, wo die Seile der verschiedenen Glockengeläute hängen , drangen wenig neugierige Blicke Uneingeweihter ; von all ' diesen dunkeln Orten wurde noch wenig Interessantes und Wahres berichtet , und diese sind doch , wie alle Räume im Himmel und auf Erden , mit Wesen , und zwar mit geschäftigen und sehr wichtigen Wesen bevölkert . Hier haust nämlich seit unvordenklichen Zeiten und sobald die Dekoration eines jedesmaligen Actes steht , das Geschlecht der Maschinisten und Zimmerleute , der Feuerwächter und der Aushelfer . Der Glanz und der Lärm der Bühne ist ihnen verhaßt , sie suchen gern ein stilles Plätzchen , wo sie ruhig zusammen plaudern oder auch einzeln über so Manches nachdenken können . Das sind meistens keine ganz gewöhnlichen Menschen , und Viele von ihnen haben schon verschiedene Carrièren versucht , ehe sie endlich hier als die unsichtbaren Lenker der Pracht und Herrlichkeit des Theaters hängen geblieben sind . Den ganzen Tag hier in einem ewigen Halbdunkel beschäftigt , haben sie sich allmählig daran gewöhnt und lieben die stillen Räume mit ihrem sanften , zweifelhaften Lichte mehr wie den Glanz der Sonne . Ja , wenn sie Mittags nach Hause gehen , so drücken sie ihre Mützen tief in ' s Gesicht und scheinen ordentlich scheu auf der Straße dahin zu flattern , wie aufgestörte Nachtvögel . Unlieb ist ihnen bei der Arbeit der neugierige , scharf blitzende Sonnenstrahl , der zuweilen bei einer Tagesprobe durch eine Oeffnung aus die finstere Bühne zuckt und mit einen langen , schmalen Streifen so reines Gold , so glühendes Licht zwischen die schwarzen Schatten hinein wirft , daß die gemalten Blumen erbleichen und das abendlich noch so frische Grün grau und moderig aussieht . Sie , diese armen Arbeiter , den ganzen Tag in der Finsterniß umhertappend , lieben überhaupt den Sommer und den Sonnenschein wenig , wenn letzterer draußen über Berg und Thal scheint und alle Menschen sich an seinem Strahle erfreuen , sich an der frischen Luft erlaben , welche die duftenden Blumen und Bäume aushauchen , während sie die knarrenden Seile auf und ab ziehen , bestaubte Coulissen aufhängen und einen künstlichen Donner und Regen hervorbringen , der nichts Erquickendes hat und nur Legionen von Motten und einige Fledermäuse aufjagt . Der Winter ist ihnen lieber ; da sind die anderen Menschen auch in ' s Haus gebannt , und da sitzt es sich gar nicht unbehaglich an dem breiten eisernen Ofen hinter der achten Coulisse , während draußen der Sturm heult oder der Regen auf das Zinndach des Theaters niederprasselt . Ja , hinter der achten Coulisse ist ein recht heimliches Plätzchen , wie gemacht zum Versammlungsort der Maschinisten und Zimmerleute . Gleich rechts daneben ist die Flugmaschine , mit der es auf den Schnürboden hinauf geht und links die eine Treppe , welche unter das Podium führt ; die Zeichen zum Donner und Regen hängen dicht daneben und zwei Sprachrohre münden hier ebenfalls , durch welche man Befehle augenblicklich nach allen Theilen der Bühne hinschleudern kann . Da stehen meistens Fauteuils und sonstige Sitzgelegenheiten , die in den nächsten Akten gebraucht werden und worauf man es sich bequem macht . Auch in anderer Beziehung hat dieses Plätzchen so weit nach hinten seine guten Eigenschaften . Das unangenehme Volk der Statisten in ihren seltsam duftenden Anzügen treibt sich mehr vorn am Eingange herum und tritt hier Niemand in den Weg und auf die Hühneraugen ; den Künstlern ersten und zweiten Ranges ist es da hinten natürlicher Weise viel zu dunkel und einsam und selbst das leichtfüßige Corps de Ballet hüpft , wenn es ja einmal auf die andere Seite des Theaters muß , mit einem großen Sprunge bei der achten Coulisse vorbei , denn es zieht da manchmal sehr stark , namentlich dringt gewöhnlich eine kalte Luft unten aus dem Podium hervor . Die Dekoration des ersten Aktes steht und es ist eine jener angenehmen Opern , in denen allaktlich die Scene stehen bleibt , weßhalb die meisten Maschinisten und Zimmerleute nichts zu thun haben . Hinter der achten Coulisse ist nun ein artiges Plauderstübchen eingerichtet und wer nicht gerade einen bestimmten Posten auf der anderen Seite hat , der findet sich hier ein . Da ist ein königlicher Thron , der nachher gebraucht wird und auf welchem der erste Maschinist sitzt ; doch hat er das Kissen von rothem Sammt herumgedreht und begnügt sich mit dem ledernen Unterfutter . Dieser erste Maschinist war Herr Hammer , ein schon ältlicher Mann , der sehr stark schnupfte , sehr gern erzählte und dazu beständig mit dem Kopfe nickte , welches Nicken er vielfach mit dem Ausrufe : » Ja - a ! ja - a ! « begleitete , was er wahrscheinlich that , um seine Zuhörer zu versichern , seine Erzählung sei wahr und nicht erfunden , welch ' Ersteres von dem ganzen Theaterpersonal stark bezweifelt wurde , denn der erste Maschinist war dafür bekannt , daß er etwas heftig lüge , besonders wenn er auf die Feldzüge zu sprechen kam , die er mitgemacht . Wir können hier eine andere Persönlichkeit nicht übergehen , die sich ebenfalls oft hinter der achten Coulisse einfindet , aber dem Range nach eigentlich später genannt werden müßte . Es ist dies der Schneidergehülfe Herr Schellinger , eine kleine dürftige Gestalt mit stark gekrümmtem Rücken und etwas zitternden Händen . Herr Schellinger war an die Sechszig , hatte Zeit seines Lebens in jeder Beziehung stark gearbeitet und erfreute sich nun dafür ziemlich dürftiger Umstände und einer mangelhaften Gesundheit . Er war ein denkender Künstler gewesen , ein Mann von tiefer Phantasie , und da er auf dem Schneidertische so viele freie Stunden hatte , in denen sein Geist unabhängig von der Knechtschaft der Nadel umher ziehen konnte in der weiten Welt , so reiste er beständig , das heißt immer in Gedanken , und hatte dabei die Eigenthümlichkeit , daß er sich nach der Rückkehr von einer so weit ausgesponnenen Tour steif und fest einbildete , er habe wirklich diese