. Sie haben ihn wohl gebrauchen können , und allzu steifnackig ist er auch nicht gewesen ; da hat er sein täglich Brot schon gefunden und auch noch was dazu , nämlich seine Frau . Die kam aus einem gar frommen und gottseligen Nest und einem hochadligen , hieß mit Namen Aurelie von Lichtenhahn und ist heute noch sehr fromm , sehr adlig und meines Bruders Weib . Sie zeugten zuerst meine teure Nichte Kleophea , und ich habe es immer für eins der größten Wunder gehalten , daß sie das fertiggebracht haben . Verliebt Euch nicht in das Wettermädel mit dem heiligen Namen , junger Pfaff ! - Bei allem , was blitzt und kracht , die Dirne paßt in jede Schilderei der Verführung des heiligen Antonius . Mein Fränzchen - na ja , Ihr werdet schon sehen , Kandidate ! Nach der Geburt Kleopheas gab ' s lange Jahre weiter nichts . Keiner denkt an was Arges und mein lieber Theodor vielleicht am wenigsten ; da erscheint - sieben Jahre sind ' s jetzt her - meine Schwägerin ganz unvermutet abermals in der Zeitung : Diese Nacht , mit Gottes gnädigem Beistand wurde - gesunder Knabe - und so weiter und so weiter . Es muß wohl auf ganz natürliche Weise zugegangen sein , denn die Welt ist darum nicht umgekippt , wenngleich sich auch ein Teil davon recht verwundert hat . Aimé heißt der Knabe , und Sie , Hans Unwirrsch , sind auserwählt , ihm das Abc beizubringen , und ich gratuliere dazu ; das übrige besorgt die Mutter , wozu ich Ihnen ebenfalls gratuliere . - Daß meine Nichte Franziska jetzt in dem Hause des Geheimen Rats Theodor wohnt , haben Sie bereits erfahren ; die ist die Tochter meines Bruders Felix , und da Sie das Kind nun ganz von selber genauer kennenlernen werden , so will ich von ihr nicht weiter sprechen , sondern nur über ihren Vater das Nötige rapportieren . Da geht nun auch eben der letzte Schnitzel der Sonne zum Henker , und so ist die Zeit recht passend und angenehm dazu . Von uns drei Brüdern hatte Felix jedenfalls die wenigste Ähnlichkeit mit dem Vater , welchem Theodor in jeder Hinsicht am meisten ähnelte . Wenn ich es auch zu weniger als nichts auf der Welt gebracht habe , so kann ich wenigstens stellenweise ein vernünftiger Mensch sein , Felix aber war ' s höchstens nur durch Zufall . Ein tollköpfiger , prächtiger Bursche war er , und selbst die , welchen er seine Streiche spielte , konnten ihm nicht gram werden . Ich hab ihn als Unterförster in meinem Walde das Schießen gelehrt und manches andere Stück der edlen Jägerei . Ich hatte den Knaben so lieb wie meinen Augapfel , und auch er hing an mir , soviel das ihm bei seinem leichten Sinn möglich war . Hätte ihn der Alte im Walde gelassen , wer weiß , ob nicht alles gut abgelaufen wäre ; aber der Alte holte ihn eines Tages selber zurück und brachte ihn in einer fest verschlossenen Kutsche nach Ilfeld auf die Schule und gab ihn da in grimmige Zucht . Wenn nur die Welt dann nicht selbst aus Rand und Band gegangen wäre ! Das war nichts für den jungen Falken , stillzusitzen hinter dem Gitter und in das grüne Tal hinab- und zu dem blauen Himmel emporzugucken und auf das Jägerhorn zu hören . Das Jägerhorn erklang eben durch die ganze Welt und rief alle jungen Falken heraus : Felix Götz hätte sich den Kopf an dem Gitter zerstoßen , wenn es ihm nicht gelungen wäre , es zu zerbrechen . Aus einer Schule hatte man ihn fortgejagt , von Ilfeld entfloh er bei Nacht und Nebel , und der erste Trupp freiwilliger Reiter , auf welchen er stieß , nahm ihn gern und willig auf und gab ihm ein ledig Pferd . Da hatte er , was er wollte . Ich habe schon erzählt , wie er mit den Colombschen ritt , über die Elbe versprengt wurde und in unsere Beiwacht fiel wie der Stein vom Monde . Ich habe auch gesagt , daß wir uns nicht eher wiedersahen , bis Paris genommen war , und nun muß ich hinzufügen , daß das Wiedersehen meinerseits gar nicht so recht erfreulich war . Der Feldzug in Frankreich hatte dem tollen Felix nicht gutgetan ; liederlich und heruntergekommen sah er aus , und Drangsale und Entbehrungen waren nicht allein schuld an seinem Aussehen . Ich nahm ihn natürlich tüchtig ins Gebet , aber leider sah ich ein , daß ich nicht der rechte Mann dazu sei und daß für jetzt wenig an dem Unheil zu ändern sei , und zu einem gemütlichen Gedankenaustausch hatten wir auch nicht die gehörige Zeit , denn der große Tumult riß uns wieder auseinander , wie er uns zusammengebracht hatte . Mit dem Donnerwetter bei Waterloo war der Krieg zu Ende ; ich marschierte in eine kleine Garnisonsstadt , deren Name nichts zur Sache tut ; Theodor schrieb immer noch Akten , und Felix - Felix schien vollständig überflüssig in Europia geworden zu sein . Es waren größere Akteurs von der Bühne abgetreten und wußten nunmehr nichts mehr mit ihrer Zeit zu beginnen ; Felix schlug die Zeit tot mit Sünden . Bis der Alte starb , lag er dem auf der Tasche ; und alle Versuche , die Theodor und ich machten , dem Jungen wieder zu einer nützlichen Existenz zu verhelfen , schlugen fehl . Zum letztenmal redeten wir bei unseres Vaters Begräbnis auf ihn ein ; er aber ging mit seinem Erbteil , welches gleich dem unsrigen nicht sehr bedeutend war , zum zweitenmal nach Paris , und als er dort binnen kurzem aufs trockne kam , als richtiger Glückssoldat nach Amerika , wo seine Spur sich für Jahre verlor . Ich saß in meiner Garnison und zählte die Pappeln an den Teichen und Wegen des verlornen Nestes . Man wollte mich im Steuerfach