Urstrizzi ... ? « Jetzt brach der Preßbandit in ein breites Lachen aus . » Also aus dem Loch pfeift ' s ? Das ist der kurzen Rede langer Sinn ? Der Schneidmeyer ist Ihnen unbequem , da streck ' ich die Waffen . Persönliche Abneigung , Eifersucht ... « » Sie haben nie einen vernünftigen Zusammhang begriffen . Da fehlt ' s halt an den Anfangsgründen . Ihnen muß man mit dem Zaunpfahl winken : Schneidmeyer gilt in den maßgebenden militärischen Kreisen als ein Subjekt , dem man alles zutrauen kann - und man traut ihm alles zu , verstanden ? Fragen Sie einmal nach , was man in Ingolstadt für Augen macht , sobald er sich innerhalb des Festungsrayons blicken läßt . Die Spionage hat zudem niemals einen dümmeren Dilettanten gehabt , als diesen unfähigen Leutnant a.D. ... « » Ich bemerke Ihnen , daß das Wort Spionage in meinem Redaktionsbüreau nicht ausgesprochen wird . « » Gut . Ich werde es künftig bloß buchstabieren . Nichtsdestoweniger wird man von Oben bald in Ihre Karten blicken , wenn Paillard und Schneidmeyer fortfahren , sich in der Weinrestauration am griechischen Marktplatz mit den bekannten Damen eine Champagner-Schwemme zu leisten - in dem best beobachteten Buen Retiro von ganz München . Fragen Sie doch einmal Ihre Gattin ! « » Also dort wittert man Unrat ? Hahaha . Mein lieber Leutnant , steigen Sie auf Ihren Wendelstein und putzen Sie sich die Nase in der Gebirgsluft . Wenn das alles ist , was Sie an Verdachtsmomenten bezüglich Paillard und Schneidmeyer aufgelesen haben , dann können wir ruhig schlafen . « » Wen die Götter verderben wollen , den schlagen sie mit Blindheit . Ich an Ihrer Stelle ginge in dieser gefährlichen Richtung nicht weiter . Für Paillard und Schneidmeyer würde ich wenigstens meine Haut nicht zu Markte tragen . « » Fällt auch mir gar nicht ein . Ich bediene diese Kerls mit Dummheiten - und empfange dafür gutes Geld , was ist weiter dahinter ? Die kleinen Scherze vermittelt übrigens meine Frau . Wer will mir etwas nachweisen ? Alles Schriftliche , was dabei gewechselt wird , liest sich wieder Liebesbrief eines Backfisches . « Wahllos hatte Kropfer einen der Briefe , die vor ihm lagen , geöffnet und überflogen . » Liest sich das etwa auch wie ein harmloser Liebesbrief ? « fragte er leichthin , dem Preßbanditen das Schreiben überreichend . » Vom Bankier Weiler - französisch ? Ich kann ja gar nicht französisch . Der Esel ! Übersetzen Sie mir ' s , bitte . « » Der Inhalt lautet ungefähr so : Habe Sie gestern nicht mehr im Hotel getroffen , wichtige Idee mitzuteilen , Louis findet nach neuesten sicheren Nachrichten fast den ganzen Weltmarkt für Kabinettskassa-Anleihe verschlossen - Französisches Kapital letzte Zuflucht - Brillante Situation - - Welche französische Partei - - bayerische Gegenleistung im Kriegsfall - Schreiben Sie mir sofort Ihre Meinung über dieses Riesenprojekt . Ich muß auf einige Tage verreisen . « » Das an mich ? Meine Meinung ? Ich verstehe nicht . Als Finanzgenie habe ich mich selbst noch nicht erkannt . Lautet der Brief wirklich so ? Das ist ja sehr rätselhaft und zugleich sehr schmeichelhaft für mich . Welche Perspektive - Verbindung mit der großen Finanzwelt , mit dem Weltmarkt , mit den Bankiers der Könige . Nun zittert , ihr Münchener Pimpelhuber , wenn ich mich noch mit den Geldmächten alliiere , sprenge ich euch in die Luft , daß ihr eure Knochen auf dem Mond zusammenlesen könnt ... Was sagen Sie jetzt , Sie Hasenfuß ? Imponiere ich Ihnen wieder einmal , he ? « » Das haben Sie immer gethan ... Sie sind ein Koloß an Phantasie und Kühnheit ! Aber alle Wetter : da sehen Sie her - hier das Briefkuvert : Herrn Paillard , per Adresse Redaktion der Kloake . Per Adresse ! An ihn , nicht an Sie ! Ich drücke mich . Ich wasche meine Hände und Füße in Unschuld . Sehen Sie zu , wie Sie dem Franzosen diese Verletzung des Briefgeheimnisses annehmbar machen . Übermorgen Abend erstatte ich Rapport . Adieu Chef ! Und vergessen Sie nicht : in erster Linie wollen wir die werten Mitmenschen nicht amüsieren und nicht ärgern -wir wollen sie ausbeuten ! Adieu ! Herrgott von Strambach , schier hätt ' ich Ihnen zum Abschied das für mich Wichtigste nicht auf die Seele gebunden : hüten Sie sich vor meinem journalistischen und leiblichen Doppelgänger in Tiefschwarz , vor dem schönen Schlemming Peterl . Alle Achtung vor seiner Geschicklichkeit , aber einen erbärmlicheren Hallunken hat die Münchener Sonne noch nicht beschienen . Ich weiß , daß er mich bei Ihnen verdrängen will , daß er Ihnen schon Proben seiner Karikaturen und Reimereien vorgelegt hat um einen Spottpreis ... Sie würden ekelhafte Erfahrungen machen mit diesem Schweinekerl . Als verabschiedetem Leutnant wurde ihm wegen schmutzigster Pumpgeschichten und Zechprellereien das Recht aberkannt , die Uniform zu tragen ... « » Beruhigen Sie sich , mein lieber Kropfer , Ihr schwarzer Doppelgänger ist mir selbst für die unterste Sparte der Kloake zu schlecht . « » Gott segne Sie für diese Einsicht . Adieu , Chef ! « Unter der Thür begegnete er der Frau des Preßbanditen . Sie war sehr raffiniert geschminkt . Das Korsett arbeitete die schlaffen Brüste monumental heraus und hob sie bis zum Kinn empor . Der Leib hatte durch die geschickte Schnürung fast elegante Formen gewonnen . Das Haar war am Scheitel in krauser Struppigkeit von einem Schildpatkamm gehalten , über die Stirn fielen wilde Ringellöckchen bis zu den hohen , mit einem kräftigen Tuschstrich markierten Augenbrauen herab . » Sie ist wollüstig schön in ihrer roten Trikottaille , « sagte sich der Leutnant , begnügte sich aber , sein Wohlgefallen nur in einem heißen Blicke auszudrücken . » Wollüstig schön , « wiederholte er auf der untern Treppenwendung , indem er zu ihr emporschaute und ihr einen Handkuß zuwarf .... » Viel