plötzliche Veränderung in der Kronberg ! Ein solcher Blick und ich würfe ihm mein Leben nach , wie eine ausgepreßte Orange . Bah ! bah ! Seien Sie nicht so excentrisch , mein guter Fritz ! Befehlen Sie Ananas-Eis ? Die Frau ist bildschön ! Nach ihm wird sie accessible werden ; warten wir ' s ab ! Sie vergessen , daß Sie von der Gräfin Kronberg sprechen , sagte fest und scharf St. Luce , der hinter den beiden Herren gestanden . Der Offizier maß ihn von Kopf zu Fuß und drehte ihm , wie zufällig , den Rücken , um dem Tanz im Nebenzimmer zuzusehen . Der alte Narr ist auch in sie verliebt , murmelte er vor sich hin . Was thut denn hier ein französischer Ehrenlegionist ? fragte ein Anderer . Er sitzt als Niobe neben dem Herzog von Reichstadt . Früher war er eine Creatur Napoleons , aber eine der unschädlichen ; als man den Herzog von Reichstadt herbrachte - Das arme Kind ! Ihm sieht der Tod aus den Augen ! Schon jetzt fühlt er das Entsetzliche seines Geschicks ! Ich bitt ' Ihnen , er ist ganz vergnügt ! sagte ein dicker , behaglicher Major . St. Luce ist dem französischen Kaiser sehr attachirt gewesen , fuhr der Erste fort ; nachdem er ihm in den Schlachten von Leipzig und Montmartre seine Gliedmaßen geopfert , ist ihm nur das Herz geblieben , das ihn dem Knaben nach , hierher gezogen hat . Man hat ihn anfangs beobachtet , aber - Das Gespräch verschwamm wieder im allgemeinen Stimmengebrause . Unterdessen standen Anna und Gotthard noch mitten im Saale ; sie hatten die Außenwelt vergessen . Wie anders hatten die anderthalb Jahre Gotthard zur Welt und zu Annen gestellt ! Sein ungewöhnliches Talent hatte ihn dem Ministerium nach so kurzer Zeit schon unentbehrlich erscheinen lassen . Noch hatte freilich seine Lage durch die Vielseitigkeit seiner Arbeiten , welche wiederholte Reisen zwischen Wien , Berlin und den älteren Provinzen veranlaßten , keine äußerlich bestimmte Form erhalten können . Er hatte den Titel als Geheimerrath nur bekommen , weil man ihm einen Rang geben mußte ; er schien zu jung , um ihn zum wirklichen Cabinetsrath zu machen ; was jedoch irgend mit dem gewohnten Hergang verträglich , war für ihn geschehen , und die eiserne Consequenz , die er in den schwierigsten Angelegenheiten der Verwaltung und Gesetzreformen mit der klarsten Auffassung einte , hatten ihn längst mit Kronberg in gleiche Linie gestellt , dem diese Superiorität allmälig immer lästiger zu werden begann . In der ersten Zeit ihres wiener Aufenthalts hatte Anna Gotthard öfters im Hause gesehen ; er hatte es versucht , wenigstens durch Gespräche mit ihr der geliebten Kinder Unterricht noch eine Weile fortzuleiten , aber mit der ihm eigenen gewandten Hartnäckigkeit war es Kronberg dennoch gelungen , ohne irgend ein Dehors zu verletzen , ihn nach und nach immer ferner zu stellen . Anna hatte die nicht zu bergende Abneigung ihres Gemahls gegen ihn für gekränkten Ehrgeiz gehalten und schwer , aber geduldig getragen . In dem Kreise eleganter , aber ihr nicht gefährlicher junger Männer , mit denen Kronberg seine Gemahlin umgab und aus welchem er Gotthard möglichst auszuschließen suchte , begann deren Schönheit ein immer größeres Aufsehen zu erregen . Unter den eigentlichen Diplomaten hatten Gotthards meisterhaft in die seinen eingreifenden Arbeiten dem Grafen längst den Ruf eines ausgezeichneten Staatsmannes erworben , die ausgesuchte , elegante Bewirthung seiner zahlreichen Gäste hatte ihm den Namen eines Millionärs verschafft , und seiner stets unruhigen Eitelkeit war demnach für den Augenblick eine äußerst seltene , volle Befriedigung geboten . Nur im tiefsten Innern seines Herzens nagte unausgesetzt der Wurm der sich stets erneuenden qualvollen Ueberzeugung : daß diese schöne , geistreiche , von der ganzen sie umflatternden Männerwelt ihm beneidete Frau ihn nicht liebe , nie ihn geliebt habe , und daß ein Mensch ohne Rang und Namen den kostbaren Schatz erhoben , zu dessen Hüter ihn das Geschick , wie zum Hohne , eingesetzt . In diese Periode fiel des Generals Bekanntschaft . St. Luce gehörte zu den alten Anhängern Napoleons , die ohne Eingriffe in den von ihnen als unvermeidlich erkannten Gang der Ereignisse , in stiller Trauer überall am Grabe ihres Kaisers zu stehen scheinen : ein wandelndes Mausoleum seiner einstigen Größe , das noch lange ihn überdauern wird . St. Luce war ein Arm abgenommen , ein Fuß gelähmt ; an unbefugte Einmischung in die durch Bonaparte ' s Tod ihm gleichgültig gewordene Politik des Tages war nicht zu denken . So ließ man ihn , da er ohnehin mehren fürstlichen Familien Oesterreichs als unverdächtig bekannt war , ruhig sein kleines Erbtheil in Wien verzehren , wo seine Seele aus dem Anblick des geliebten Kaiserkindes eine Art innerer Lebenskraft einzusaugen schien . Anfangs hoffte er viel für dessen Zukunft ; Blüte um Blüte streiften die Jahre diesen geheimen Hoffnungen ab ! St. Luce mußte den Keim des Todes langsam das junge Leben überwachsen sehen , doch hoffte er immer , selbst noch früher als der geliebte Knabe zu sterben , und konnte sich nicht entschließen , die Stätte des sich langsam öffnenden Grabes vor dem gefürchteten Augenblick zu verlassen . Da kamen Kronbergs nach Wien . Die Episode in Frau von Waldau ' s Hause , die dem jungen Manne eine so freundliche Erinnerung hinterlassen , tauchte mit erneuter Lebendigkeit vor seinem halb erstarrten müden Geiste auf - er sah Annen wieder und das ganze Herz ward ihm wach . Der alte Krieger liebte die schöne Frau mit aller Kraft , die ihm geblieben , aber er hätte selbst den Saum ihres Gewandes vor jedem Flecken hüten mögen ; er ward ihr treuester Freund , folgte ihr wie ihr Schatten , war ihr Cavalier sans consequence - helas ! wie er selbst zu sagen pflegte , und Kronberg that alles Mögliche , diese ihm sehr bequeme Anhängligkeit des alten Verehrers zu beschützen und zu proniren . Als Gotthard sich mit