jetzt der Kaiser angestellt , ein Ringelrennen , auf dem ich wohl den Preis errang ; aber - wie bald war die geringe Gabe in den Wind gegangen . Meine Hoffnung ist der Frühling , in dem das lustige Ritterspiel wieder beginnt in voller Pracht . Bis dahin muß ich mich dünken und vergnügt seyn mit der Atzung , die mir meine Herren von Frankfurt hier im Engel verabreichen . « » Armer Schelm ! « versetzte Dagobert : » Solche Entsagung fällt Dir schwer . Eine Fastnacht sollte vorübergehen , ohne daß Du darauf der vornehmste Narr gewesen ? Nimmermehr . Es bleibt dabei , Du nimmst den wilden Jäger , den ich bezahle , und dessen Seckel ich versehen will , damit seine Kehle nicht trocken bleibe , und ich ... je nun , ich stecke mich in den Pickelhäring ; denn zu dem , was ich vorhabe , brauche ich eine Larve , die nicht die Einzige ihres Schlags im Gewühle sey , und einen Begleiter , herzhaft wie der wilde Jäger , unter dessen Mantel wohl neben dem Jagdmesser eine Raufklinge Platz hat . « » Hoho ! was spracht Ihr da ? « rief Gerhard vergnügt , und umarmte in seines Herzens Freude den jungen Gönner : » Larvenspuck , Silber in der Tasche , Weinlust und zum Beschluß eine Rauferei ? Ihr macht überselig ! « - » Und verlange nichts dafür , als Verschwiegenheit ; « erwiederte Dagobert : » Verschwiegenheit und Aufsparung Deiner Freude bis zum Faschingdienstag . Schlendre bis dahin umher , in welcher Maske Dir ' s gefällt ; den Jäger hebe aber auf , sonst erfährt man vor der Zeit aus Deinem sprachseligen Munde , daß Du dahinter steckst . « » Ich bin ja kein altes Spittelweib , « lachte Gerhard zuversichtlich : » indessen : Euer Wille geschehe . Mein Freund , der Mundkoch aus dem Bischofshofe hat mir den langen Christoph versprochen , um mich darein zu vermummen , und ich will mir ' s gefallen lassen , bis zum Dienstage den Heiligen vorzustellen . Was ist ' s aber eigentlich , das ihr vorhabt , liebes Fröschlein ? « » Hätte ich Lust , Dir ' s mitzutheilen , « versetzte Dagobert : » so wüßtest Du ' s bereits . Verstanden ? « Gerhard zuckte mit Zweifelhaftem Gesichte die Achseln , wollte reden , schlug sich aber auf den Mund , und empfahl sich durch einen stummen Bückling dem jungen Manne zu fernerm Wohlwollen . - » Geh hin , altes Sieb , « sprach Dagobert , ihm auf die Schultern klopfend : » Deiner Faust und Deinem guten Willen vertraue ich gern ; keineswegs aber Deiner plauderhaften Zunge , die im Trunk und Aberwitz Dein eigen Seelenheil an den Teufel zu verschwatzen im Stande wäre . « » Nachdem der Dicke hinweggegangen , um sich in den großen Christoph zu verwandeln , setzte sich Dagobert gedankenvoll an den Tisch , stützte den Kopf in die Hand , und überlegte , was zentnerschwer auf seinem Herzen lastete . « Sein tiefes Nachsinnen löste sich endlich in ein unzusammenhängendes Selbstgespräch auf . » Wird es gelingen ? « fragte er sich leise und scheu , als ob er die zuhorchenden Mauern zu fürchten hätte : » Lieber Gott ! wird es denn erfüllt werden , was von drei redlichen Männern beschlossen wurde ? .... Wenn es Tugend ist , das Recht von dem Joche einer meineidigen Gewalt zu befreien , dann muß ja auch der Segen von oben uns beschirmen . - Wehe unsrer Zeit , daß wir im Verborgnen schleichen müssen , das Gute zu thun . - Darf ich aber auch ganz ruhig seyn ? Sündige ich nicht wider mein Gewissen und den Stand , den ich erwählen muß ? Nicht gegen meines fürstlichen Freundes , des Herzogs , Ansichten und Glauben ? O nein , gewiß nicht ! mein Herz ist ruhig , und Friedrich würde an meinem Platze dasselbe thun . Fort , zu ihm , um aus seinem geraden und klaren Blicke Festigkeit zu saugen und Beharrlichkeit zu dem Werke , eines Mannes , eines deutschen vor Allen würdig ! « Da er in des Herzogs Hof eintrat , schallte ihm das frohe Getümmel der zahlreichen Dienstleute entgegen , an welche die Freigebigkeit des Fürsten so eben zum Eintritt der Fastnacht einen verschwenderischen Vespertrunk gespendet hatte . In Küche , Vorplatz und den untern Gemächern des Hauses lagen und saßen die Zechenden umher , und ließen sich den Seewein munden , der in Strömen aus den aufgepflanzten Fässern floß . Treppen und Vorgemächer des Oberstocks waren leer von Dienern . Dagobert , ein gewöhnter Gast , schritt keck auf des Herzogs Zimmer zu , da gewahrte er in der Ecke der Trabantenkammer einen Menschen , den einzigen hier athmenden . Der erste Blick auf den Wartenden ließ den Juden nicht verkennen , so wie dessen langer schwarzseidner Rock mit gelbem Futter und Aufschlag den Reichen ankündigte . Der Jude , ein zerfetztes , bleiches Gesicht , näherte sich demüthig dem stutzenden Jüngling . » Guter , junger Herr , « sprach er : » seit länger denn einer Stunde warte ich hier auf die Gnade , vor den glorreichen Herzog gelassen zu werden . Die Diener sind nicht zu meinen Diensten , obgleich ich wurde hieher beschieden , und ich bin nicht genug frech , um zu dringen ohne Ansage in das Gemach des vornehmen Fürsten von Tyrol . Eurer Huld , edelgesinnter Herr Ritter , empfehle ich mich ; man gelangt ja durch Fürsprache in den Himmel , warum nicht durch ein gutes Wort vor einen Fürsten . Ihr seyd einer von dessen Vertrauten ; das sagt Euer Gang und Eure Unbefangenheit ; macht mich durch Eure Gnade zu Eurem Schuldner . « - » Überflüssiges Geschmeichel ! « brummte Dagobert : » Du willst , ich soll dem Herzog Deine Anwesenheit melden . Wie nenn ' ich Dich