von Rondsperg . Als sie aber » Ich bin « niedergeschrieben hatte , legte sie die Feder hin . Abergläubische Besorgnisse hielten sie zurück von der Verkündigung einer noch nicht vollzogenen Tatsache . Sie erhob sich von dem Sessel in der Fensternische , nahm Platz auf dem Kanapee und gab sich der angenehmsten Erwartung hin . Ihr Herz hüpfte wie ein junges Lämmlein . Als angehende Gräfin von Rondsperg wird sie also nach Weinberg , der getreuen Stadt , zurückkehren . Sie wird mit namenlosem Jubel empfangen werden , sie wird keine Neider haben ; vielmehr wird sich in ihr jeder geehrt fühlen , und ein Fest wird es geben , als ob die gesamte Bevölkerung in den Grafenstand erhoben worden wäre . Sie nimmt sich vor , huldvoll und herablassend zu sein und so leutselig , als ob sich nichts verändert hätte in ihrem Verhältnisse zu ihren Bekannten . Diese werden entzückt und ihre Anbeter verliebter sein als je . Wenn sie in die Stadt gefahren kommt mit vier Pferden , feurig und schnaubend wie Drachen , werden die Hüte der Männer fliegen , und die Frauen werden knicksen , und jeder wird fragen : » Haben Sie unsere Gräfin gesehen ? « Einmal kommt es noch zu einer öffentlichen Ovation ... Da pocht es an der Tür . Sie ruft : » Herein ! « Der Graf steht auf der Schwelle . » Oh - Herr Graf « , stammelt Regula sich erhebend , » in pontificalibus ? ... Was bedeutet ... ? « Der Greis verneigt sich und weist schmunzelnd auf das Sträußchen in seinem Knopfloch . » Beinahe wie ein Freiwerber « , spricht das Fräulein leise , erschrickt aber sofort über diese unpassende Äußerung . Wirklich , sie weiß nicht mehr , was sie sagt , sie muß sich zusammennehmen . Der alte Herr stellte sich in Positur , drückte die Absätze aneinander , hielt mit beiden an die Brust gepreßten Händen seinen Hut vor sich , neigte das Haupt und sprach mit heiterer Feierlichkeit : » Ich komme , Fräulein Heißenstein , im Namen meines Sohnes , um bei Ihnen in aller Form und schuldigen Ehrfurcht anzuhalten um die Hand ihrer Nichte , des Fräuleins Rosa von Fehse . « Hölle und Tod , was ist das ? ! - Regula hatte sich lächelnd vorgebeugt , um die lieblichste Botschaft zu vernehmen , und erhielt einen Schlag ins Gesicht . Sie fuhr zusammen und trat , keines Wortes mächtig , einen Schritt zurück . Der Graf war kein Menschenkenner ; er hielt ihr stummes Entsetzen für sprachlose Überraschung und dachte nur : Diese alte Jungfer sieht sogar in der Freude widerwärtig aus . Er gönnte ihr einige Augenblicke , um sich zu erholen von dem unerwarteten Glück , das er ihr verkündigt hatte , und hub dann mit herzlicher Selbstzufriedenheit wieder an : » Nun , mein Fräulein ? Wird es mir gestattet sein , meinem Sohne eine gute Botschaft zu bringen ? « In einem Tone , der ihn durch seinen gereizten und feindlichen Klang befremdete , erwiderte Regula : » Darf ich fragen , ob Sie als Bevollmächtigter Ihres Sohnes , mit seinem Wissen und Willen , kommen , Herr Graf ? « Ohne sich zu besinnen , mit der größten Unbefangenheit , rief der Greis : » Jawohl , mein Fräulein ! Und ich kann nicht glauben , daß es Sie in Erstaunen setzt . Ihrem Scharfsinn ist nicht entgangen , was mein guter Ronald so wenig zu verbergen vermag : seine Liebe zu Fräulein Rosa . « Regula stieß ein : » Oh ! « hervor , das dem Greis trotz all seiner Zuversicht bedenklich erschien . Sollte die » Weinhändlerin « Ronalds Bewerbung um ihre Nichte doch nicht mit unbedingtem Entzücken aufnehmen ? Augenblicklich , beim ersten Zweifel empörte sich sein Stolz . » Ich hätte nicht gedacht , mein Fräulein , so lange als Bittsteller vor Ihnen stehen zu müssen « , sprach er . Das Fräulein wies ihm einen Stuhl an und nahm Platz auf dem Kanapee . Sie hatte allmählich die Herrschaft über sich wiedererlangt und sagte , so ruhig sie konnte : » Ich gestehe Ihnen , Herr Graf , daß mich diese Bewerbung um die Hand eines Kindes befremdet ... « Er wollte Einsprache tun , sie ließ ihn nicht zu Worte kommen : » ... und daß ich bisher noch nicht daran gedacht habe , Rosa zu verheiraten . « » Um so mehr Grund , jetzt daran zu denken ! « rief der Graf . » Die Gelegenheit , die sich bietet , ist nicht zu verschmähen . Einen brillanteren Mann als meinen Ronald können Sie für Ihre Nichte finden , aber keinen braveren . - Übrigens kommt es mir nicht zu , meinen Sohn zu loben . « » Mir gegenüber « , sprach Regula scharf und spöttisch , » hieße das wohl Eulen nach Athen tragen . Ich kenne seinen Wert . « » Nun , dann zögern Sie nicht länger « , sagte der Greis munter . » Legen Sie die Hände der jungen Leute ineinander , die nur gar zu gern sich in die Arme fallen möchten . « » So ? « hauchte Regula . Nein ! - Daß eine solche Schmach ihr widerfahren könne , hätte sie niemals für möglich gehalten . Man hat sie unter falschen Vorspiegelungen hierhergelockt und überfällt sie nun mit der Zumutung , ihre Ansprüche aufzugeben , zurückzutreten vor einer andern - und vor wem ? Vor einem Geschöpf , das von ihrer Gnade lebt , das betteln ginge ohne sie ! Der Graf denkt : Sie schweigt lange . Sie meint vermutlich , es sei anständig , nicht merken zu lassen , wie geehrt sie sich fühlt . Gönnen wir ihr dieses unschuldige Vergnügen ! Nach einer kleinen Weile hebt er wieder an : » Fassen Sie einen für uns günstigen Entschluß , verehrtes Fräulein ! Tun Sie ' s in