber der Donner nahm sich schon mehr Zeit ... schien schon vorwiegend müde geworden zu sein . Er humpelte langsamer hinter den schießenden Flammen her ... und sein Poltern klang bedeutend gemüthlicher . » Na ! das scheint ja noch ' mal gnädig ablaufen zu wollen - « meinte Herr Engler und trat an den Tisch heran , hinter dem Adam und Hedwig saßen . Melitta entfernte sich , ernstlich gekränkt , wie es schien , einen bösen Blick auf Hedwig werfend . » Ja ! . « erwiederte Adam zerstreut ... und schwang sich dann zu der Frage auf : » Wie lange haben Sie noch auf , Herr Wirth ? « » Bis halb Drei ... Drei - so genau läßt sich das nicht nehmen . Je nachdem das Local besetzt ist . Wie Viele kommen nicht erst kurz vor Thoresschluß - ! « » Gewiß ! Na ! da dürfen wir ja noch ' ne Weile sitzen ! Wie spät haben wir ' s denn jetzt ? « » Es geht auf Zwei ! Nehmen Sie sich nur Zeit , Herr Doctor ! Noch ' n Stündchen - dann müssen wir aber Schicht machen - « » Bitte , Hedwig , trink doch ! Ich glaube , Du bist noch beim ersten Glase ! Nimm Dir an mir ein Beispiel ! Nicht wahr , Herr Wirth - bei einer Flasche Liebfrauenmilch habe ich es noch nie bewenden lassen - ? « » Ja ! Ja ! Es sind wohl meistenteils ... mehrere ... Flaschen geworden ... Aber da waren Sie auch - wie soll ich sagen ? - da gings flotter - lustiger her - da - « » Pst ! « drohte Adam , halb im Ernste , halb im Spaße . » Nix ausplaudern , mein Lieber - ! « » Du brauchst Dir gar keinen Zwang aufzulegen , Adam ! Du weißt doch - wir haben uns ja über diesen Punkt ausgesprochen - « warf Hedwig ein , Aerger und Verbitterung in der Stimme . » Sie sehen , Herr Engler : so ein Pantoffelheld ist man nun glücklich geworden ! Ja ! Die Liebe ! Die Liebe ! Die kriegt Alles fertig und krümmt selbst den trotzigsten Nacken - « scherzte Adam gezwungen ... » - aber ganz hast Du mich noch nicht gebändigt , liebe Hedwig - ganz noch nicht - « » Bitte , laß das ! - « Herr Engler entfernte sich . Er konnte den Doctor nicht begreifen . Wollte der ' s denn wirklich nur noch mit den Philistern halten ? Und der würdige Weinwirth glaubte Grund genug zu der Befürchtung zu besitzen , über kurz oder lang einen seiner besten Stammgäste zu verlieren - und das würde doch sehr fatal sein . Adam fühlte sich immer ungemüthlicher . Hedwig war so wortkarg ... starrte in Einem fort vor sich hin - und schien mehr an ihren verlassenen Vater zu denken , als an den Geliebten , der ihr zur Seite saß - eine lebendige , begehrende und gabenbereite Gegenwart ... der mit köstlichem Weine den Bund ihrer Herzen feiern wollte heute Nacht ... der die Stimmung für orgiastisches Draufgehn wachsen und wachsen spürte in sich ... wachsen mit dem genossenen Weine und der vorenthaltenen Genugthuung des Leibes , die immer heißer und brünstiger um ihr Recht warb ... Adam verbiß sich rein in seinen Aerger über Hedwigs Sprödigkeit . Er trank immer hastiger , wurde immer nervöser , suchte die Müdigkeit , die manchmal mit eingeriemter Schlinge an seinen Gelenken zerrte , durch krampfhafte seelische Sprünge und Erschütterungen zu verscheuchen . Nun schnappte ein leichter , discreter Rausch nach ihm : verhangene Fernsichten schlossen sich auf ... und tagsüber verschüttet gebliebene Gedanken , Stimmungen , Erinnerungen kamen zu ihm , flink , geschwind , behend wie Eidechsen , aus Rissen und Spaltungen , darin sie geschlummert hatten ... Adam fühlte den Blick Emmys anhaltend auf sich . Er konnte nicht widerstehen . Das Ungewöhnliche der Situation reizte ihn zu sehr . » Verzeih , Hedwig ! Ich muß erst ' mal zu meiner Emmy hinüber - « entschuldigte er sich leise , verlegenhastig , und erhob sich . Zu seiner Emmy ? Hedwig fuhr zusammen und schaute Adam nach , wie er , ein klein Wenig unsicher , durch das Zimmer schritt und an den Tisch trat , an welchem , ihnen gegenüber , allerdings in beträchtlicher Entfernung , ein Herr und eine Dame saßen . Sie hatte die beiden Menschen dort bisher kaum beachtet . Und nun entpuppte sich die Dame als » seine Emmy « ! Nein ! das war zu viel ! Am Liebsten wäre sie aufgesprungen und zum Lokale hinausgeflohen . Unwillkürlich horchte sie darauf , ob der Regen nachgelassen . Es schien so . Aber die Dachrinnen plätscherten das Wasser immer noch mit heftigem Affekt auf das Pflaster ... es tropfte und quirlte noch allenthalben . Und jetzt blitzte es auch noch ,