daß er mein Ränzlein und meinen Stock in mein Zimmer tragen lasse . Er nahm das silberne Glöcklein , das er bei sich trug , aus der Tasche und läutete . Der Klang war selbst im Freien sehr durchdringend , und es erschien auf ihn eine Magd aus dem Hause , welcher er auftrug , mein Ränzlein , das ich mittlerweile abgenommen hatte , und meinen Stock , den ich ihr darreichte , in mein Zimmer zu tragen . Er gab ihr noch ferner einige Weisungen , was in dem Zimmer zu geschehen habe . Ich fragte nach Gustav , ich fragte nach dem Zeichner in dem Schreinerhause , und ich fragte sogar nach dem weißen alten Gärtner und seiner Frau . Gustav sei gesund , erhielt ich zur Antwort , er vervollkommne sich an Geist und Körper . Er sei eben in seiner Arbeitsstube beschäftigt , er werde sich gewiß sehr freuen , mich zu sehen . Der Zeichner lebe fort wie früher und sei sehr eifrig , und was die Gärtnerleute anbelange , so verändern sich diese schon seit mehreren Jahren gar nicht mehr und seien heuer , wie ich sie im vorigen Sommer gesehen habe . Ich fragte endlich auch noch nach dem Gesinde , den Gartenarbeitern und den Meierhofleuten . Sie seien alle ganz wohl , wurde geantwortet , es sei seit meinem vorjährigen Besuche kein Krankheitsfall vorgekommen , und es habe auch keines der Leute eine gründliche Ursache zur Unzufriedenheit gegeben . Nach mehreren gleichgültigen Gesprächen , namentlich über die Beschaffenheit der Wege , auf denen ich hieher gekommen war , und über das Vorrücken der Wintersaaten auf den Feldern , wendete er sich wieder mehr der Arbeit , die vor ihm geschah , zu , und auch ich richtete meine Aufmerksamkeit auf dieselbe . Ich hatte mir einmal , da er mir erzählte , daß er die Baumstämme waschen lasse , die Sache sehr umständlich gedacht . Ich sah aber jetzt , daß sie mittelst Doppelleitern und Brettern sehr einfach vor sich gehe . Mit den langstieligen Bürsten konnte man in die höchsten Zweige emporfahren , und da die Leute von der Zweckmäßigkeit der Maßregel fest überzeugt waren und emsig arbeiteten , so schritt das Werk mit einer von mir nicht geahnten Schnelligkeit vor . In der Tat , wenn man einen gewaschenen und gebürsteten Stamm ansah , wie er rein und glatt in der Luft stand , während sein Nachbar noch rauh und schmutzig war , so meinte man , daß dem einen sehr wohl sein müsse , und daß der andere verdrossen aussehe . Mir fiel die stolze Äußerung ein , die mein Gastfreund im vergangenen Sommer zu mir getan hatte , daß ich nur den Stamm jenes Kirschbaumes ansehen solle , ob seine Rinde nicht aussähe wie feine graue Seide . Sie war wirklich wie Seide , und mußte es gerade immer mehr werden , da sie in jedem Jahre aufs neue gepflegt wurde . Als wir nach einer Weile weiter in den Garten zurückgingen , sah ich auch noch andere Arbeiten . Die Hecken wurden gebunden und geordnet , das Dornenreisig zu den Nestern der Vögel unter ihnen hergerichtet , die Wege von den Schäden des Winters ausgebessert , unter den Zwergbäumen , die schon beschnitten waren , die Erde gelockert , und bei den schwächeren , welche Stäbe hatten , nachgesehen , ob diese festhielten und nicht etwa in der Erde abgefault wären . Es wurden losgegangene Bänder wieder geknüpft , im Gemüsegarten umgegraben , Fenster an Winterbeeten gelüftet oder zugedeckt , die Pumpen ausgebessert , mancher Nagel eingeschlagen , und endlich hie und da ein Behältnis für die Vögel gereinigt und befestigt . Ich verabschiedete mich von meinem Gastfreunde , da er sehr mit der Leitung der Arbeiten beschäftigt war , und ging allein in dem Garten herum , in Teilen , in die ich wollte . Die Vögel waren schon zahlreich da , sie schlüpften durch die laublosen Zweige der Bäume , und es begann schon hie und da ein Laut oder ein Zwitschern . Besonders lieblich und hell schallte der Gesang der aufsteigenden Lerchen von den den Garten umgebenden Feldern herein . Die Vorrichtungen zur Ernährung und Tränkung der Vögel waren wegen der Blattlosigkeit der Bäume und Gesträuche mehr sichtbar , auch schaute ich mehr nach ihnen aus als bei meiner ersten Ankunft , da ich jetzt bereits von ihnen wußte . Ich sah mehrere zum Aufstecken von Kernen dienende Gitter , von denen mir mein Gastfreund erzählt hatte . Ich betrachtete auch die Zweige . Die Knospen der Blätter und der Blüten waren schon sehr geschwollen und harrten der Zeit , in welcher sie aufbrechen würden . Ich stieg bis zu dem großen Kirschbaume empor , und sah über den Garten , über das Haus und auf die Berge . Eine ganz heitere , dunkelblaue Luft war über alles ausgegossen . Dieser schöne Tag , deren es in der frühen Jahreszeit noch ziemlich wenige gibt , war es auch , der meinen Gastfreund bewog , so viele Arbeiten in dem Garten zu veranlassen . Unter der heiteren Luft lag die Erde noch in bedeutender Öde . Ich wollte auch zu der Felderrast hinüber gehen ; allein der Weg , der am Morgen gefroren gewesen sein mochte , war jetzt weich und tief durchfeuchtet , daß das Gehen auf ihm sehr unangenehm und verunreinigend gewesen wäre . Ich sah die dunkeln Wintersaaten und die nackten Schollen der neben ihnen liegenden Felder eine Weile an , und ging dann wieder hinab . Ich ging zu den Gärtnerleuten . Mir kam es nicht vor , wie mein Gastfreund gesagt hatte , daß sie sich nicht verändert hätten . Der Mann schien mir noch weißer geworden zu sein . Seine Haare unterschieden sich nicht mehr von der Leinwand . Die Frau aber war unverändert . Sie mußte von einer sehr reinlichkeitliebenden Familie stammen , weil sie das Häuschen so nett hielt und den alten Mann so fleckenlos und knapp