mein Getreuer ! ist das all unser Getränk , was in diesem Becher ist ? « » Wasser so klar als Kristall hat Eure Wohnung « , sprach der Pfeifer , der mit der heiteren Laune seines Gefährten schon vertraut war , » aber auch ein Restchen Wein , das wenigstens noch drei Becher füllt , ist im Krug und - nun wir haben ja heute einen Gast , und können schon etwas draufgehen lassen - ich will es nur gestehen , ich habe heute nacht einen vollen Krug alten Uhlbacher hereingebracht , er steht bei dem andern . « » Das hast du wohl gemacht « , rief der geächtete Ritter , und ein Strahl der Freude drang aus seinem glänzenden Auge ; » glaubet nicht , Herr Georg , daß ich ein Schlemmer und Säufer bin ; aber guter Wein ist ein edles Ding , und ich liebe es , in guter Gesellschaft den vollen Becher rundgehen zu lassen . Pflanze die Krüge nur hier auf , werter Kellermeister , wir wollen tafeln , wie in den Tagen des Glückes . Ich bring es Euch , auf den alten Glanz des Hauses Sturmfeder ! « Georg dankte und trank ; » Ich sollte die Ehre erwidern « , sagte er , » und doch weiß ich Euren Namen nicht , Herr Ritter . Doch ich bringe es Euch ! möget Ihr bald wieder siegreich in die Burg Eurer Väter einziehen , möge Euer Geschlecht auf ewige Zeiten grünen und blühen - es lebe ! « Georg hatte die letzten Worte mit starker Stimme gerufen , und wollte eben den Becher ansetzen , als das Geräusch vieler Stimmen vom Eingang der Grotte her , aus der Tiefe emporstieg , die vernehmlich , » Es lebe ! lebe ! « riefen . Verwundert setzte er den Becher nieder . » Was ist das , « sagte er ; » sind wir nicht allein ? « » Es sind meine Vasallen , die Geister « , antwortete der Ritter lächelnd , » oder wenn Ihr so lieber wollt , das Echo , das Eurem freundlichen Rufe beistimmte . Ich habe oft « , setzte er ernster hinzu , » in den Zeiten des Glanzes , das Wohl meines Hauses von hundert Stimmen ausrufen hören , doch hat es mich nie so erfreut und gerührt als hier , wo mein einziger Gast es ausbrachte , und die Felsen dieser Unterwelt es beantworteten . - Fülle den Becher Hanns und trinke auch du , und weißt du einen guten Spruch , so gib ihn preis . « Der Pfeifer von Hardt füllte sich den Becher , und blickte Georg mit freundlichen Blicken an : » Ich bring es Euch , Junker ! und etwas recht Schönes dazu : das Fräulein von Lichtenstein ! « » Halloh , sa ! sa ! trinkt Junker , trinkt « , rief der Geächtete und lachte , daß die Höhle dröhnte ; » aus bis auf den Boden , aus ! sie soll blühen und leben für Euch ! das hast du gut gemacht , Hans ! sieh nur , wie unserem Gast das Blut in die Wangen steigt , wie seine Augen blitzen , als küsse er schon ihren Mund . Dürft Euch nicht schämen ! auch ich habe geliebt und gefreit , und weiß wie einem fröhlichen Herzen von vierundzwanzig Jahren zumut ist ! « » Armer Mann ! « sagte Georg ; » Ihr habt geliebt und gefreit , und mußtet vielleicht ein geliebtes Weib und gute Kinder zurücklassen ! ? « Er fühlte sich , während er dies sprach , heftig am Mantel gezogen , er sah sich um , und der Spielmann winkte ihm schnell mit den Augen , als sei dies ein Punkt , worüber man mit dem Ritter nicht sprechen müsse . Und den Jüngling gereueten auch seine Worte , denn die Züge des unglücklichen Mannes verfinsterten sich , und er warf einen wilden Blick auf Georg , indem er sagte : » Der Frost im September hat schon oft verderbt , was im Mai gar herrlich blühte , und man fragt nicht wie es geschehen sei ; meine Kinder habe ich in den Händen rauher aber guter Ammen gelassen , sie werden sie , so Gott will , bewahren , bis der Vater wieder heimkommt . « Er hatte dies mit bewegter , dumpfer Stimme gesprochen , doch als wolle er die trüben Gedanken aus dem Gedächtnis abwischen , fuhr er mit der Hand über die Stirne , und wirklich glätteten sich die Falten , die sich dort zusammengezogen hatten , augenblicklich , er blickte wieder heiterer um sich her und sprach : » Der Hanns hier kann mir bezeugen , daß ich schon oft gewünscht habe , Euch zu sehen , Herr von Sturmfeder ; er hat mir von Eurer sonderbaren Verwundung erzählt , wo man Euch wahrscheinlich für einen der Vertriebenen gehalten und angefallen hat , indessen der Rechte Zeit gewann , zu entfliehen . « » Das soll mir lieb sein ! « antwortete Georg . » Ich möchte fast glauben , man hat mich für den Herzog selbst gehalten , denn diesem paßten sie damals auf ; und ich will gerne die tüchtige Schlappe bekommen haben , wenn er dadurch gerettet wurde . « » Ei , das ist doch viel ; wisset Ihr nicht , daß der Hieb , der nach Euch geführt wurde , ebensogut tödlich werden konnte ? « » Wer zu Feld zieht « , entgegnete Georg , » der muß seine Rechnung mit der Welt so ziemlich abgeschlossen haben . Es ist zwar schöner in einer Feldschlacht vor dem Feinde bleiben ; wenn die Freunde jubeln und die Kameraden umherstehen , um einem den letzten Liebesdienst zu erweisen . - Aber doch wäre ich damals auch gestorben , wenn es hätte sein müssen , um die Streiche dieser Meuchelmörder von dem Herzog abzulenken . « Der Geächtete sah den Jüngling