den Markttag vorübergehen lassen , um ihm dann schreiben zu können , daß sie nicht zum Tanze gegangen , sondern den ganzen Tag und Abend daheim geblieben sei . Der Invalide schüttelte zu Friedrichs Beteuerungen hartnäckig den Kopf und sagte beim Wein zu der Bäckersfrau : » Wenn so ein junger Mensch verliebt ist , so meint er , es gebe in der Welt nichts als seinen Gegenstand , und wenn er einmal zehn Jahr und drüber verheiratet ist , so kann er oft gar nicht begreifen , warum er grad die genommen hat , da ' s doch soviel andere gegeben hätte . « » Beständigkeit ist doch eine Tugend « , erwiderte die Bäckerin . » Aber arg ist mir ' s einmal , daß der erste Funke zu dem Brand in meinem Haus hat angehen müssen . Wenn ich das vorausgesehen hätt , so hätt ich mich lieber ohne mein Dötle beholfen , und dann wär sie ihm vielleicht in Jahr und Tag nicht vors Aug kommen . Mir schwant ' s , das Ding geht zu keinem guten End . « » Wider das Schicksal ist kein Kraut gewachsen « , versetzte der Invalide . » Das ist im Leben wie in der Schlacht : an einem fährt ' s vorüber , und den andern trifft ' s. « Es kamen noch weitere Briefe von Friedrich , die sich alle um einen und denselben Angelpunkt drehten . Von seinem eigenen Ergehen schrieb er kein Wort , auch nicht von dem , was er im fremden Lande zu sehen und zu hören bekam . Dagegen zeigten seine Briefe die Merkwürdigkeit , daß er fortwährend mit der Jahreszahl auf gespanntem Fuße stand . Seine Hand schien einen unbezwinglichen Widerwillen gegen dieselbe zu empfinden . In allen diesen Briefen hatte er immer zuerst die falsche Zahl hingeschrieben , dann ausgestrichen und die richtige darübergesetzt ; in einem war sogar das falsche Datum unberichtigt stehengeblieben . Allerdings ein unerheblicher Umstand für ein Mädchen , das kein andres Datum kannte als » diesen Tag « , an welchem sie ihrem Liebsten schrieb . Zweiter Teil 15 Christinens Brief war immer noch nicht fertig , und ihr Vater hatte den Weg zum Pfarrer und Chirurgus gleichfalls noch nicht gefunden , da verbreitete sich eines Tages im Flecken das Geschrei , des Sonnenwirts Frieder sei wieder da oder wenigstens im Anzuge begriffen . Die Nachricht drang mit großer Schnelligkeit selbst zu dem entlegenen Hause des Hirschbauers , und einer von Christinens Brüdern machte sich sogleich auf , um Kundschaft einzuziehen . Es verhielt sich wirklich so , wie das Gerücht sagte . Ein Fuhrmann , der in der Sonne einkehrte , hatte den Erben derselben unterwegs , und zwar in ziemlich abgerissenem Zustande , angetroffen ; zur Bestätigung , daß er die Wahrheit sage , zeigte er ein Schreiben vor , das ihm der Wanderer mitgegeben hatte , um es an denjenigen seiner beiden Schwäger , zu welchem er noch das meiste Vertrauen hatte , zu bestellen . Es ging soeben sehr lebhaft in der Sonne zu , weshalb die Neuigkeit wie ein Lauffeuer sich verbreitete . Der Fuhrmann erzählte noch , er habe den Frieder aufsitzen heißen ; derselbe habe sich aber geweigert , da er nicht nach Hause kommen wolle , bis er wisse , wie er aufgenommen werde . Er gab den Brief einem Knechte , der ihn zum Chirurgus hinübertrug . Dieser ließ nach einer Weile dem Sonnenwirt sagen , es sei endlich Nachricht von seinem Sohne da ; wenn der Herr Vater aufgelegt sei , sie zu hören , so wolle er mit dem Briefe herüberkommen . Der Sonnenwirt antwortete , er habe im Augenblick alle Hände voll zu tun , und auf den Abend wolle er Ruhe haben ; morgen sei auch ein Tag , um von verdrießlichen Dingen zu reden . Auf den andern Tag wurde in der Sonne ein Familienrat zusammenberufen , welchem der Chirurgus den Brief seines jungen Schwagers vorlas . Derselbe lautete gleich eingangs so über alle Maßen niedergeschlagen und unterwürfig , daß die Sonnenwirtin einmal über das andere in ein triumphierendes Gelächter ausbrach . » Geliebter Schwager « , las der Chirurg , » ich weiß mir nicht mehr zu helfen , so will ich Ihn um Gottes Willen gebeten haben , mir einen Rath zu ertheilen , denn ich laufe in der Irr , als wie ein verlornes Schaf ; so rufe ich zu Gott , er möchte mir einen Hirten senden , der mich wieder auf den rechten Weg bringen sollte . Meine Reise ist nicht bestanden , wie ich geglaubt hab : mein Herr Vetter hat des Gerichtsschreibers Sohn von Boll zum Knecht , und hat ihn nicht fortschicken können , weil er auch ein Freund von ihm sei . So bin ich diesesmal in mich selber gangen und mußt erst erkennen , was ich bei meinem Vater vor gute Tag gehabt hab und ihm nicht gefolgt , so bitt ich nur noch diesesmal zu helfen und mich nicht zu verlassen . Meine Eine Bitt an die Meinen ist , mir nur noch so viel zu helfen , daß ich nur einer von seinen Taglöhnern sein möchte . Ich werde gewiß meinem Vater in allen Stücken gehorsam sein ; wann ich es nicht tue und ihm im Geringsten was anstelle , so sprich ich das Urteil wider mich und schreibe meine eignige Hand unter , daß ich auf den ewigen Arrest soll gesetzt werden . Ich weiß wohl , ich hab es gegen den Herrn Schwager nicht verdient , weil ich Ihn schon in vielen Stücken erzürnt und beleidiget hab , es ist mir aber herzlich leid , es wird inskünftige nicht mehr geschehen . So mein ich nun , ob der Schwager nicht eine Bitte vor mich bei dem Herrn Amtmann tun möchte . Man redt wider mich in Eberspbach , es sollte einen Heiden erbarmen über solche Reden : ich soll gesagt haben , ich wolle alle