gedehnt , und Beide verließen das Schloß , um sich nach der Abtei zu begeben . - Die junge Frau saß unter den hohen Schattengewölben des Buchenwaldes in dem weichen Moose , welches ihre Leonin zu einem kleinen Sitz angehäuft hatte , und in ihr war , über alles Erlebte hinweg , nur der eine einzige Gedanke , daß Leonin abreisen werde . - Der schöne Nacken , mit dem gedankenschweren Haupte war vorn übergebeugt , und die zarten Finger lagen in einander , als wären sie im Gebete vergessen , in einem Gebete , das nur lautes Reden mit Gott war über ein unaussprechliches Weh , das er ihr auferlegte , worüber sie ihn betend befrug , und ihm vorstellte , wie sie es nicht ertragen könnte . Ihr unschuldiges Herz sträubte sich unter den ersten Wunden des Schmerzes , sie dachte immer : da wird es Gott plötzlich wenden , wenn ich ihn bitte . - Sie saß , als ob sie auf ihn wartete , und sehnte sich nach ihm mehr , als nach dem Geliebten , denn sie wußte ihn damit einbegriffen , wenn Gott das sendete - was , das mußte eben Gott wissen , weil sie es nicht finden konnte ; nur jedenfalls mußte es nicht Trennung sein . - So erschrak sie fast , als Leonin früher aus den Bäumen hinter ihr hervortrat , als sie das Erbetene von Gott erhalten . - Ihre Wünsche erfüllten sich bisher in dem Kreislaufe ihres Lebens von selbst , und ihr Gemüth war so milde geleitet worden , daß sie es nicht wußte , wenn ihr der Vater leis ein oder den andern Wunsch hinweg nahm , und indem sie that , was er wollte , schien es ihr immer eine Erfüllung des Selbstbegehrten . Es gehörte zu dem patriarchalischen Pathos ihrer Erziehung , ihrer Gemeinschaft mit der heiligen Schrift , ihrem wichtigsten Geschichtsbuche , daß Gott eine redende Person für sie war , der Erzvater , zu dem sie mit großem Ernste sprechen durfte . Wie Abraham aus der Hütte trat und die Engel begrüßte , die der Herr sandte , Sodom und Gomorra zu zerstören ; wie er mit ihnen liebreich hin und wieder redete , und ihnen die möglich dort gerecht Befundenen abhandelte , und sie ihm nachgaben , weil er nicht nachließ zu bitten - so erschien ihr ein Jeglicher zu Gott gestellt , und sie fand sich in dieser Beziehung vollkommen sicher und berechtigt . - » Ich will mich nicht von Dir trennen , « sagte sie , als Leonin sich zu ihr setzte , und richtete sich ruhig , wie für Lebenszeit , an seiner Brust ein , » und ich wartete eben auf Gott wie es werden soll . « » O , « rief Leonin , » daß er uns den Ausweg sendete , der das Härteste von uns abhält , was uns treffen kann - und doch sehe ich ihn noch nicht ! « » Ich auch nicht , « sagte sie - » darum muß er von dort her kommen , denn ich kann Dich nicht lassen ! - Aber was hast Du nur ? « fuhr sie fort und richtete sich auf - » Du hast ja was Fremdes ! Was ist Dir ? - Du bist nicht so still - es ist Dir was vorüber gegangen ? « - Erstaunt blickte Leonin sie an und bemerkte an ihrem unruhig forschenden Blick eine Bewegung , über die er erschüttert ward . Nachdenkend fuhr sie fort , als redete sie mit sich selbst : » Der alte Tobias sagt : Der Böse geht umher und macht erst ein Zeichen an dem , den er haben will , das kennt er wieder , wenn ' s auch noch so fein ist , aber die Engel merken es gleich und bemühen sich , es auszulöschen mit ihren Thränen . « » Nun , « lächelte Leonin und zog die sanft von ihm Abgebogene wieder an sich - » wie fällt Dir das bei mir ein ? Bemerkt mein Engel Fennimor ein solches Zeichen ? « » Still , still , « sagte sie mit andächtiger Furcht , » nur die himmlischen Engel kennen das , und die behüten sehr lange die Menschen , damit es nicht geschehe . « - Sie richtete sich auf , und sah ihn so forschend und befremdet an , als suche sie das Zeichen . Er erhob sich nun auch lächelnd , das wunderbare Wesen betrachtend , und ihre Augen erhoben sich zu dem Aufgerichteten , als sie plötzlich den Baum streiften , der hinter ihnen stand , und sie entsetzt zusammen fahrend , an Leonins Brust stürzte . » Fennimor ! Fennimor ! « rief Leonin , außer sich - » was ist Dir , mein geliebtes Kind ? Fürchte Dich nicht , Du bist ja bei mir , an meiner Brust ! « » Die Schlange ! die Schlange ! « stöhnte Fennimor , ihr Antlitz angstvoll verbergend - » der Böse ist doch da ! « Fortgerissen von der phantastischen Erregung seines kindlichen Weibes , wandte er sich schnell um und sah noch , wie der Marquis de Souvré , der auf Crecy ' s Bitte nicht zugleich mit ihm hervorgetreten war , um Fennimor ' s Vorbereitung abzuwarten , den Kopf zwischen den an diesem jüngern Baume noch niedrig hängenden Zweigen zurückzog . Leonin konnte leicht denken , daß Fennimor , die in ihrer Bibel die Abbildung der Schlange hatte , die mit einem Menschenkopfe durch die Zweige des Baumes der Erkenntniß blickt , das bleiche , aschfarbene Gesicht des Marquis dafür angesehen hatte . Aber so natürlich die Erklärung war , so nah ' es ihm lag , dem armen bebenden Kinde diese Auslegung zu geben - ein unaussprechliches Gefühl hatte seit Ankunft des eben so wunderlich verwechselten Mannes allen Lebensmuth in ihm niedergedrückt . Ein betäubendes Sinnen erfaßte ihn , das Wesen noch schützend in seinen