sang ? - Das Wiegenlied der Mutter Gottes von Lope de Vega . Ich frohlockte es ordentlich aus der Brust heraus , dermaßen erfrischte sich mein Herz an dem Gedanken , daß so ein wenig Himmelsluft in die schwülen irdischen Dünste hineinwehe : Heilige Engel , Die ihr dort flieget Ueber den Palmen , Sänftigt den Wind ! Kommet und wieget Das göttliche Kind . Ich sang aber spanisch , lieber Onkel . Das verstand kein Mensch , und dadurch fühlte ich mich recht geschützt in meinem Liebesgespräch . Man wollte wissen , was ich gesungen habe . Ich sagte , es sei ein Lied von Lope de Vega , und ich vermute , daß man sich verpflichtet fühlte , um dieses berühmten Dichters willen meinen Gesang zu loben . Ach , lieber Onkel ! Alles wird gelobt , nur nicht derjenige , der allein alles Lobes würdig ist . Gott wird verschmäht , ist Null , und was Null ist , wird verherrlicht . O ewige Liebe , man liebt dich nicht . « - - In der Gesellschaft fing man an , Regina ganz ungemein zu bewundern . Mit ihrer Herzensfrische , ihrem lebhaften Verstande , ihrer anspruchslosen Einfachheit , ihrer Seelengrazie machte sie zwischen den bis zur Dressur wohlerzogenen jungen Damen den Eindruck , als trete sie aus irgend einem paradiesischen Urwald in die Welt hinein . Die kleinen niedrigen Triebfedern , welche diese beherrschen : Eitelkeit , Gefallsucht , Selbstbespiegelung , berührten sie gar nicht , denn sie wollte keinem Menschen gefallen . Aber sie hielt sich deshalb nicht für besser , sondern nur für glücklicher . Sie hatte ihr Herz in Sicherheit gebracht bei der ewigen Liebe : gab es ein größeres Glück ? Der heitere Friede , der aus diesem reinen , stillen , sicheren Glücksbewußtsein hervorging , und der sich durch die liebenswürdigste Freundlichkeit gegen alle Menschen aussprach , machte sie zu einer äußerst wohltuenden Erscheinung in einer Sphäre , wo so viel Zerrissenheit und Verwirrung durch traurige Leidenschaften zu Hause ist . Obwohl niemand weniger als sie mit den Ansichten , Beweggründen und Urteilen der Welt sympathisierte : so wußte sie diesen Mangel an Sympathie doch so lieblich zu umschleiern , daß man sich fast zur Übereinstimmung mit ihr gedrängt fühlte . In jener musikalischen Soiree hatte Judith durch ihren prachtvollen Gesang , namentlich der berühmten » Gnadenarie « aus Robert dem Teufel , die Gesellschaft in eine Art von gewitterhafter Aufregung versetzt . Niemand wollte nach ihr einen Akkord anschlagen , einen Ton singen . Jeder fühlte , daß er Fiasko machen müsse , und zog sich deshalb zurück . Für Regina war das ein Grund zu singen . Ihre Herzenslust und ihre innerste Meinung verschleierte sie hinter der spanischen Sprache und sang so süß und liebreizend , daß es nicht anders war , als ob die blitzdurchzuckten Wetterwolken , die Judith heraufbeschworen hatte , von leuchtenden Sternen überraschend durchbrochen würden . Nicht Lope de Vega wurde am Schluß bewundert , sondern Regina . Das glaubte sie aber nicht . Der Graf sonnte sich in den Huldigungen , die seiner Tochter dargebracht wurden , und freute sich seiner luminösen Idee , sie so früh in die Welt eingeführt zu haben . Die Reize des wirklichen Lebens würden ganz allmälig ihre Träume aus dem Sattel heben , hoffte er zuversichtlich . Uriel hoffte auch , aber auf seine Liebe , nicht auf die Welt . Die lange und viel besprochenen , probierten und studierten lebenden Bilder kamen endlich zu Stande . Ernest beklagte aber hundert Mal , seine Hand in dies Wespennest gesteckt zu haben , wie er sich ausdrückte . Gegen die Aufgabe , aus so rebellischen Elementen von hölzernen Männer- und gezierten Frauengestalten ein Bild zusammenzustellen , sei es ein Kinderspiel , ein wandgroßes Gemälde zu skizzieren . Überdas wollten sich die Damen nach dem Modejournal kleiden , nicht nach seiner Angabe ; und jede war überzeugt , daß er ihr gerade die Stellung und den Ausdruck angewiesen habe , welche ihr am wenigsten vorteilhaft wären . Die eine konnte nicht ihren schönen Fuß präsentieren ; bei der anderen wurde gerade ihr schöner Arm beschattet , und bei der dritten keine Rücksicht auf ihr schönes Haar genommen , womit sie doch ganz gewiß die heil . Genoveva von Brabant hätte darstellen können ! Ferner wollte eine jede , daß gerade ihr Tableau das letzte sei , den letzten Eindruck mache , durch kein nachfolgendes verdunkelt werde . Endlich sagte Ernest : » Meine gnädigen Damen , wie kunstvoll Sie sich sämtlich in Ihren respektiven Tableaux gruppieren , und ob Sie auf einen Fuß oder auf keinen sich stellen werden , das , sehe ich ein , muß ich Ihrer bessern Einsicht überlassen . Da es mir aber mit dem besten Willen unmöglich ist , jedes Tableau zum letzten zu machen : so beanspruche ich die Reihenfolge derselben so fest zu halten , wie ich sie von Anfang an bestimmt habe : das Paradies und die Peri werden den Schluß machen , weil jenseits des Paradieses Irdisches keinen Effekt mehr machen kann . « Keinen Effekt mehr machen kann ! - Dieser Ausspruch wirkte Wunder bei den Damen . Nunmehr wollte keine mit ihrem Tableau auf das Paradies und die Peri folgen . Judith und Regina waren die einzigen , die sich durchaus fügsam gegen Ernest bewiesen , und sich genau so kleideten , so stellten , so blickten , wie er es ihnen angab . Judith dachte , es sei ja genug der Herablassung , daß sie sich bewundern lasse , und das könne ihr ja gar nicht fehlen , möge sie nun so oder anders stehen . Regina - gehorchte . Aber die Sache hatte einen geheimnisvollen Reiz für sie . Ernest hatte ihr gesagt : » Gnädige Gräfin , wenn Sie da stehen werden als Engel des Lichtes , vorgreifend jenem seligen Augenblick , der Sie einst in ' s himmlische Jerusalem und unter die Reihen der Auserwählten