eingerichtet war , und hier dauerte es lange , ehe mein armer Herr nur sprechen konnte . Endlich erlaubte es ihm der Arzt , und seine ersten Worte richtete er an mich . Gustav , sagte er , ich habe es wohl gesehen und gefühlt , mit welcher Liebe Du mich pflegst , Du leistest mir alle Dienste , auch die , die sonst nur einem Bedienten zukommen ; aber , lieber Junge , die Dienste , die man dem Freunde leistet , erniedrigen nicht , und vielleicht kann ich es Dir noch einmal vergelten . Nach einigen Tagen fragte mein Herr : Lieber Gustav , wie viel Geld haben wir noch ? Ich zählte die Summe und sagte sie ihm . Das ist wenig , erwiederte er seufzend , und wir müssen vielleicht noch lange damit auskommen ; rufe mir Jemanden , dem wir die Uhr verkaufen können , und dann hüte Dich etwas Ueberflüssiges auszugeben . Ein Jude fand sich bald , der die Uhr kaufte , und nun theilten wir das Geld sehr sparsam ein . Es war aber doch natürlich , daß ich meinen kranken Herrn nichts wollte entbehren lassen und lieber Manches selbst entbehrte , und nun machen sich die Schufte hier über meinen Herrn lustig , weil er mir keine bessern Kleider giebt . Laß diese elenden Menschen , mein gutes Kind , sagte Dübois mit weicher Stimme , und endige Deine Erzählung . Nun fuhr der Knabe fort : Endlich war mein Herr so weit gekommen , daß wir reisen konnten . Der Waffenstillstand wurde auch bekannt , und wir machten uns nun , ich kann wohl sagen , recht arm auf den Weg , um zu seinen Eltern zu gelangen . Mein Herr war so gut , daß er sich ernstlich entschuldigte , wenn ich ihn bediente . Dich hat ein Gott recht zu meinem Beistande gegeben , sagte er ein Mal , wie wollte ich ohne Dich bestehen , da ich noch nicht gesund bin . So erreichten wir endlich seines Vaters Schloß ; aber Sie werden es nicht übel deuten , lieber Herr , wenn ich es aufrichtig sage , daß der alte Graf mir nicht gefiel ; auch sah ich wohl , daß mein gütiger Herr niedergeschlagener wurde , als er es im Felde und in Krankheit und Armuth war . Hier wurde auch eine andere Einrichtung getroffen , und er litt es durchaus nicht mehr , daß ich ihn bediente ; er nannte mich hundert Mal des Tages seinen jungen Freund oder seinen Pflegesohn , und ich hörte es wohl , wie sein Vater ihm oft Vorwürfe machte , daß er sich durch mich eine unnütze Last auf den Hals geladen habe . So aß ich dort mein Brodt mit Thränen , aber es wurde noch schlimmer ; ein alter widriger Mann mit triefenden Augen kam dorthin , der trug dem alten Grafen Vieles vor und auch meinem jungen Herrn ; was es war , kann ich nicht sagen ; aber mein Herr wurde oft sehr aufgebracht , und ich hörte mehrere Male , wie er dem alten Grafen zuschwor , er würde solch Unrecht nicht dulden ; dann suchte ihn der alte Graf selbst wieder zu besänftigen und bat ihn , nicht durch Hitze Alles zu verderben und zur Klugheit seine Zuflucht zu nehmen . Endlich kam die Nachricht , daß mein Herr verabschiedet sei ; das brachte ihn vollends zur Verzweiflung . Gustav , sagte er eines Abends zu mir , ich muß eine kleine Reise unternehmen , und ich will auf dieser Fahrt keinen von meines Vaters Leuten mit mir nehmen , denn ich habe bemerkt , daß sie ihrer Zunge zu viel Freiheit gestatten und über ihre Herrschaft zu viel schwatzen . Ich konnte dieß nicht läugnen . Hast Du so viel Liebe für mich , fuhr mein guter Herr fort , daß Du mir auf dieser Reise die Dienste leisten willst , die mir Erziehung und Gewöhnung unentbehrlich gemacht haben , und kannst Du auch wohl ein Paar Pferde regieren ? Ich versicherte ihm , daß ich Alles leisten wollte , und so machten wir uns auf den Weg . Mein Herr sorgte für mich besser , als für sich selbst , und ich hoffte , die Reise würde ihn erheitern . Ich bemerkte es wohl , daß er immer unruhiger wurde . Endlich , heute Morgen , hielten wir vor einem hübschen Hause an ; ich sah es wohl , wie der Graf zitterte , als er abstieg ; seine Augen und Wangen brannten , aber nach wenigen Minuten kam er bleich wie eine Leiche zurück , bestieg still den Wagen , sprach während des ganzen Weges kein Wort , und hier angekommen , hat er auch nicht an mich gedacht und mich zum ersten Mal wie einen Bedienten vergessen . Der Graf muß etwas sehr Schmerzliches erfahren haben , mein lieber Sohn , sagte der alte Haushofmeister , da er Dich so hat vergessen können . Weißt Du denn nicht , Wer in jenem Hause wohnte ? Nein , sagte der Knabe , ich sagte Ihnen ja , mein Herr hat den ganzen Tag kein Wort mit mir gesprochen . Ich sollte Dich nun eigentlich nicht Du nennen , mein liebes Kind , sagte Dübois , da Du schon ein halber Student gewesen bist , aber das wirst Du einem alten Manne , der Dir gut will , wohl erlauben . Wenn Sie mich Du nennen , rief der Knabe , so freut mich das , denn Sie sind ein guter , ehrwürdiger Mann , aber von den Bedienten hier im Hause werde ich es niemals leiden . Da der gute junge Graf , fuhr Dübois fort , wie Du selbst bemerkt hast , so schon manchen Kummer zu haben scheint , so wirst Du ihm wohl das schlechte Betragen der elenden Bedienten gegen Dich nicht erzählen . Nein , gewiß nicht , rief der Knabe , ich weiß , es