mehr so lang stehenbleiben , als es schon steht . Der Wald gehört der Gemeinde Unterlaub und soll in ein paar Jahren geschlagen werden ; die Holzhändler sind schon dahinter her . Da werd ich unsere Buchen auch darangeben , es geht in einem zu , und sie tragen ein schönes Geld ein ! « » Sind Sie bei Trost ? « rief Salander . » Ihre Buchen schützen ja allein Haus und Garten samt der Wiese vor den Schlamm und Schuttmassen , die der abgeholzte Berg herunterwälzen wird ! « » Das ist mir Wurst ! « erwiderte der jugendliche Notar in nachlässigem Tone . » Dann zieht man weg und verkauft den ganzen Schwindel ! Es ist ja langweilig , immer am gleichen Ort zu hocken ! « Salander dachte sein Teil und gab keine Antwort . Frau Setti ließ während Isidors Mitteilung ein paar Worte des Erstaunens hören und verriet so , daß sie von dem bevorstehenden Holzschlage noch gar nichts wußte , was ein neues Anzeichen von des Mannes Lebensart war . Sie schwieg daher auch und sagte nur noch : » Adieu , du schönes Lautenspiel ! « » Woher heißt es eigentlich hier im Lautenspiel ? « fragte die hinzutretende Mutter . » Das mag der Henker wissen , ich könnt es nicht sagen ! In den Grundbüchern heißt es nur : Haus und Hofstatt genannt im Lautenspiel , und ebenso in meinem Kaufschuldbrief « , erklärte Isidor . » Hast du denn nicht gehört , was sie in der Gegend davon erzählen ? « fragte Frau Setti . » Nein , ich habe gar nie danach gefragt ! Woher soll es denn kommen ? Woher heißt es denn bei uns im Zeisig und im roten Mann ? Von irgendeiner Dummheit ! « » Es soll hier vor etwa zweihundert Jahren « , erzählte Setti , » ein geiziger Junker gehaust haben , um seine sechs schönen Töchter vor der Welt zu verbergen , damit sie nicht zum Heiraten kämen und er sie nicht ausstatten müsse . Sie hätten alle sechs wunderschön die Laute gespielt und dazu gesungen , aber zusammen nur drei Lauten besessen , mit denen bei schönem Wetter je die Hälfte in den schönen Buchenwald hinausgegangen sei und sich dort sattgespielt und gesungen habe , worauf die anderen drei Fräulein sie ablösten und mit frischen Kräften weiterspielten . So habe das Gehölz stets von dem Saitenspiel und Gesang getönt , und die Vögel hätten dazu mitgeholfen . Durch den Klang seien endlich vorbeiziehende Herren , Jäger und Reiter , angelockt worden , seien in das Gehölz eingedrungen und mit den musizierenden Fräulein in Verkehr getreten , und allmählich sei eines um das andere doch zum Heiraten gekommen und habe der Alte mit der Aussteuer hervorrücken müssen . Als aber nur noch drei Töchter und die drei Lauten übriggeblieben , habe er sie mit den Instrumenten in das obere Stockwerk des Hauses gesperrt und den Schlüssel stets bei sich geführt . Die drei gefangenen Töchter haben dann in hellen Mond- und Sternennächten erst recht so rührend und laut an den offenen , aber vergitterten Fenstern gesungen , daß die Kavaliere von weither angezogen und verliebt worden sind . Sie stürmten ordentlich das Haus , das umwohnende Volk half ihnen dabei , die drei Töchter hatten die Wahl , und der Junker mußte sie auch noch aussteuern . Dadurch sei sein Gut so vermindert worden , obgleich er wohl noch hätte leben können , daß er sich aus Verzweiflung ums Leben gebracht habe . Davon rühre auch das Sprichwort her , das man jetzt noch etwa von alten Leuten in dieser Gegend hört : Er kann sich ja hängen , wie der Junker im Lautenspiel ! Hast du auch dies nie gehört ? « » Niemals ! Oder ich hab nicht darauf geachtet ! Ist auch nicht schad drum ! « Vater und Mutter saßen nun mit der älteren Tochter in dem Bahnzuge , der nach Lindenberg führte . Setti fühlte sich halb froher zumut , halb wieder furchtsam , da sie nicht nur die Schwester , sondern auch deren Mann sehen sollte und das Wort , daß Leidensgefährten dem Unglücklichen zum Troste gereichen , hier nicht zutraf . Das durchgehende Doppelwesen verdoppelte auch die Reue , anstatt sie zu vermindern ; denn nicht nur sah jede der Schwestern in der andern sich selbst wieder , sondern auch im Gatten derselben den eigenen Verdruß . Gemächlich stiegen die drei Personen , am Ort angekommen , die Berglehne empor , bis sie die sogenannte Landschreiberei erreichten . Auch hier war ein Sitz der Ruhe und des Naturgenusses ; nur bot statt des Laubwaldes eine ausgedehnte Fernsicht dem Gemüte jene Ruhe , insofern es für sie offen stand . Aus einem wohlgepflegten Gemüsegarten kam die Magd gegangen , zu sehen , wer da sei , als die kleine Gesellschaft sich ein wenig verschnaufte , und aus einem Fenster des Erdgeschosses guckte ein halbwüchsiges Schreiberlein mit einem Zigarrenstümmelchen im Munde , welches der Herr Notar weggelegt haben mochte . Die Magd aber führte die angelangten Leute , die sie nicht kannte , um die Hausecke herum nach einer Laube , wo die Frau mit Plätten beschäftigt sei . Auf einem Tische lagen frischgewaschene Kragen , Manschetten und anderes feineres Weißzeug ; am Boden stand ein glühendes Kohlenöfchen . Die Frau Netti aber stand an einer fensterartigen Öffnung des Laubwerkes und schaute , die Hand über der Stirne , in die Ferne , nach dem blauen Höhenzuge bei Münsterburg . Auf der Rückseite mußte die Kreuzhalde sein , während aus dem halb zugewandten Scheitel des Berges eine leise grünliche Tinte , von der westlichen Sonne gestreift , jene Waldwiese ahnen ließ , wo der Vater die Mädchen mit den Zwillingen tanzend gefunden hatte ! Stille Trauer webte um die reglose Gestalt , und was man von dem halbgeöffneten Munde sehen konnte , war ziemlich weinerlich beschaffen . Um sie aus dem schweren Traume zu wecken , rief