jäh und starrt mir ins Gesicht . - » In einem Palast geboren , in einer goldenen Wiege gewiegt werden . Der rauhe Erdboden ist verdeckt mit weichen Geweben ; die brennenden Sonnenstrahlen und Wetterwolken des Himmels sind verhüllt mit schweren Seidenvorhängen ; für jeden leisen Wunsch eine Dienerschar ; - eine Gegenwart voll Ebenmaß und hundertfach gehüteten Behagens ; eine Zukunft voll Genuß und hoher Würden : das heißt Herrenkindschaft . Auch ich bin ein Herrenkind gewesen , und als solches ärmer wie ein Bettelknab ' . Ich habe es aber zur Zeit nicht gewußt , und erst als ich der Jahre zwölf oder vierzehn gezählt , ist mir die schreckliche Frage erwacht : Mensch , wo hast du deine Mutter ? - Meine Mutter hat mir das Leben gegeben und das Sonnenlicht ; - ihr eigenes war ' s gewesen - bei meiner Geburt ist sie gestorben . Meinen Vater habe ich selten gesehen ; er ist auf Jagden oder auf Reisen , oder in der großen Stadt Paris , oder in Bädern . Meine Liebe , für Vater und Mutter mir ins Herz gegeben , verschwende ich an meinen Hofmeister , der stets um mich ist als Lehrer und Gesellschafter und der mich sehr lieb hat . Er ist ein mildfreundlicher , heiterer Mann und sehr fromm und gut . Oft , wenn er in unserer Hauskirche die Messe gelesen , hat er ein verklärtes Antlitz gehabt , wie der heilige Franz Xaver auf dem Altare . Und hat gesagt , daß er eine Eingebung hätte : ich sei zu großen Dingen erkoren . Daraus habe ich seine außerordentliche Liebe zu mir wahrgenommen . Und nun soll ich eines Tages diesen Freund verlieren . Da ist zur selben Zeit nämlich ein Gesetz herausgekommen und in den Ländern regt sich die Verfolgung gegen den Orden , dem jener Mann angehört . Mein Hofmeister muß fort , spricht aber die Zuversicht aus , daß wir nach überstandener Trübsal uns wiedersehen würden . Und siehe , das Wort ist über alles Erwarten schnell in Erfüllung gegangen . Nach wenigen Monaten schon ist mein Erzieher wieder im Hause . Er ist , wie er sagt , aus dem Orden getreten . Ich bin zum Jünglinge herangewachsen . Meinen Hofmeister liebe ich wie einen älteren Bruder . Oft habe ich ihn insgeheim um seine Ruhe beneidet . In mir hat sich zur selbigen Zeit ein Unstetes zu regen begonnen . Im Hause ist es mir zu eng , im Freien nicht weit genug ; ist es still , so verlangt mir nach Lärm , und habe ich Lärm , so sehne ich mich nach Stille . Mein Drang ist gewesen wie ein blinder , heißhungeriger , pfadloser Mann auf der Heide . Da sagt mir einmal mein Erzieher : Das , lieber Freund , ist der Fluch der Kinder der Welt . Das ist die rasende Sehnsucht , die trotz aller Güter und Genüsse der Erde keine Sättigung finden kann , außer sie flieht in die Burg , die Christus gegründet hat auf Erden . - Wenn du zu mir sprichst - entgegne ich - du weißt doch , daß ich ein Christ bin . - Das bist du nur in der Gesinnung - sagt er - aber dein Leib ist es , der so wild nach Erfüllung lechzt . Deinen Leib mußt du in die Burg Gottes einführen . Mein lieber Freund , alle Tage bete ich zu Gott , daß er dich so glücklich werden lassen möge , als ich es bin , daß du wie ein Bruder Jesu werdest . Von diesem Tage an , als mein Hofmeister so gesprochen hat , empfinde ich die Last und das Unstete in mir doppelt schwer ; aber als ich mich ernstlich prüfe , sehe ich , daß es mir unmöglich wäre , der Welt zu entsagen . - Du hast mich nicht verstanden , sagt hierauf mein Erzieher einmal , und es wundert mich , daß du nach den Jahren der Erziehung deinen Freund so mißverstehen kannst . Wer sagt dir , daß du den Freuden der Welt entsagen solltest ? Die Freuden der Welt sind ein Geschenk Gottes ; aber sie nicht genießen seiner selbst willen , sondern zu Gottes Ehre , das ist es , was uns wahre Befriedigung gewährt . So geht mir nun ein neues Leben auf ; mein sittliches Gefühl , das mich sonst zurückgehalten , eifert mich jetzt an , daß ich all den verlangenden Sinnen meines Wesens Sättigung verschaffe . In Freude und Genuß Gott dem Herrn dienen - so gibt es keinen Zwiespalt mehr . Mein Freund lächelt und läßt gewähren . Die Welt ist schön , wenn man jung , und auch gut , wenn man reich ist . Ich lasse sie mir sehr gut sein ; ich will ihren Becher leeren , ehe ich am Altare den Kelch trinken soll . Und nach wenigen Jahren habe ich den Freudenbecher geleert bis zum Bodensatz . Da ekelt mich , da bin ich satt und übersatt . Und die Welt langweilt mich . Und nun , da ich mittlerweile auch großjährig geworden , hat mein Freund wieder ein Wort gesprochen , und auf seinen Rat habe ich mich entschlossen . Ich trete der Gemeinschaft bei und tue das Gelübde . Mein Vermögen fällt dem Vereine zu und ich leiste das Gelöbnis des unbedingten Gehorsams . Und nun - - da ist eines Tages ein Mädchen zu mir gekommen , das ich früher oft gesehen . Jetzt darf ich es nicht kennen . Es bittet mich , daß ich es mit dem Kinde nicht verlassen möge ; es bittet um Gottes willen . Allein - ich bin bettelarm , darf mich auch für sie an niemand andern wenden , mich bindet der Gehorsam . Wenige Tage danach ist das Mädchen als Leiche aus einem Teiche gezogen worden . - Schmerzerfüllt klage ich an der Brust meines Freundes , dieser schiebt mich sanft von sich