soll darauf ausgehen , daß wir den Geist ans Licht hervorlassen . Mir deucht , mit den fünf Sinnen , die uns Gott gegeben hat , könnten wir alles erreichen , ohne dem Witz durch Bildung zu nahe zu kommen . Gebildete Menschen sind die witzloseste Erscheinung unter der Sonne . Echte Bildung geht hervor aus Übung der Kräfte , die in uns liegen , nicht wahr ? - Ach , könnt ich doch alle Ketten sprengen , die uns daran hindern , jeder innern Forderung Genüge zu leisten ; - denn dadurch allein würden die Sinne in ihre volle Blüte aufbrechen . - Ich lese eben meinen Brief durch und wundre mich über den Paradegaul von prahlerischen Gedanken , der drin an der Leine im Kreis läuft . - Ein philosophischer Harttraber , ich fühl mich nicht bequem , wenn ich ihn reite , was kommt mir doch so viel in den Kopf , was ich selbst gar nicht wissen mag - könnt ich nur immer von der Himmelsleiter des Übermuts herab unter die Philister speien . - Gute Nacht - das ist der vierte Tag , wo ich nichts von Dir weiß , jetzt , wenn morgen kein Brief kommt , so frag Dich doch selber , was ich dann denken soll . - An die Bettine Gestern abend kam ich von Hanau , wo ich drei Tage in prosaischen Geschäftsaufträgen verbrachte . Deine zwei Briefe lagen auf meinem Kopfkissen , und einer von Clemens , der nach Dir frägt , weil er die ganze Zeit nichts von Dir gehört habe , keine Antwort auf mehrere Briefe . Er meint , Du könntest krank sein , hast Du ihm denn gar nicht geschrieben ? - Versäume doch nicht , gleich zu schreiben , er frägt nach Deinen Studien und meint , Dein Generalbaßeifer , von dem Du mit so viel Begeistrung ihm geschrieben , sei wohl auch wieder ins Stocken geraten . Ich soll Dein faselig Wesen zur Besonnenheit bringen , und schilt mich einen Faselhans und klagt mich an , ich versäume Dich , ich mache mir selber Vorwürfe und kann doch nach allem Überlegen zu keinem besseren Resultat kommen , als eben Dich ganz Dir selber überlassen . - Der Clemens meint , Du habest ein enormes Talent zu jeder Kunst , und es müsse die Steine am Wege erbarmen , Dich so dahinschlampen zu lassen , Deine Selbstzufriedenheit hänge davon ab , daß Du Dich mit Leib und Seel einmal dran gebest , es sei der Schlüssel Deines ganzen Lebens . - Ich darf ihm nicht sagen , daß Du ein Religionsstifter bist und die ganze Menschheit auf Dich genommen hast und willst sie lassen von der Luft leben und bildungslos dahertappen und willst nichts Gekochtes mehr essen , von lauter rohen Mohrrüben und Zwiebel leben und die Bratspieße alle zum Teufel werfen und Dir das ganze Taunusgebirg zur Gesellschaft bitten , und daß Deine Religion schweben solle , und daß Du in dem Gärtner einen adeligen Herrn entdeckt hast , das darf ich ihm doch alles nicht sagen . Was soll ich ihm denn sagen ? - Da helf ' mir doch einmal ein bißchen drauf . - Der rasche Wechsel von Anregungen in Deinen Briefen würden dem Clemens die Haare zu Berge stehen machen , und Dein zärtlicher Umgang mit dem Heiligen Geist , wie Du das nennst , den Du gleich einem Jagdhund witterst , das würde ihm unsägliche Sorge machen . Er frägt mich , was Du mir schreibst , denn er wisse , daß ich enorm lange Briefe von Dir bekomme . Wo er das her weiß , das ist mir ein Rätsel , ich hab mit niemand davon gesprochen . Ich mein , daß der Clemens recht hat , denn wenn Du auch ein neues Leben ausgefunden hast , indem Du mit Dir selber zusammentriffst , wie Du sagst , so mußt Du doch auch fühlen : so gut wie in jenen Naturerscheinungen , die Dein Genius , wie Du meinst , benutzt , um zu Dir zu gelangen , so würde er jede Kunst wohl auch benutzen dazu , wenn Du ihm nur die Pforte öffnen wolltest , aber der Arme ! Ich glaube , Du würdest ihn eher zerquetschen , ehe Du ihn da durchließest . - Was Dich einen Augenblick anregt , wozu sich wirklich Dein Feuer sammelt , das zerstreuest Du mit allem Fleiß wieder und gibst es den vier Winden preis . Du kannst nicht leugnen , daß die Musik mit allem , was Anregung in Dir bedurfte , übereinstimmt . Du hast mir selber geschrieben , Dein eigner Lebensgeist rufe Dir immer zu , eine Geige nimm und verstärke den Strom der Harmonien , sonst kannst Du nimmer glücklich werden . Dies war ' s oder doch was ganz Ähnliches , was Du mir vor vier Wochen geschrieben , und daß Du fühlest , die Musik sei der Urgeist aller Elemente und sie allein wecke den Geist im Menschen und Geist könne nur Musik sein , und was dergleichen prahlerische Gedanken mehr waren , die , wie ich sehe , aber gänzlich aus Deinem Kopf verschwunden sind . - Wo ist nun Dein musikalischer Urgeist jetzt hin ? - Ich will Deinem Lebensweg gar nicht in den Weg treten , aber daß Du dem Geist , der Dir auf geheimen Wegen entgegenkommt , den Du so liebst , daß Du meinst , in allem sei nur er es , den Du je lieben werdest , daß Du dem zulieb nicht einmal eine Kunst üben willst , Dich zu nichts anstrengen , kein Buch lesen ; nur spazierengehen , auf Dächer klettern und über die Hecken auf Nebelpfaden umherschweifen , schwebende Religionen zu erfinden , das ist ein wahrer Jammer ! Wie gerne wollte ich alles an Dir versuchen , was Clemens als meine Pflicht mir vorhält , aber Du stehst mir ja doch nicht Rede und haspelst wie ein Schmetterling über Dich selber