Dabei schnappte er fürchterlich und sah , den ganzen Oberkörper wiegend , mit bedauernden Blicken auf seinen jungen Freund . Robert lächelte mit bleichen Lippen . Er fühlte , wie ihm ein Schauer über den Rücken herabrann . » Das tut nichts , Gomez « , antwortete er , » ich habe ja den Weg von der Klippe bis zum Strand schon einmal schwimmend zurückgelegt . « Gomez pfiff leise . Seine beiden Hände stellten sich flach nebeneinander in die leere Luft , und dann trennte er sie um das Sechsfache des ursprünglichen Zwischenraums . » So ! « sagte er , » und so ! « Robert nickte . » Ich weiß , daß die Entfernung zwischen dieser Insel und dem Schiff bedeutend größer ist als die andere « , sagte er , » aber ich setze alles an alles . Entweder gerettet oder tot , - einen Mittelweg gibt es nicht . « Das hatte nun zwar der brave Gomez keineswegs verstanden , aber er erriet den Sinn , und seine durch Blicke und Bewegungen gegebenen Ratschläge zeigten dem Jungen , wie er es anfangen müsse , bis zum äußersten Vorsprung der Insel zu schleichen und dann auf kürzestem Wege schwimmend bis zum Schiff zu kommen . Er sagte ihm , daß zwei andere Bukanier ihn begleiten würden , um das Boot zurückzurudern , und daß er , Gomez , daher erst von dem französischen Schiff aus für ihn sorgen könne . Zu guter Letzt wiederholte er noch sein bedenkliches » Haifisch ! - Haifisch ! « - Aber Robert hatte genug gehört , um einen ganz festen Entschluß zu fassen . Er tat zwar in der Küche seine gewöhnlichen Arbeiten , brachte dem fluchenden Anführer einen kühlenden Trunk und blieb absichtlich im Wohnzimmer zurück , als das Boot mit den drei Bukaniern vom Lande abstieß . Rafaele hatte also gesehen , daß er zu dieser Zeit nahe bei seinem Bett stand und konnte später , wenn die Flucht gelang , dem braven Gomez keine Vorwürfe machen . Dann aber suchte er mit fieberhafter Hast den Weg über den weißen , sandigen Strand bis zur letzten Klippe der Insel . Keinen Blick sandte er rückwärts , keine Bedenken ließ er in sich aufkommen . Jetzt lag die Freiheit offen vor ihm , jetzt oder nie hieß die Losung . Der Strand war vom Mondlicht hell überglänzt , und auch auf dem Meer lag es wie flüssiges Silber . Weiße Schaumperlen rollten stärker auf den Strand , die Wellen hoben sich . In einer Viertelstunde mußte die Flut alles bis an den Waldsaum unter Wasser gesetzt haben . Robert sah das Boot . Es bewegte sich schnell vorwärts und war in der Ferne nur noch als ein dunkler Punkt erkennbar . - Er hatte für die Ausführung seines Planes keine Zeit mehr zu verlieren . Noch ein tiefer Atemzug , dann warf er Jacke und Stiefel von sich , nahm den Brustbeutel mit seinen beiden einzigen Andenken an die Insel , die Fischgräte und die Blume von Mohrs Grab , zwischen die Zähne , - dann sprang er ins Wasser , tauchte ein paarmal unter , um sich der Erfrischung und Abkühlung so recht bewußt zu werden , und schwamm nun , so schnell er konnte , in der Richtung zum Schiff . Aber die Entfernung war weit , und er wußte , daß es in dieser Gegend zahllose Haifische gab . Wie oft hatten die Bukanier vom Strand aus einen geschossen , um das Fleisch , wie Beefsteak gebraten , zu essen , wie oft hatte er es selbst gekostet . Jetzt konnte nur allzuleicht das Gegenteil eintreten - der Gedanke war gräßlich . Aber noch sah er nichts Verdächtiges , nur die blauen und silbernen Wogen umgaben ihn . Es erfüllte ihn mit stolzer Freude , unter sich bergestief die unergründliche Wassermasse und um sich die unbegrenzte Freiheit zu wissen . Er fühlte sich glücklich in dem Gedanken , selbst wollen und selbst handeln zu dürfen , unbekümmert um die Meinung anderer . Der Mond schien hell herab , nah und näher kamen die schwarzen Umrisse des Schiffes , - in einiger Entfernung fuhr langsam das Boot mit den beiden Bukaniern zur Insel zurück . Jetzt würde man in wenigen Minuten dort seinen Namen rufen , ihn suchen , Verdacht schöpfen - - Der Gedanke trieb zur Eile . Immer schneller durchschnitten seine kräftigen Arme das Wasser , mit immer stärkerem Anprall schlugen die Wellen an seine Brust . Er hatte jetzt das Schiff bis auf zehn Meter Entfernung erreicht . Deutlich zeigten sich an Deck die Gestalten mehrerer Männern , - er sah , wie sich Gomez über die Schanzkleidung beugte . » Schiff ahoi ! « rief er laut , in ausbrechendem Jubel . Aber das letzte Wort blieb ihm fast in der Kehle stecken . Was regte sich dort , rechts von ihm , und plätscherte leise , was ragte rundlich und aschgrau aus den Wellen ? Ein häßlicher Kopf tauchte auf , ein bogenförmiges Maul öffnete sich , - im Mondlicht schimmerten sechs Reihen sägenartig gezackter , nach hinten gebogener Zähne - - Noch tiefer beugte sich Gomez über die Schanzkleidung herab . - Robert tauchte schnell wie der Blitz und kam fast unter dem Bug des französischen Schiffes wieder an die Oberfläche . In diesem Augenblick krachte ein Schuß langhallend über das Wasser ; die Wogen spritzten , weißer Gischt schlug an die Bordwände , angstvolle Stimmen riefen » Schnell ! Schnell ! « Robert erfaßte das Tau , das ihm zugeworfen wurde . Wie eine Katze kletterte er daran empor , rückwärts blickend , ob ihn der Hai verfolge . Das Meer war rings von Blut bedeckt , purpurn kräuselten sich die Wellen , - das todverwundete Tier , rasend vor Schmerz und Wut , erhob sich mit letzter Kraft zum Sprung - - Scharfe Zähne packten und ritzten den nackten Fuß des Jungen . Er verdoppelte seine Anstrengungen , um