Mann ; entweder lag hier eine Verwechslung der Namen und Personen zugrunde , oder es war ein schreckliches Geheimnis , und der Kapitän ein Betrüger , der Luisens Glück vielleicht auf ewig zerstört hatte . Ich sagte dem Gesandten geradezu , daß er mit mir über Dinge spreche , die mir völlig unbekannt seien . Er staunte , doch glaubte er , da er schon so viel gesagt hatte , mir die weitere Erklärung dieser Rätsel schuldig zu sein . Dieser Kapitän West ist ein Sachse , erzählte er ; er diente früher im Generalstab , und wurde dann zu einer diplomatischen Sendung nach Spanien verwandt ; er soll ein Mann von vielen Talenten , aber etwas zweideutigem Charakter sein . Warum die Wahl gerade auf ihn fiel , da noch ältere Leute und aus guten Häusern im Departement waren , ist mir unbekannt ; nur so viel erfuhr ich zufällig , daß man ihn damals von Dresden habe entfernen wollen . Man erzählt sich , er habe in Madrid in einem Verhältnis zu einer schönen , jungen Frau gelebt ; sie war eine Spanierin , aber an einen alten Engländer verheiratet , der sie vielleicht nicht so strenge unter Schloß und Riegel hielt , wie man sonst in Spanien zu tun pflegt . Als aber endlich dieses Verhältnis zu den Ohren des Engländers kam , bewirkte dieser , daß der Kapitän von seinem Posten abgerufen und sogar aus dem Dienst entlassen wurde . Doch sagen andere , er selbst habe aus Ärger über seine schnelle Abrufung quittiert . Doch das Beste kommt noch ; einige Wochen nach seiner Abreise war die Frau des Engländers mit ihren beiden Kindern plötzlich verschwunden , man kann sagen , spurlos verschwunden , denn so viele Mühe sich ihr Gatte gab , ihrer habhaft zu werden , alles war vergeblich . Vielleicht scheiterten auch seine Bemühungen an den Unruhen , die gerade in jener Zeit ausbrachen und die Kommunikation mit Frankreich sehr erschwerten . Der Verdacht dieses Engländers fiel , wie natürlich , vor allem auf den Kapitän West . Er wußte es zu machen , daß dieser in Paris angehalten und verhört wurde . Man sagt , er solle sehr betreten gewesen sein , als er die Nachricht von der Flucht dieser Dame hörte ; er wies sich aber aus , daß er die Reise bis nach Paris allein gemacht habe , und bekräftigte mit einem Eid , daß er von diesem Schritt der Donna nichts wisse . Etwa ein Vierteljahr nachher kam er nach Rom , und lebt seitdem hier sehr still und eingezogen , besucht keine Gesellschaft , hat keinen Freund , keinen Bekannten , vorzüglich vermeidet er es , mit Deutschen zusammenzutreffen . Um diese Zeit , fuhr der Gesandte fort , sei von seinem Hofe die Anfrage an ihn ergangen , ob dieser West sich in Rom befinde ; wie er lebe , und ob er nicht in Verhältnis mit einer Spanierin sei , die sich ebenfalls hier aufhalten müsse . Man habe ihm dabei die Geschichte dieses Kapitän West mitgeteilt und bemerkt , daß der Engländer von neuem Spuren von seiner Frau entdeckt habe , die beinahe mit Gewißheit annehmen lassen , daß sie in Rom sich aufhalte . Man habe deswegen von Spanien aus sich an die päpstliche Kurie gewandt , es scheine aber , man wolle sich hier der Dame annehmen , denn die Antwort sei sehr zweifelhaft und unbefriedigend ausgefallen . Der Gesandte machte die nötigen Schritte und erfuhr wenigstens so viel , daß jener Verdacht bestätigt schien . Er wandte sich nun auch an Consalvi , um zu erfahren , ob der römische Hof in der Tat die Dame in seinen Schutz nehme und erhielt die , in eine sehr bestimmte Bitte gefaßte , Antwort , man möchte diese Sachen beruhen lassen , da die Ehe der Donna Ines mit dem Engländer wahrscheinlich für ungültig erklärt werde . Dies erzählte mir der Gesandte ; er sagte noch hinzu , daß er aus besonderem Interesse an diesem Fall dem Kapitän immer nachgespürt habe , und so sei ihm auch der Streit zu Ohren gekommen , den ich im Karneval mit jenem wegen einer Dame gehabt habe . Sie können sich denken , Freund , welche Qualen ich schon während seiner Erzählung empfand ; und als ich das ganze Unglück erfahren hatte , stand ich wie vernichtet . Der Gesandte verließ mich , um zu der Gesellschaft zurückzukehren ; ich hatte kaum noch so viel Fassung , ihn zu bitten , er möchte niemand etwas von diesen Verhältnissen wissen lassen , das Warum ? versprach ich ihm auf ein andermal . Ich konnte von dem Zimmer , wohin der Gesandte mich gerufen , den Salon übersehen , ich konnte Luisen sehen , und wie schmerzlich war mir ihr Anblick . Sie schien so ruhig , so glücklich . Der Friede ihrer schönen Seele lag wie der junge Tag freundlich auf ihrer Stirne ; ihr sanftes blaues Auge glänzte , vielleicht von der Erwartung einer schönen Abendstunde , und das Lächeln , das ihren Mund umschwebte , schien der Nachklang einer freudigen Erinnerung hervorgelockt zu haben . Nein , es war mir nicht möglich , diesen Anblick länger zu ertragen , ich eilte ins Freie , um dieses Bild durch neue Bilder zu verdrängen ; aber wie war es möglich ? der Gedanke an sie kehrte schmerzlicher als je zurück , denn der Friede der Natur , der zauberische Schmelz der Landschaft , die süße Ruhe , die diese Fluren atmeten , erinnerten sie mich nicht immer wieder an jenes holde Wesen ? und die Wolken , die sich am fernen Horizont schwärzlich auftürmten , und ein nächtliches Gewitter verkündeten , hingen sie nicht über der friedlichen Landschaft wie das Unglück , das Luisen drohte ? Ich ging nach Hause ; ich dachte nach , ob nicht Rettung möglich sei , ob ich sie nicht losmachen könne von dieser schrecklichen Verbindung . Doch , war nicht zu