Ich hoffe , noch vor Ende dieses Jahrhunderts wird jeder auftauchende Schriftsteller nach irgend einem Botany-Bay gesendet . « » Welch ' ein vandalischer Haß gegen die armen , liebenswürdigen Schriftsteller , die Ihnen doch gewiß von Robinson an bis zur heutigen Stunde unsägliches Vergnügen gemacht haben . « » So so ! Sie leben mir vor , sie denken mir vor - ich lebe und denke aber lieber auf meine eigene Hand , schlecht und recht , wie ich ' s eben verstehe , als einem Andern nach . « Als Mengen kam , bemerkte er sogleich Faustinens innere Aufregung . Sie sprach ; aber dann und wann hielt sie mitten im Satz inne , weil sie keinen Athem mehr hatte . Ihre Augen glänzten ; aber dann und wann sanken die Augenlieder tief und müde herab . » Sie sind fatiguirt , Gräfin , « sagte Mario sanft , und setzte sich zu ihr . » O , zum Sterben ! « entgegnete sie , sich im Fauteuil zurücklehnend . » Man muß nicht so viel reden , wenn einem nicht danach ums Herz ist . « » Dann schweigen Sie nur , Mengen ! Sie thun ja nie danach , wie es Ihnen ums Herz ist . « - Er sah sie fragend an . - » Nun ja , « fuhr sie fort , » Sie reisen und würden doch viel lieber , trotz Hochzeit und Freudenfesten , hier bleiben . « Er antwortete ihr nicht , aber er verwickelte die Anwesenden in Gespräche , womit die Zeit hinging ohne Faustinens Bemühen . Als man aufbrach , wünschte man ihm eine glückliche Reise , und all ' die freundlich banalen Phrasen erklangen , welche denen so weh thun , über die der Schmerz des Abschieds einbrechen wird . Faustine saß regungslos auf ihrem Platz . Sie grüßte mit den Augen die Scheidenden . Nun war sie mit Mario allein . Schweigend , mit untergeschlagenen Armen , stand er eine Weile vor ihr , denn die Gefühle wogten in seiner Brust und erstickten die Worte . Da stand sie auf , legte beide Hände gefaltet auf seinen Arm und sagte bebend : » Auf Wiedersehen , Freund ! « » Kann ich denn so von Ihnen scheiden ? « fragte er eben so leise und faßte ihre Hände in die seine ; - » o Faustine , ich kann nicht ! « rief er dann mit überströmender Heftigkeit und drückte sie an sein Herz , als wolle er dies brausende Herz oder die geliebte Gestalt zerbrechen . - » O , das ist nicht recht ! « sagte sie , immer mit demselben Ausdruck von Trauer im Blick und Ton . » Vergebung , Faustine , « sprach Mario sanfter und seine Hand glitt leise über ihr Haar , ihre Wange hinab - » siehst Du , ich liebe Dich - « Da stand sie auf einmal frei , seinem Arm entwunden , vor ihm . Sie bog den Kopf zurück , der plötzlich in einer Verklärung stand , welche nur überirdischer Triumph verschmolzen mit bacchantischem Jubel auf das Menschenantlitz gießen ; sie breitete die Arme aus , doch nicht zu ihm , sondern empor zum Himmel , und mit der nämlichen Extase im Ton sagte sie : » Er liebt mich ! « - » Wohin denn mit dieser wehenden Glut , Faustine , wenn nicht zu mir ? « rief Mario entzückt und schlang den Arm um sie , als wolle er sie an seine Seite fesseln . » Er liebt mich ! « wiederholte sie mit derselben schwärmerischen Innigkeit . Sie umfaßte seinen Kopf mit ihren beiden Händen , sah ihn an , schüttelte dann langsam den ihren und sagte träumerisch : » Das ist aber doch wol nicht wahr . « » Nicht wahr ! o Faustine , hast Du nicht gefühlt , wie mein Wesen allmälig mit dem Deinen verschmolzen ist , wie mein Herz gelernt hat in Deiner Brust zu schlagen , mein Geist in Deiner Richtung zu fliegen , mein ganzes Sein mit Dir Schritt zu halten . Ist das nicht Liebe , Faustine ? « Wie die rosenrothen Gletscher immer blasser und blasser werden , wenn die Nacht heraufsteigt und zuletzt in schattengleichem Grau dastehen , so erbleichte sie ; sie hing zerbrochen in Marios Armen und sagte tonlos : » O , das ist aber entsetzlich ! « » Warum , Faustine ? Engel , Du liebst mich - « » Ich ! « rief sie und fuhr mit der flachen Hand über die Stirn ; - » ich .... Sie ? - Sie irren sich seltsam , Graf Mengen . « Entsetzen , als habe der Blitz zu seinen Füßen die Geliebte erschlagen , zerwühlte plötzlich Marios glückstrahlendes Antlitz . Er stieß Faustine von sich und sagte mit einer vernichtenden Drohung im Ton : » Faustine ! « Sie sank in den Lehnstuhl wie eine welke Blume , die das Haupt unter dem rollenden Donner beugt . Dicke Thränen quollen langsam unter den Wimpern vor , die Locken hingen aufgelöst an den entfärbten zarten Wangen herab . Sie war jetzt bezaubernd durch den unaussprechlichen Gram ihres ganzen Wesens , wie sie es drei Minuten vorher durch dessen unaussprechliche Glut gewesen war . Mario hatte nicht die Kraft sie zu verlassen , obgleich er im ersten Augenblick schon eine Bewegung nach der Thür gemacht . Er kniete vor ihr nieder und sprach : » Faustine , wie können Sie lügen ? « » Ich lüge nicht ! « flüsterte sie ohne aufzublicken . Er legte seine Hände gefaltet auf ihre Kniee und sprach : » Sehen Sie mich an , fest und ruhig , und nun antworten Sie mir : » liebst Du mich nicht , Faustine ? « » Nein ! « sagte sie fast unhörbar , aber unwillkürlich ruhte ihr Auge mit so himmlischer Zärtlichkeit auf ihm , daß er entzückt ausrief : » Deine falschen