seinen Arm . » Hier , Herr Wißmann , « sprach er , » hier steht meine Tochter , neben ihrer Tante der hochwürdigen Frau Pröbstin von Falkenhayn . « Sir Charles stutzte , wie Jeder , dem etwas ganz Unerwartetes entgegen kommt ; die würdige Gestalt der Tante machte indessen auch auf ihn den Eindruck , den sie Allen gab ; begrüßte sie ehrerbietig , und wandte sich dann zu Vicktorinen , die im reichsten Schmucke , wie ihr Vater es verlangt hatte , stolz und hoch , gleich einer Königin , dastand , und ihn vornehm kalt mit einer sehr abgemeßnen Verneigung empfing . Sir Charles Verwunderung stieg sichtbar . » Ihr ältestes Fräulein Tochter ? « fragte er endlich Herrn Kleeborn . » Meine einzige , « war die Antwort . » Sie wissen es ja , ich habe nur dies eine Kind , und Sie haben ja auch meine Vicktorine schon gestern Abend gesehen . Oder etwa nicht ? « Sir Charles war wirklich für den Augenblick um eine Antwort verlegen , doch ein Blick auf Babet , die sich indessen dicht hinter die Tante zu schleichen gewußt hatte , setzte den geübten Weltmann schnell ins Klare : denn Babet hob , wie in höchster Angst , ihr Auge bittend zu ihm auf , schlug es aber auch gleich wieder nieder , während die glühendste Purpurröthe ihren Hals und Gesicht übergoß . Zwar glitt bei dieser Entdeckung ein leichtes , halb spöttisches Lächeln über Sir Charles Züge hin , aber er fühlte dennoch , daß er hier etwas zu schonen habe , und murmelte daher nur einige unverständliche Worte , die Herr Kleeborn zum Glück nicht beachtete , weil eben die Thüre des Speisesaals aufging , und die Gesellschaft sich hineinbegab . » Ich vergaß es gestern , daß Aurora immer der Sonne voranzuschreiten pflegt , « flüsterte Sir Charles Vicktorinen zu , indem er ihr den Arm bot ; doch Vicktorine erwiederte ihm keine Sylbe , stumm und kalt ließ sie sich von ihm an die Tafel führen , und so verlor auch er die Lust , das Gespräch fortzusetzen und schwieg halbbeleidigt , während Babet Gott dankte , daß die Sache noch so leidlich abgelaufen war . Bei festlichen Mahlzeiten , wie diese , pflegt gewöhnlich anfangs in der Gesellschaft eine allgemeine Stille einzutreten , und Sir Charles benutzte diese Zeit , um die ihm wirklich bestimmte Braut , die in aller der graziösen Schroffheit , deren sie , sobald sie es wollte , fähig war , an seiner Seite saß , mit der gleich einer jungen Rose blühenden Babet zu vergleichen . Letztere hatte es künstlich genug so einzurichten gewußt , daß sie ihm schräg gegenüber ihren Platz fand . Er konnte es sich zwar nicht verhehlen , daß diese neben Vicktorinens blendender Schönheit zu einem artigen Zöfchen herabsank , aber sie gefiel ihm darum nicht minder . Ja , es wandelte ihn sogar eine Art von innerlichem Aerger darüber an , daß sie die Rechte nicht sey , besonders da seine Nachbarin alles , was er sagte , nur mit höflicher , aber desto zurückstoßender Kälte aufnahm , während jene nicht nur mit angestrengter Aufmerksamkeit jedes seiner Worte belauschte und mit der holdseeligsten Freundlichkeit belächelte , sondern es auch übrigens an schmachtenden Blicken , bedeutendem Erröthen und ähnlichen Zeichen der Theilnahme nicht fehlen ließ . Gegen die Mitte der Mahlzeit belebte sich das Gespräch und ward allgemeiner ; zugleich begann auch Herr Kleeborn , sich queer über den Tisch hin bei Sir Charles nach mehreren seiner alten Freunde in London zu erkundigen , und ihn über ihr persönliches Befinden und ihre häuslichen Zustände zu befragen . Doch er erhielt nur wenige und sehr unbefriedigende Antworten , zuletzt gar die mit vornehmer Kälte sehr lakonisch hingeworfene Versicherung , daß Sir Charles alle diese Herren zwar im Geschäftswege dem Namen nach kenne , aber keinesweges sonst noch mit einem von ihnen in persönlicher Verbindung stehe . Herr Kleeborn schwieg , sichtbar verstimmt , und auch Sir Charles blieb von nun an stumm und verschlossen , bis einer der anwesenden Fremden seiner schönen Pferde erwähnte , die dieser mit Bewunderung im Stalle gesehen hatte . Nun ward er mit einemmal nicht minder lebendig , als gestern sein treuer Wilkinson bei der nehmlichen Veranlassung es geworden war . Er unterhielt die ganze Tafel mit Erzählungen von englischen Wettrennen und von den bei diesen , auf unglaubliche Weise gewonnenen oder verlornen , bedeutenden Summen . Dazwischen berief er sich immer auf Wilkinson , der nie ermangelte , der Geschichte noch irgend etwas zuzusetzen , um sie noch wunderbarer und merkwürdiger erscheinen zu lassen . Von den Pferden ging er zu den Festen und Assembleen der vornehmen Welt in London über . Von diesen kam er auf die dortige italienische Oper , und den besondern Verdienst der berühmtesten Sängerinnen und Tänzerinnen . Ein unaufhaltsamer Strom von Beredsamkeit floß von seinen Lippen , indem er seiner vertrautesten Freunde in London dabei erwähnte , lauter Lords , Counts und Viscounts . Kein einziger plebejer Name entschlüpfte ihm , vor allem aber pries er die Herrlichkeiten von Brighton , und sprach mit wahrer Begeisterung von den Freuden , die er dort in der unmittelbaren Nähe des Prinz Regenten selbst wollte genossen haben . Kleeborns Unmuth stieg sichtbarlich bei den Rodomontaden des jungen Mannes ; man sah es ihm an , daß er auf irgend eine Weise ihm Luft machen mußte , und ein eignes Gefühl von Unbehaglichkeit bemächtigte sich dabei allmählig der ganzen Gesellschaft . » Erlauben Sie mir eine Frage , « fing er endlich an , » Sie sprechen immer , als wären Sie ein geborner Engländer , und doch als der Sohn meines sehr verehrten Freundes , Jan Peter Wißmann in Amsterdam , sind Sie so viel ich weiß ein Holländer . « » Ei freilich , ist der alte Herr mein Papa , « fiel Sir Charles halb lachend ihm ein , denn das viele Reden und