. » Schrecklich « , hauchte er , » wär ' so ein Tod ohne Feuer und Licht freilich , aber wenn man nun so krank daheim liegt und die Sterbkerzen sind schon gerichtet und man hat der Magd schon Befehl gegeben , die Immen , wenn er in den letzten Zügen liegt , auf einen anderen Platz zu stellen , daß sie nicht auch mit dem Herren und Hausvater sterben ... man könnte gleich krank werden vor Angst , wenn man sich ' s denkt , und kommen tut ' s halt doch und bald , wenn man schon so alt ist wie ich . Kräftig bin ich wohl noch , aber das ist wie dieser schöne Herbsttag . Er macht nur die Blätter gelb und treibt nichts mehr als Zeitlosen . Auch die fehlen meinem Kopfe nicht . Ja , bald ist ' s aus , und was sagen sie dann , und was machen sie mit dem , was ich erschwitzt und ersprungen hab ' ? Ich muß mir ' s gefallen lassen und kann nichts mehr machen . « Wäre dem Mütterlein , welches dort in dem schattigen Schöpfe seines Häuschens saß und spann , zumute gewesen wie dem Krämer , es hätte gleich zu beten angefangen um ein seliges Sterben und eine glückliche Ewigkeit . Aber das Weiblein hatte ganz andere Gedanken , als es den Krämer kommen sah , der ihr schon lange mit Versteigerung seines schönen Waldes da droben ob dem Dorfe gedroht hatte . Ihm war es gewiß , der harte Mann komme nur , um sein Guthaben zum letzten Male zu fordern , und es hatte nicht ganz unrecht , denn wirklich trieb ihn nur das da herauf . Den schönen Wald wünschte er lange zu kaufen , und nun sollte das seine Kurzweil werden . Aber an der Fluh drunten war ihm ein ganz anderer Kopf gewachsen . Nein , alle Welt sollte sich nicht freuen über seinen Tod wie die Ameisen da neben dem Wege , die sich eben an eine überfahrene Eidechse machten . Er machte der Witwe entgegen ein so freundliches Gesicht , als ihm nur möglich war , und als er sah , daß sie ihn anreden wolle , sagte er : » Weiß alles , wenn du nur einen Zins gibst . Verkauf ' nur eine einzige Tanne , das wird mehr als reichen . Ich brauche Holz und will mir gleich da droben einen Stamm aussuchen . « Der gerührte Dank der Witwe tat ihm weh , und furchtbar brannten die Freudentränen , die sie weinte , seine Seele . Er hatte doch nur getan , was recht und billig war , und daraus machte man soviel Wesens . Gab ' s ein schärferes , vernichtenderes Urteil über sein bisheriges Leben und Wirken ? Dieser Dank , weil er einer armen Witwe den einzigen Besitz nicht um ein Sündengeld abdrückte , sobald er sie in der Hand hatte ! Ohne Abschied ging er weg und bog , ohne noch auf den Weg zu achten , sogleich aus dem Dörfchen gegen die Halde , die , in frischem Grün prangend , der liebste Weideplatz der jetzt frei auf den Feldern sich herumtreibenden Kühe und Ziegen geworden war , da in der Ebene unten neben den dritten Grasstoppeln des Jahrgangs nicht viel Grünes mehr gefunden werden konnte . Dem Krämer wurde ganz wunderbar zumute mitten in dem Schellenläuten dieser friedlichen Tiere . Sie ließen sich gehen , neideten sich nicht , und der Mann begann sich vor ihren fragenden Blicken beinahe zu fürchten . Er lief so rasch aufwärts , daß er sich , als er ob den Weideplatz kam , ermüdet auf einen bemoosten Stein setzte . Hier nun konnte er ungesehen verschnaufen und sich das Schellengeklingel wieder aus den Ohren kommen lassen . Schon früher , er konnte sich noch ganz gut erinnern , wann und unter welchen Verhältnissen , war er mehrere Male hier gesessen auf dem nämlichen Steine und hatte so von oben hinausgeschaut über die Häuserreihen rechts und links neben den beiden Ufern der Ach , deren Tosen hier kaum noch gehört wurde . Dort unten wohnte keiner , mit dem er , der einzige Krämer seit Jahren , der alles im Dorfe kaufte und verkaufte , noch nichts zu tun gehabt hatte . Sonst , wenn er hier saß , mußte er lächeln über die guten Tröpfe da drunten , für deren Vorsehung er sich selbst , die Herren im Pfarrhof und einige alte Basen und Pflastersibyllen hielt . Und noch war ja alles beim alten . Noch arbeiteten und verbrauchten sie alle für ihn , und doch wollte und wollte jenes Lächeln , jenes behagliche Gefühl nicht mehr kommen ! Dort drüben im entlegensten Winkel der Gemeinde , in der Gruben , stand das schlechte Hüttchen des armen Holzhackers . Grad ' erst am letzten Sonntag hatte der für den hart verdienten Wochenlohn seiner Herzallerliebsten einen silbernen Rosenkranz gekauft und sich dabei von ihm übertölpeln lassen . Aber - mochte das Silber des Geschenkes auch falsch sein , die Liebe des opferwilligen Burschen , der nicht einen Kreuzer mehr herunter marktete am hohen Preise , die war gewiß echt , und das hatte wohl den höchsten Wert auf dieser Welt , wo es soviel Unechtes , Falsches gibt . Vielleicht machte die beiden echte Liebe glücklicher als echtes Silber ! Es erfaßte den Mann eine Art Heimweh , als er so viele zum Teil recht ärmliche Häuser überschaute , in denen er friedliche , gutherzige , gläubige und glückliche Leute wußte , denen höchstens einige Taler fehlten und - denen kein Mensch auf der weiten Gotteswelt im Wege war . Und er , der sich so plagte , ihnen auf den Köpfen herumtrampeln zu können , was hatte er bei seinem scheinbaren Erfolge bisher davon , und was dann , wenn er neben so einem auf dem Friedhofe lag ? Einmal war das so , vielleicht schon bald -