vorm geistigen Auge schwebte , versöhnte ihn mit seinem Schicksale , so daß er Sonntags zu Schwenkdorf vor der Kirche Käsbiermartels Sali so freundlich und väterlich begrüßte , als er es eben vermochte und wie es von ihm eigentlich gar nicht zu erwarten stand . Von nun ab nahmen ihn nur noch zwei Dinge in Anspruch , die Vorbereitungen zur Hochzeit und die Errichtung seines Ausgedings , denn eine Hochzeit wollte er » zurüsten « , über welche die Leute von nah Mäuler und Augen aufreißen und die von fernher die Hälse darnach recken sollten , und auf einem Ausgeding wollte er sitzen wie sonst keiner im Land . Der » findige Notarjus « , der den Heiratskontrakt aufzusetzen hatte , mußte auch die Schenkungsurkunde niederschreiben , durch welche der Sternsteinhofer Haus und Hof mit allen Liegenschaften und Gründen und ein gut Stück bar Geld dazu seinem Sohne als Eigen übergab ; den Rest seines Ersparten jedoch samt der eisernen Kasse , einige genau bezeichnete Einrichtungsgegenstände und etliche ebenso genau beschriebene Stücke Viehes behielt der Alte für sich sowie auf der von Zwischenbühel abgekehrten Sonnenseite des Hügels einen Teil des Gartens und daneben etwas Grund , dort wollte er sich anbauen und , wenn das Häuschen nebst den Ställen unter Dach sein wird , mit all seinem Eigen dahin übersiedeln ; bis auf die Zeit aber , so war es ausbedungen , sollte die » Eiserne « an Ort und Stelle , sein Vieh in den gemeinsamen Stallungen und er in seinem Kämmerlein unangefochten Verbleib haben , denn er war vorsichtig genug , sich nicht der Gefahr auszusetzen , etwa gelegentlich eines Streites mit allem Um und Auf vor das Haus gesetzt zu werden und , ehe er noch ein solches hatte , einem » armen Abbrandler « gleich , unter Gerumpel und blökendem Vieh ratlos dazustehen . Am frühen Morgen des Tages , an welchem der Toni zur Trauung nach Schwenkdorf hinüberfuhr , hatte das junge Weib des Holzschnitzers das Haus verlassen , um vor dem Eintreffen des Brautzuges dort in der Kirche sein zu können . Jene nervenaufregende , alle Furcht und Scheu bezwingende Neugierde , welche dem Manne die sträubenden Blicke auf Grauenhaftes , Widerwärtiges , Quälendes lenkt und dem Weibe die Augen nicht davon abwenden läßt , welche die Menschen nach Richtplätzen , Leichenhöfen und Unglücksstätten drängen macht , jener Trieb , Arges zu schauen , hatte Helene befallen , hatte ihr den weiten Weg unter die Füße gegeben und bannte sie nun in der Kirche am Fuße des Pfeilers fest , an welchem sie mit hochklopfendem Herzen und verhaltenem Atem lehnte , bis alles - vorüber war ; dann schlüpfte sie mit im Gedränge hinaus und lief auf schmalen , nur einzeln gangbaren Pfaden über Felder , Halden und Hänge und kehrte auf weitem Umwege , durch den Busch , der auf dem Hügel hinter dem Orte oberhalb ihrer Hütte lag , nach Zwischenbühel heim . Dort brauste , dröhnte und schütterte schon die Luft von dem Gelärme , Musizieren und Schießen auf dem Sternsteinhofe . Wie dadurch befangen und beirrt , verrichtete Helene lässig und nebenher einige Hausarbeit , und als der Abend kam , bei dessen Schweigen das geräuschvolle Treiben auf der Höhe gegenüber bald allein in aller Weite das große Wort führte , da brachte sie das Kind zu Bette , bot dem Manne gute Nacht und trat unter die Türe des Häuschens , dort stand sie , das rechte Bein über das linke geschlagen , die Hände über dem Schoß gefaltet , den Kopf an den Türpfosten gelehnt , und starrte hinauf nach dem Sternsteinhof . Von dorther sang und klang , hallte und schallte es durch die stille Nacht , von Zeit zu Zeit prasselte leuchtend eine Rakete empor , und dieses Getöse und Gebraus wird Stunde für Stunde fortwähren bis zum Frührot und sich erst im hellen Sonnenschein des Tages mählich beruhigen ; dann hebt es wohl morgen , vielleicht auch noch übermorgen , nach Tischzeit wieder an und verliert sich mit den abziehenden Gästen . Morgen werden die Zurückgebliebenen sich überlärmen , um die Weggegangenen zu ersetzen , und übermorgen werden alle der guten Tage herzlich müde sein . Ein grelles Jauchzen , das einer aufsteigenden Raketengarbe nachgellte , machte das junge Weib fröstelnd zusammenschrecken , es strich mit der Hand über die Stirne , ermunterte sich , schloß die Türe und suchte sein Lager auf . - - Käsbiermartels Sali schien wirklich wie von Holz ; wenigstens heut an ihrem Ehrentage , ihrer nunmehrigen Würde als junge Sternsteinhofbäuerin eingedenk , ging , stand , saß und tat sie so hölzern , daß Toni heimlich darüber lachen mußte , aber er gestand sich auch , daß sie aus gutem Holze wäre . Er hatte mittlerweile , was die Weiberleut anlangt , zugelernt - der Soldatenstand soll ja auch in der Beziehung eine gute Schule sein - und wußte einen Unterschied zu machen zwischen den einen , die , schalkischen Krämern gleich , welche Schleuderware feilbieten , ebenso gerne betrügen , als sie das » Betrogenwerden « leicht verwinden , und den andern , die , nicht lecker nach Unerlaubtem , sich jeden unlauteren Handel von vorneherein verbieten und die Schlagfertigsten unter ihnen wohl auch dem zudringlichen Krämer als Abstandsgeld eine Münze verabfolgen , die , unter Brüdern fünf Gulden wert , selbst vor Gericht nur Kursschwankungen unterliegt und , seit die Welt steht , noch nie mit falscher Präge vorgekommen ist , trotzdem aber an öffentlichen Kassen nicht an Zahlungs Statt angenommen wird , wogegen sich allerdings vorab die Steuereinnehmer höchlich verwahren würden . Ob dem Sternsteinhofer Toni je unter der Hand einer oder der anderen ehrenfesten Schönen jene einseitige Schamröte aufgestiegen , welche nicht das Resultat eines physiologischen Prozesses , sondern das einer fremden Kraftäußerung ist , davon hat er nichts verlauten lassen , wie denn solchen Vorkommnissen gegenüber selbst die geschwätzigsten Männer sich strengster Diskretion zu befleißigen pflegen ; sicher ist , er empfand Genugtuung darüber