noch die , neugierig zu sein , wie eine Nachtigall . In diesen heißen Sommertagen hat er in seinem Handel wenig zu thun , da treibt er sich denn vom Morgen bis zum Abend in den Straßen herum , etwas Neues aufzuspüren ; läuft allen Fremden nach , ist aber zu blöde , um ihnen Rede zu stehen . Ihr , Herr , seid nicht der Erste , dem dieses auffällt . Der gastfreie Dmitry hatte während der Zeit die köstlichsten Erfrischungen , die in seinem Bereiche lagen , auftischen lassen , und fing jetzt an mit einem Anerbieten heraus zu rücken , dessen Annahme , wie er ein wenig sarkastisch lächelnd hinzusetzte , die Reisenden gegen die Angriffe des tapfern Grischa und seiner Bande genugsam sichern müsse . Längst schon , sprach er , rufen mich meine Geschäfte nach Nachitschewan , dem sehr anmuthig gelegenen und zugleich wohlhabendsten Handelsstädtchen im Lande ; es liegt am Wege nach Kislawodsk , wohin Ihr der Bäder wegen übermorgen abzureisen gedenkt , wie ich höre . Ich hätte schon längst mit meinen Korrespondenten in Nachitschewan einmal persönlich abrechnen sollen , aber der Weg ist weit . Die Reise ist zwar , besonders in dieser Jahreszeit , bei weitem nicht so beschwerlich , die Wege weder so gefährlich noch so unsicher , als Reisende , die oft gern den Mund etwas weiter aufthun als nöthig wäre , es beschreiben . Aber man legt ihn doch immer lieber in guter zahlreicher Gesellschaft , als allein zurück . Wollt Ihr mir nun übermorgen erlauben mit meinem eigenen Fuhrwerke , in Begleitung einiger meiner Diener mich Euch anzuschließen , so würde sie mir zur angenehmsten Spazierfahrt werden , und als einem des Landes Kundigen möchte es mir auch wohl gelingen , zu Euerer und Iwans Bequemlichkeit und Sicherheit mich als nicht ganz überflüßig auszuweisen . Nichts konnte erwünschter sein , als dieser Vorschlag , der sogleich freudigst angenommen wurde . Die Reise ging zur bestimmten Zeit , unter den glücklichsten Vorbedeutungen vor sich ; die beiden Kibitken nebst dem von mehreren Dienern begleiteten Packwagen des Kaufmanns , bildeten eine kleine ganz stattliche Karawane ; für reichlich gefüllte Flaschenkeller und Speisekober , so wie für alles , was sie in diesem , doch noch immer etwas unwirthbaren Lande , vermissen konnten , hatte Dmitry bestens gesorgt . Iwan ergab sich darein , allnächtlich zu ruhen , die fieberhafte Angst war von ihm gewichen , die zwischen Petersburg und Moskau ihn so gewaltsam vorwärts getrieben . Heitern Muthes durchzogen die Reisenden so manche lange , öde , unwirthbare Steppe , bis sie an die üppig blühenden Ufer des Don gelangten . Hier athmete Iwan schon heimathliche Luft ; vollkommen genesen , schwelgte er in der Vorempfindung des nahen Wiedersehens , während Richard , durch Dmitry jeder Sorge um seinen Freund enthoben , der ihm neuen Welt sich freute , die ihn umgab . Alles entzückte ihn , der reine blaue Himmel , der schöne Strom , den zahllose Schiffe und zierlich bemalte Barken belebten , die vielen Städtchen und Dörfer , die an seinen Ufern sich hinziehen , denn Richard war weit davon entfernt gewesen , hier nur etwas dem Ähnliches zu erwarten ; Dmitry aber , aus purer Dankbarkeit dafür , daß sie bisher alles , was er für sie gethan , sich so wohl hatten gefallen lassen , verdoppelte seinen Eifer in der Vorsorge für die Freunde . Schon waren sie dem Ziele , das Dmitry zu ihrer Begleitung festgestellt hatte , ziemlich nahe ; sehr ermüdet von einer ungewöhnlich starken Tagereise langten sie , als die Sonne schon im Sinken war , in Rostow an , wo sie sich vorgenommen hatten zu übernachten . Rostow ist ein lebhaftes , sehr wohlhabendes Handelsstädtchen , hart am Ufer des hier ungewöhnlich fischreichen Don ; Fische sind daher das Haupterzeugniß des Ortes ; gedörrt , gesalzen , geräuchert , in allen nur erdenklichen Gestalten , werden sie von hier aus weit und breit umher verschickt ; Alt und Jung , Weiber und Kinder , sieht man überall , an allen Ecken und vor den Thüren der Häuser , mit der Zubereitung derselben beschäftigt , was freilich , besonders an warmen Sommertagen , die das Städtchen umgebende Atmosphäre eben nicht zur angenehmsten macht ; man muß daran gewöhnt sein , um sie ertragen zu können . Ungeachtet ihrer Ermüdung , und obgleich Rostow eigentlich der Punkt war , wo ihr Weg von dem ihres bisherigen treuen Begleiters sich trennte , gaben die Reisenden doch dem Rathe und den Bitten des Dmitry gern Gehör , die wenigen Werste nicht zu scheuen , und ihm vollends bis Nachitschewan ihre Gesellschaft zu gönnen . Es war schon späte Nacht , als sie dort vor dem Hause eines armenischen Kaufmannes , Namens Ilia anlangten , der , ein Gastfreund ihres Freundes , sie sehr zuvorkommend empfing , und sogleich in die , dem Anscheine nach längst für sie bereit gehaltenen Zimmer führte . Das ganze freundliche Städtchen Nachitschewan bildet eigentlich einen einzigen großen Bazar . Mit den köstlichsten , wie mit den gewöhnlichsten Erzeugnissen des Orients angefüllte Magazine und Läden , nehmen fast durchweg den ersten Stock der Häuser ein , und in den mannigfaltigsten Trachten drängt lautes buntes Gewimmel von Käufern und Verkäufern sich in den lebensreichen Straßen . Auch auf dem schönen Strome , der längs den Mauern des Städtchens sich hinzieht , geht es nicht minder lebhaft zu ; ein- und ausladende , kommende und gehende Schiffe und Barken kreuzen durch einander in immer reger Beweglichkeit . Hier zieht ein Fischer das schwer beladene Netz aus den im Morgenstrahle wie Silber erglänzenden Wellen , dort wirft ein Andrer das Seinige aus , während an den blühenden Ufern , unter fröhlichem Sange und Gelächter , hoch aufgeschürzte Mädchen einen Regen blitzender Diamanten aus ihren bunt gemalten Gießkannen über ihr bleichendes Garn hinströmen lassen . Zum erstenmale seit langer Zeit saß Richard im Erker des freundlichen Zimmers , das der gastfreie Ilia ihm