- Gute Nacht ! - Hoho ! Gemach , mein Freund ! Ihr segelt verdammt unterm Winde . Sorgt nur , daß Ihr nicht unversehens auf ein Riff lauft . Ich bitt ' Euch , laßt Euren Anker auf dem Grunde , wir sind noch lange nicht fertig . - Nun , was soll ' s noch weiter ? Ich mache nicht gern unnütze Worte ! - Da habt Ihr ganz meinen Geschmack ! Nicht wahr , Chevalier , Ihr wünscht diese Nacht sicherlich lieber in Eurem weichen Bette , als in einer wurmstichigen Hängematte zuzubringen . - Was bedeutet das nun wieder ? - fragte mit einer gewissen Unruhe der mit dem Titel » Chevalier « angeredete Fremde . - Beim Himmel , ich weiß nicht , was ich Euch für Grund gegeben habe , mich für einen unbärtigen Knaben zu halten ! Nicht wahr ? Ihr möchtet jetzt hingehen und Euch den Lohn , den Ihr dem Feinde nicht abverdienen könnt , bei Euren Freunden einzubringen suchen . Still ! Ich sollte meinen , daß wir uns kennen , Chevalier . Ein Kind kann einsehen , daß der Bursche da draußen nicht umsonst die Nacht abgewartet hat , um dem Apenrader Hafen einen Besuch abzustatten . Ich hoffe , morgen mein Frühstück im Schlosse des Herrn von Stehmann einzunehmen . Verstanden ? Gut ; und nun , meint Ihr , werde ich Euch fortlassen , um dafür zu sorgen , daß mir statt einer kalten Rebhuhnpastete von jenen lahmen Strandläufern - er zeigte nach der andern Landzunge auf die Strandbatterie hinüber - ein Frikassee zum Willkommen gebracht wird , das mir den Appetit für immer vergehen machen möchte ? - - Ihr glaubt also , ich werde Euch verrathen ? - Teufel , Ihr seid schnell von Begriffen : das meine ich , ja . - Ihr möchtet unter anderen Umständen so Unrecht nicht haben - lächelte Jener - doch diesmal irrt Ihr . Meint Ihr wirklich , daß ein Mann , wie ich , aus bloßer Geldlust dergleichen unternimmt ? Nein . Dänemark ist mir eben so gleichgültig wie Deutschland , und vollends dieser lächerliche Krieg , von der einen Seite aus Renommage , von der andern aus Hochmuth und Ländergier unternommen , von keiner mit Ernst geführt . Bei Gott , ich rührte keinen Finger deshalb , hätte ich nicht andere Gründe . Es war zu dunkel , um das Gesicht des Redenden zu erkennen , aber in seinem erregten , zitternden Tone lag ein solcher Ausdruck von Wahrheit , daß der Capitain davon getroffen wurde . - Nun , ich habe Euch nicht beleidigen wollen - sagte er einlenkend . - Hört jetzt , was ich Euch zu sagen habe . Ich weiß bestimmt , daß Preußen Alles aufbieten will , um einen Waffenstillstand quand même zu Stande zu bringen . In Frankfurt wird bereits , obschon bisher ohne Erfolg , deshalb intriguirt . Willigen die Frankfurter bis zum 20. dieses Monats , heute ist der 16. , also innerhalb 4 Tagen , nicht ein , so wird es Preußen auf einen Separatfriedensschluß ankommen lassen . Die Vorbereitungen dazu sind bereits getroffen . Die Ausführung scheiterte bisher an der Hartnäckigkeit Wrangels , der eitel genug ist , sich auf den Titel : » Oberkommandeur der Truppen der Reichscentralgewalt « etwas einzubilden . Aber er wird sich fügen , wenn man ihm die Wahl läßt , nachzugeben oder den preußischen Dienst zu verlassen . Habt Ihr mich verstanden ? - Vollkommen . Fahrt fort ! - Ihr seht hiernach ein , daß es völlig unpolitisch und gegen Euer eigenes Interesse wäre , den Hafen zu forciren und Apenrade zu beschießen . Denn erstlich würde Wrangels Widerstand gegen die Abschließung des Waffenstillstandes dadurch hartnäckiger und zweitens würde das preußische Cabinet selbst nicht mehr seinen friedlichen Absichten folgen können , ohne sich zu sehr zu compromittiren . Es ist klar , daß man laut über Verrath schreien würde . - Hm ! Ihr scheint mir in gutem Fahrwasser zu steuern . Doch Eins erklärt mir noch . Wie soll ich mich mit meiner Instruktion abfinden , die ausdrücklich die Beschießung , respektive Ueberrumpelung von Apenrade anbefiehlt . - Habt Ihr sie bei Euch ? - Ja wohl ; aber es ist zu dunkel , Ihr könnt nicht sehen . - Gebt nur - erwiederte jener , eine kleine Laterne anzündend . - Stellt Euch auf diese Seite , damit der Schein nicht nach dem Lande fällt . Der Chevalier entfaltete das Papier und las es aufmerksam durch , während der Capitain leuchtete . - Hier steht ja noch etwas von einer zweiten , speciellen Instruktion , die Ihr am Orte Eurer Bestimmung erbrechen sollt . Habt Ihr das gethan ? - Nein , dazu , dächte ich , wäre noch Zeit genug , wenn ' s zum Kampfe geht . - Thor , der Ihr seid . Wenn Euch nun gerade darin der Kampf untersagt würde . Der Capitain sah seinen Gefährten verblüfft an . - Wartet einen Augenblick - sagte er , seinen Gurt abschnallend . Eine in der einen Seite desselben verborgene Tasche öffnend , zog er darauf die versiegelte Instruktion hervor und erbrach sie . - Donnerwetter , Ihr habt , hol ' mich der Teufel , recht - rief er erstaunt . - Hier steht das Gegentheil von dem , was dort . Das begreife ein Anderer . - Das ist sehr leicht zu begreifen - sagte mit Ruhe der Chevalier . - Um ganz sicher zu sein , gab man Euch in Copenhagen eine officielle Depesche , die so lautete , wie die öffentliche Meinung , die Ihr so richtig als die Meinung des Straßenpöbels charakterisirt habt , es verlangte , und wies Euch nur in einer kleinen , unschuldig aussehenden Notiz auf die weitere specielle Instruktion hin , die Ihr versiegelt erhieltet mit dem gemessenen Befehl , sie erst am Bestimmungsort zu öffnen . Das scheint mir klar wie die Sonne .