Die früheren Eigenthümer dieses Landstrichs hatte man jetzt freilich von ihrem Grund und Boden vertrieben und weiter westlich transportiert , und der Garten war zur Wüste geworden . Am Rande dieses » Cherokesischen Pflaumengartens , « wie der Ort von den Bewohnern jener Gegend noch immer genannt wurde , lag nun das vorerwähnte kleine Haus , das , nach des Negers Aussagen , solch ' unheimlichen Gäste beherbergen sollte . Brown wandte sich aber nichtsdestoweniger jener Stelle zu und erreichte mit einbrechender Dunkelheit den verrufenen Ort . Es war eine jener kleinen Niederlassungen , wie sie sich zu Tausenden in dem fernen Westen Amerikas finden : eine niedere Blockhütte , mit jetzt umgeworfenem Lehmkamin , ein kleines , verwildertes , etwas zwei Acker großes Feld , dessen Umzäunung theils niedergefault , theils verbrannt war , ein halbverfallenes Seitengebäude , das wahrscheinlich als Küche oder Vorrathskammer gedient hatte , und ein umgestürzter Brunnen , dessen Oeffnung das abgesägte Stück eines hohlen Baumes bedeckte . Der Platz schien seit langen Jahren nicht mehr bewohnt , aber etwas so Wildes , Unheimliches ruhte auf der verödeten Stätte , daß Brown unwillkürlich , als er eben die niederliegende Fenz überschreiten wollte , inne hielt und nach der benachbarten Baumgruppe hinüberschaute , gleichsam mit sich zu Rathe gehend , ob ein Nachtlager im Freien , unter den grünen Bäumen des Waldes , nicht dem in der , wenn auch trockenen , doch keineswegs traulichen Wohnung vorzuziehen sei . Ein stärkerer Windstoß von Westen her , der ihm den Nebel in dünnem , kaltem Sprühregen entgegenwarf , machte aber seiner Unschlüssigkeit auf einmal ein Ende , denn er zog jetzt , ohne weiteren Zeitverlust , das treue Thier in die innere Umzäunung und zu dem kleinen Nebengebäude hin , das er vor allen Dingen untersuchte und als noch benutzbar fand . Zwar sah er sich genöthigt , ein paar keineswegs leichte Balken aus dem Wege zu heben , um seinem Pony den Durchgang zu gestatten ; dann aber hatte er auch die Genugthuung , das wackere Thier , das ihn heute schon eine lange , lange Strecke getragen , trocken und vor den kalten Nordwestwinden ziemlich geschützt zu wissen . Jetzt sehr zufrieden damit , die Platz erreicht zu haben , schob er einen in der Ecke lehnenden Trog herbei , holte den kleinen Sack , den er , an seinen Sattel geschnallt , mit sich führte , und schüttete dem freudig wiehernden Pony seine Mahlzeit geschälten Mais hinein . Das zuerst besorgt , dachte er nun auch an sein eigenes Lager und trat in das Haus , um unter dem schützenden Dach desselben den matten Körper zu rasten und für neue Anstrengungen zu stärken . So wüst und unbewohnt die aber auch von außen her erscheinen mochte , so fand der junge Jäger doch bald , daß es erst noch vor kurzer Zeit ebenfalls einem Wanderer Schutz und Obdach gewährt haben mußte , denn in dem Kamin lag Asche und unter dieser glimmten sogar noch einige Kohlen . Angenehmeres hätte ihm nicht leicht begegnen können , und schnell trug er einen Arm voll abgebrochener Fenzstangen herbei , schnitzte mit seinem Jagdmesser dünne Späne und sah bald darauf zu seiner Genugthuung ein helles , erwärmendes Feuer emporlodern . Sattel und Decken hatte er mit hereingebracht ; die letzteren breitete er jetzt vor der freundlichen Gluth aus , verzehrte als sehr frugales Abendmahl ein kleines Stück getrocknetes Hirschfleisch und warf sich dann auf das harte , doch ihm vollkommen genügende Lager nieder . Bis jetzt hatten die Vorbereitungen zu seiner eigenen Bequemlichkeit , wie zu der seines Thieres , die geistigen Kräfte den jungen Mannes in Anspruch genommen . Er war beschäftigt gewesen und keine Zeit war ihm dabei geblieben , über sich oder seine Lage nachzudenken . Jetzt aber , vor dem knisternden Kohlen ausgestreckt , in dem engen , unstäten Lichtkreis des flackernden Feuers , öffnete sich sein Herz , und neben den wenigen seligen Minuten der letzten Vergangenheit schritt vor ihm sein Schicksal ernst und trübe in die dunkle Zukunft hinaus . Er sah sich im heißen Kampfe mit den mexikanischen Söldlingen , die Freiheit einer jungen Nation vertheidigend ; er sah sich unter dem Donner der Tod und Vernichtung herüberschleudernden Geschütze anstürmen gegen die feindlichen Batterien - er sah sich blutend im Todeskampf unter den Gefallenen , aber auf siegreich gewonnenem Schlachtfeld liegen , und ein fast triumphierendes Lächeln überflog seine bleichen Züge , während er krampfhaft die neben ihm ruhende Büchse erfaßte und , mit stolzem , todesmuthigem Blick sich halb von seinem Lager erhebend , durch den eingestürzten Kamin hinausstarrte in die finstere , sternenlose Nacht . Da plötzlich drängte sich das Bild der Geliebten vor seine Seele , wie sie , einem schönen Opfer gleich , ihre Hand in die des ihr zugetheilten Gatten legte - er sah sie erblassen , sah , wie sie ängstlich nach Hilfe - nach ihm umherschaute - hörte ihren halbunterdrückten Schmerzensschrei , und - der stolze , kräftige Mann brach zusammen unter den auf ihn einstürmenden tödtlichen Gefühlen . Er barg das Antlitz in den Händen , warf sich auf das rauhe Lager zurück und weinte - weinte , als ob ihm das Herz brechen wollte . Aber auch dieser wilde , tobende Schmerz gab endlich einer weichen , besänftigenden Wehmuth Raum ; die Hand auf das pochende Herz , die brennende Stirn gegen die rauhe Bärenfelldecke des Sattels , die ihm zum Kopfkissen diente , gedrückt , betete er - für das Glück der Geliebten , für die Ruhe der eigenen schwerbedrängten Brust , und mit dem Namen des theuren Mädchens auf den Lippen nahm ihn endlich der Schlummergott in die weichen Arme und trug ihn hinüber an das Herz der so heiß Ersehnten . Mitternacht mußte vorüber sein , als er aus seinem süßen Traum erwachte und sich in der traurigen Wirklichkeit nicht mehr vor dem wärmenden Feuer , sondern vor dem offenen Kamin befand , durch den ihm der wilde Sturm