in meiner Religion erzogen werde . Versprich mir das , Sibylle , und dann .... laß uns scheiden . « Ich gab ihr mein Versprechen , nahm Astralis auf den Arm und stand unschlüssig ob ich gehen ob ich bleiben solle mitten im Zimmer . Da fiel sie mir feurig um den Hals , umarmte und küßte mich . » O Du bist gut ! rief sie ; - aber geh ! geh ! ich kann Deinen Anblick doch schwer ertragen . « Ich wandte mich rasch der Thür zu . Da rief sie - - oder nein ! ein herzzerreißender Schrei rang sich aus ihrer Brust : » Astralis ! « Ich flog zu ihr : » O komm ' mit mir , Arabella . « » Nein nein ! geh ! unterbrach sie mich wieder gefaßt . Mir war nur eben als berühre mich der Tod eiskalt . Geht ! geht ! « Sie küßte noch einmal mich und das Kind , sank dann matt auf einen Stuhl , sah durch das Fenster zum Himmel auf und sang den Anfang eines Liedes das sie sehr liebte : » ' T is the last rose of the summer . « O wol war es die letzte Rose ihres Lebens , die ich jezt mit mir forttrug ! - - Am Abend desselben Tages war ich wieder in Engelau . Während der Fahrt hatte ich nur einen Gedanken ! Zwei Menschen kannte ich - unter so vielen nur zwei ! - welche , seitdem sie über sich selbst zum Bewußtsein gekommen , nie um eines Strohhalms Breite von dem Gegenstand abgewichen waren , der ihre Seelen in der Grundtiefe ergriffen hatte : eine Sünderin war die eine zu nennen , und der andre ein Narr . Arabella war es und mein alter Mathematiker ! Wenn dies das Resultat der Thorheit ist , so behüte mich , Gott ! vor dem der Weisheit , denn diese zwei Menschen - sie mißachtet , er verhöhnt , kamen mir ehrwürdiger vor als alle die , welche aus ihrer kläglichen Eigenschaft vergessen und sich zersplittern zu können , eine Tugend zu machen wußten . Namenloses Grauen vor dem Zwiespalt in welchem der Mensch durch das Leben geschleudert wird , zerarbeitete mir die Seele . Wer da festhält kommt aus dem Gleichgewicht nach Außen , so daß die Leute hohnlächelnd mit dem Finger auf ihn weisen ; - wer nicht festhält kommt aus dem innern Gleichgewicht indem er in Conflict mit seiner jammervollen Bedürftigkeit und seiner unabweislichen Ueberzeugung geräth . Wie ein zerschellter Nachen von den Wellen an die Küste geschleudert und von der Brandung wieder zurückgetrieben wird : so flogen meine Gedanken auf und ab , hin und her , und fanden nirgends , nirgends Ruhe . Ein Brief von Astrau erwartete mich in Engelau - ein ganz widerwärtiger Brief , in welchem er Arabellas plötzliche Abreise von Paris eine ihrer » weltbekannten Excentricitäten « nannte und sich mit weitläuftiger Erbitterung über die unsinnigen Ansprüche der Frauen ausließ , welche von einem Mann immer und ewig nichts weiter begehrten , als daß er ihr Liebhaber sei - etwa ein romantischer , idyllischer oder heroischer Liebhaber , aber vor Allem der . Dadurch würden die Frauen zu einer so marternden Last , daß der Mann aus Verzweiflung in scheinbare Härte verfallen müsse um seine Freiheit und Thätigkeit dem Weltleben und dessen grandiosen Interessen gebührend zuwenden zu können . So häuften sich am Ende die Mißverständnisse . zu einer unübersteiglichen chinesischen Mauer - und das sei lediglich die Schuld der egoistischen Beschränktheit des Weibes . - Dieser Brief kam mir vor als werfe Astrau sich in die Maske des Zorns um sich gegen eigene und fremde Vorwürfe zu panzern . Aber es war mir entsetzlich , daß er gegen Arabella Vorwürfe aussprach , während sie sich keinen einzigen - ja keine einzige Klage über ihn erlaubt hatte . Als Antwort meldete ich ihm die Lage der Dinge und fügte schließlich hinzu : » Ich bin so ganz der Ansicht , daß einem Mann Größeres zu erfüllen obliegt , als zu den Füßen des Weibes die Rolle eines romantischen Liebhabers zu spielen , daß ich auf dem Punkt sein würde einen solchen Mann zu verachten - wenn nicht zum Unglück Du selbst Dich mir gegenüber in eine solche Rolle geworfen hättest : folglich stehe ich Dir zu nah um Dich beurtheilen zu können . Unser Urtheil über einen Menschen begehrt ebensowol wie das über ein Kunstwerk die gebührende Perspective . Ich bin also gar nicht mit jenen Frauen über welche du klagst , einverstanden und bin gern bereit sie mit Dir egoistisch beschränkt zu nennen . Nur sind die Männer dieser Frauen gewöhnlich in ihrer Art ebenso egoistisch beschränkt ; denn nachdem sie deren Wahn geflissentlich hervorgelockt und genährt haben - nachdem sie sich in Schaustellung aller Rasereien der unsinnigsten Leidenschaft gefallen haben - sind sie plötzlich der Sache überdrüssig , die ihnen nicht Ernst war , und begehren vom Weibe es solle nun auch der Komödie satt sein . Aber das hat die Sache für wahr gehalten und findet sich nicht so leicht in den Irrthum . Daher die Mißverständnisse ! - O wollte Gott daß Ihr verständet ein Weib zu lieben ohne Euch zu deren Liebhaber zu machen ! dann würden Treue und Friede , Achtung und Zutrauen zwischen uns walten . Aber zu jenem gehört Wahrheit und Wärme des Gefühls ; und zu diesem - - Du wirst besser als ich wissen was dazu gehört . « Umgehend antwortete mir Astrau : » Die Welt kehrt sich um ! Emancipationsideen dringen sogar bis zu Deiner ultima Thule und Du bist ganz dazu geschaffen deren Priesterin in Beziehung auf das Weib zu sein . Welch einen Fluch hat denn aber Gott auf uns gelegt , daß das Geschlecht welches die Freude und Wonne des unsern sein sollte , sich allmälig zu einer Caricatur zu verbilden droht , von der wir uns mit Schreck und Widerwillen