immer aufgeräumter ; sein schwaches Lebensflämmchen schien neu aufzuflackern , indes der Sommer hinwelkte . Ein Wunder , das ihn beglückte , war im Begriff , sich zu vollziehen . Er , der gebrechliche Greis , sollte den jungen , starken Peter überleben . Ja , das war das einzige , das ihn freute ; er sollte den Peter überleben . Der Arzt machte kein Geheimnis daraus , daß er ihn aufgegeben ; alle Leute wußten es ; nur Vinska wollte es nicht glauben , und der Kranke selbst sagte : » Ich werde gesund , sobald ich mich ausgehustet habe . « Peter kämpfte mit dem Tode wie ein Riese ; je näher der ihm kam , desto mutiger wehrte er sich . » Nützt alles nichts « , vertraute sein Schwiegervater jedem , der es hören wollte , an ; » der erste Frost nimmt ihn doch mit ; der Herr Doktor hat es mir gesagt « - und Virgil konnte den ersten Frost kaum erwarten . Eines frühen Morgens , im Oktober , schallte der Klang des Zügenglöckleins durch das Dorf . An ein Fenster der Grubenhütte wurde geklopft , und Lamur schlug an . Pavel fuhr aus dem Schlafe ; die Tür seiner Stube war geöffnet worden . Virgil stand da , das Gesicht brennrot , die mit einem Rosenkranz umwundenen Hände auf den Stock gestützt , und sprach : » Was sagst dazu , Pavlicek ? die Vinska ist eine Wittib . « 18 Der Winter in diesem Jahre trat gleich im Anfang mit ungewöhnlicher Kälte und ungewöhnlicher Reinlichkeit auf . Der Schnee , der einen ganzen Tag und eine ganze Nacht hindurch in kleinen , dichten Flocken aus massigen Wolken niedergewirbelt war , blieb silberweiß liegen ; auf den Fahrwegen bildeten sich glatte Schlittenbahnen , und schmale Fußpfade liefen glitzernd von Haus zu Haus und am Rande der Felder hin . An der Hütte Pavels vorbei schlängelte sich der meistbenützte von allen , der Pfad , den die Holzknechte auf ihren jetzt regelmäßigen Gängen in den herrschaftlichen Wald ausgetreten hatten . Wenn sie am Morgen an ihre Arbeit gingen , trafen sie Pavel schon an der seinen ; und wenn sie gegen Abend aus der Arbeit kamen , schien der unermüdliche Bursche gerade auf dem Punkt angelangt , auf dem der Fleiß zum Hochgenuß wird , zur seligen Besessenheit . Sie blieben dann meistens vor seinem Gärtlein ein wenig stehen , sahen ihm zu und wechselten ein paar Worte mit ihm . - Einmal tat Hanusch , der Roheste unter den Rohen , als ob er nicht imstande wäre zu erkennen , was für ein Ding das sei , mit dem Pavel sich plage . » Ein Dachstuhl wird ' s « , erklärte dieser . » So ? Baust noch ein Grubenhaus ? « - Nein , kein Haus , einen Stall beabsichtigte er im nächsten Frühjahr zu bauen . » Und was wirst einstellen ? « » Werdet schon sehen « , lautete Pavels Antwort , und Hanusch brach in ein Hohngelächter über seine Geheimnistuerei aus und rief , indem er den viereckigen Kopf zur Seite neigte und mit dem Pfeifenrohr nach den übrigen deutete : » Die werden ' s sehen , ich weiß ' s schon . Wett ' st um ein Seidel , daß ich ' s weiß ? « Das Gekicher der anderen bewies , daß sie eingeweiht waren in den versteckten Sinn der Behauptung ihres Gefährten . Pavel aber kümmerten diese elenden Neckereien wenig , und er sandte den Urhebern derselben , wenn sie sich endlich trollten , höchstens ein gelassenes : » Hol euch der Teufel ! « nach . Der Holzknechte wegen wäre es ihm nicht eingefallen , den an seinem Wohnort vorbeiführenden Fußsteig zu verwünschen ; er verwünschte ihn aus einem viel triftigeren Grunde . - Auf diesem Fußsteig kam jetzt ein- , auch zweimal die Woche Mägdlein Slava dahergewandert , als Botin der Frau Baronin an den Oberförster . Der alte Herr war krank gewesen , erholte sich langsam , und zur Unterstützung der Fortschritte seiner Rekonvaleszenz sandte ihm die gnädige Frau allerlei gute Sachen : edlen Wein aus ihrem Keller , feine Rehrücken , kräftige Hammelkeulen , und meistens war Slava die Überbringerin dieser Leckerbissen . Pavel bemerkte mit Verdruß , daß sie den Schritt verlangsamte , wenn sie in die Nähe seines Gärtleins kam , und seine Ansiedlung neugierig betrachtete . Was hatte sie zu betrachten , was hatte sie sich um seine Ansiedlung zu kümmern ? In guter Absicht geschah es gewiß nicht . Er gefiel sich darin , sein Vorurteil gegen sie zu nähren ; er überredete sich unter anderem , daß sie die Anführerin der Kinder gewesen , die ihm dereinst seine Ziegel zertreten hatten . Sie auf der Tat zu ertappen war ihm allerdings nicht gelungen ; aber das bewies keineswegs ihre Unschuld , es zeigte nur , daß sie sich darauf verstanden , rechtzeitig die Flucht zu ergreifen , die von ihr Verleiteten im entscheidenden Augenblick treulos verlassend . Wie sie an ihren Spießgesellen , hatten hundert- und hundertmal die Genossen seiner Bubenstreiche an ihm gehandelt : Er wußte , wie es tat , in der Patsche stecken gelassen zu werden . Nachträglich noch hätte er für sein Leben gern den Verratenen eine Genugtuung verschafft , sollte sie auch in nichts anderem bestehen als in einem an die Verräterin gerichteten eindringlichen Vorwurf . Gewöhnlich verbiß sich Pavel , wenn er Slava von weitem erblickte , derart in seine Beschäftigung , daß es nichts zu geben schien , wichtig genug , ihn darin zu unterbrechen . Einmal machte er aber doch eine Ausnahme . Da kam sie daher mit ihrem Henkelkorbe , leichten Ganges , vom Sonnenlicht umflossen , die Hexe , trug ein dunkles Wolltuch um das von der Winterkälte rosig angehauchte Gesicht geknüpft , eine gut gefütterte und doch ungemein zierliche Jacke , ein faltenreiches Röcklein , das bis zu den Knöcheln reichte , blau