mit ihr sich messen dürften , keine sah ich , die an Geist , Talent , Bildung ihr nahe käme . Jetzt , nach vierzig Jahren , bei eurer hochgepriesnen Kultur , mag das nun wohl anders seyn . Auch gebe ich Euch Gabrielens Hand nur als Ersatz für etwas , das ich von Euch fordern will ; die Freiherren von Aarheim waren immer gewohnt , kleine Leistungen groß zu lohnen . Gabriele wird nur unter der Bedingung die Eure , daß Ihr mir bei Eurer Ehre versprecht , das zu erfüllen , was ich im Moment , da sie für Euch sich erklärt , verlangen werde . Ihr dürft es ohne Sorgen . Unrechtes , Entehrendes forderte noch kein Freiherr von Aarheim . Wollt Ihr diese Bedingung eingehen ? « Moritz verbeugte sich abermals schweigend , denn aus Furcht , zu beleidigen , wagte er es nicht , den Mund zu öffnen . Der Baron ward jetzt sichtbarlich heitrer , es war , als beginne die Eisrinde um seine Brust sich zu lösen . » Vetter , von Euch kann ich nichts bitten und nichts annehmen , das seht Ihr wohl ein , und doch muß mein Wunsch erfüllt werden , « sprach er gewissermaßen mit behaglichem Zutrauen . » Es liegt mir mehr daran , als Ihr und die Welt zu fassen vermögen . Darum biete ich Euch den höchsten Lohn , den ich zu gewähren habe . Ihr werdet mein Sohn , und unser alter Stamm blüht vielleicht glorreich wieder auf . Um Gabrielens Versorgung willen thue ich nichts , für sie wäre auch ohne Euch gesorgt , selbst wenn sie Euch verschmäht , selbst dann ! « Hier versank der Baron aufs neue in tiefes Nachsinnen , er blickte unverwandt auf die jetzt vom Monde hell beleuchtete Brandstätte , und ward wieder zusehends düstrer . » Habt Ihr nie vom Virginius gehört ? vom Römer Virginius ? « fragte er nach einer ziemlich langen Pause plötzlich mit wunderlich heimlichem Ton . Moritz von Aarheim eilte , auf diese Frage bejahend zu antworten , und verbreitete sich darauf sehr weitläuftig in Lobpreisungen der Heldenthat des Römers , die er höchlich bewunderte1 . » Ultimo pegno d ' amor ricevi - libertade e morte , « rief er endlich aus . » Ich sehe , Vetter ! Ihr habt Euren Alfieri recht gut inne , « sprach der Baron , pegno d ' amor - libertade e morte . Freiheit und Tod : haltet Ihr die wirklich für Liebespfänder , wie Alfieri es dem Virginius in den Mund legt ? « Mit diesen Worten zog der Baron ein ganz kleines , hermetisch versiegeltes Fläschchen hervor , das er an einer goldnen Kette um den Hals hangen hatte . » Libertade e morte ! « rief er , und hielt das Fläschchen von geschliffnem Krystall hoch gegen das Licht , so daß es in bunten Farben blitzte und funkelte . » Kennt Ihr den diesen Gottheiten geweihten Lorbeer ? hier seht Ihr ihn , die Gelehrsamkeit verleumdet ihn zwar und nennt ihn falsch . Er ist der echte ! wer ihn errungen hat und ihn zu brauchen weiß , kümmert sich weder um Kronen noch Kränze , und trotzt dem Geschick wie den Gebietern der Welt . Virginius war ein Thor , sein blutiger Dolch erregt Entsetzen . Hier bedarf es nur eines balsamisch duftenden Hauches , und Gabriele tritt schmerzlos mit mir die Reise nach jenem Lande der Freiheit an . Nicht blutig , nicht entstellt , ihre Hülle bleibt die Zierde der Welt , so lange das Licht des Tages sie bescheint , die Oberfläche der Erde sie trägt . « Mit einem Schrei des Entsetzens warf Moritz von Aarheim sich unwillkürlich auf den Baron und strebte das Fläschchen ihm zu entreißen , doch dieser hielt ihn mit starkem Arm ferne von sich . » Was wollt Ihr ? « sprach er mit blitzenden Augen , » Ihr habt es ja selbst ausgesprochen , Libertade c morte , ultimo pegno d ' amor ! O ihr armen Thoren ! Was steht Ihr denn entzückt vor Bildern ? was preist ihr Thaten ? was prahlt Ihr mit Gesinnungen , die Euch mit Entsetzen erfüllen , wenn Ihr sie ins wirkliche Leben treten seht ? Seyd ruhig , ich gäbe Euch gern dieses Fläschchen , denn ich habe mehr dergleichen , wenn so etwas Euch nur anvertraut werden dürfte . Seyd ruhig ! Eure Person ist sicher , mit Euch hat kein Lorbeer etwas zu schaffen . Erfüllt meinen Willen , Gabriele wird die Eure , obgleich es mir leid um sie thut . Ihr wäre besser , sie ginge mit mir , ohne zu wissen , wohin die Hand des Vaters sie führt . Ein Hauch , und es wäre vorbei mit aller Noth und aller Langenweile , die sie bei Euch erwarten . Doch lebt wohl , beruhigt Euch , wir sehn uns morgen wieder , und nun geht ! « Bleich wie ein Todter , bebend vor innerem Grausen , durcheilte Moritz von Aarheim die langen düstern Gänge , welche zu seinem Zimmer führten . Kein Schlaf kam die ganze lange Nacht hindurch in seine Augen . Er blieb angekleidet . Unruhig wandelte er auf und ab und trat jeden Augenblick an das Fenster , um zu sehen , ob der Tag noch nicht zu grauen beginne . In dieser Minute blickte er auf zu Gabrielens Zimmer , und sah , wie der ruhige Schimmer ihrer Nachtlampe das Fenster schwach erhellte ; in der nächsten horchte er wieder hinaus , ob nicht etwa das Verderben herumschleiche , ob nicht leise Tritte hörbar würden ; doch alles blieb stille und ruhig . Endlich begann der Himmel , sich zu röthen . Moritz schlich sich auf die andre Seite des Schlosses und sah nach den Zimmern des Barons . Dort erloschen nach und nach alle Lichter , zum Zeichen , daß für jenen jetzt auch die Zeit der