ich von andern Katern gehört , daß die Mäusejagd ein ungemein angenehmes zerstreuendes Vergnügen sein solle , war es ja möglich , daß unter den rebus auch die Mäusejagd begriffen sein konnte . Ich begab mich daher , sowie es finster worden , in den Keller und durchstrich die düstern Gänge , indem ich sang : » Im Walde schlich ich still und wild , gespannt mein Feuerrohr - « Ha ! - statt des Wildes , das ich zu jagen trachtete , schaute ich aber wirklich ihr holdes Bild , aus den tiefen Gründen trat es wirklich überall hervor ! Und dabei zerschnitt der herbe Liebesschmerz mein nur zu leicht verwundbar Herz ! Und ich sprach : » Lenk ' auf mich die holden Blicke , jungfräulichen Morgenschein , und als Braut und Bräut ' gam wandeln Murr und Miesmies selig heim . « Also sprach ich , freud ' ger Kater , hoffend auf des Sieges Preis . - Armer ! Mit verhüllten Augen floh sie , scheue Katz ' , dachein ! - So geriet ich Bedauernswürdiger immer mehr und mehr in Liebe , die ein feindlicher Stern mir zum Verderben in meiner Brust entzündet zu haben schien . Wütend , mich auflehnend gegen mein Schicksal , fiel ich aufs neue her über den Ovid und las die Verse : » Exige , quod cantet , si qua est sine voce puella , Non didicit chordas tangere , posce lyram . « » Ha , « rief ich , » zu ihr hinauf aufs Dach ! - Ha , ich werde sie wiederfinden , die süße Huldin , da , wo ich sie zum erstenmal erblickte , aber singen soll sie , ja singen , und bringt sie nur eine einzige falsche Note heraus , dann ist ' s vorbei , dann bin ich geheilt , gerettet . « Der Himmel war heiter , und der Mond , bei dem ich der holden Miesmies Liebe zugeschworen , schien wirklich , als ich auf das Dach stieg , um sie zu erlauern . Lange gewahrte ich sie nicht , und meine Seufzer wurden laute Liebesklagen . Ich stimmte endlich ein Liedlein an im wehmütigsten Ton , ungefähr folgendermaßen : » Rauschende Wälder , flüsternde Quellen , Strömender Ahnung spielende Wellen , Mit mir o klaget ! Saget , o saget ! Miesmies , die Holde , wo ist sie gegangen , Jüngling in Liebe , Jüngling , wo hat er Miesmies , die süße Huldin , umfangen ? Tröstet den Bangen . Tröstet den gramverwilderten Kater ! Mondschein , o Mondschein , Sag ' mir , wo thront mein Artiges Kindlein , liebliches Wesen ! Wütender Schmerz kann niemals genesen ! Trostloser Liebender kluger Berater , Eil ' ihn zu retten Von Liebesketten , Hilf ihm , o hilf dem verzweifelnden Kater . « Seht ein , geliebter Leser , daß ein wackerer Dichter weder sich im rauschenden Walde befinden , noch an einer flüsternden Quelle sitzen darf , ihm strömen der Ahnung spielende Wellen doch zu , und in diesen Wellen erschaut er doch alles , was er will , und kann davon singen , wie er will . Sollte jemand über die hohe Vortrefflichkeit obiger Verse zu sehr in Erstaunen geraten , so will ich bescheiden ihn darauf aufmerksam machen , daß ich mich in der Ekstase befand , in verliebter Begeisterung , und nun weiß jeder , daß jedem , der von dem Liebesfieber ergriffen , konnt ' er auch sonst kaum Wonne auf Sonne und Triebe auf Liebe reimen , konnt ' er , sag ' ich , auf diese nicht ganz ungewöhnlichen Reime trotz aller Anstrengung sich durchaus nicht besinnen , plötzlich das Dichten ankommt und er die vortrefflichsten Verse heraussprudeln muß , wie einer , der vom Schnupfen befallen , unwiderstehlich ausbricht in schreckliches Niesen . Wir haben dieser Ekstase prosaischer Naturen schon viel Vortreffliches zu verdanken , und schön ist es , daß oft dadurch menschliche Miesmiese von nicht sonderlicher Beauté auf einige Zeit einen herrlichen Ruf erhielten . Geschieht das nun am dürren Holz , was muß sich am grünen begeben ? - Ich meine , werden schon hündische Prosaiker bloß durch die Liebe umgesetzt in Dichter , was muß erst wirklichen Dichtern geschehen in diesem Stadium des Lebens ? - Nun ! weder im rauschenden Walde saß ich , noch an flüsternder Quelle , ich saß auf einem kahlen hohen Dache , das bißchen Mondschein war kaum zu rechnen , und doch flehte ich in jenen meisterhaften Versen Wälder und Quellen und Wellen und zuletzt meinen Freund Ovid an , mir zu helfen , mir beizustehen in der Liebesnot . Etwas schwer wurde es mir , Reime zu den Namen meines Geschlechts zu finden , den gewöhnlichen , Vater , wußte ich selbst in der Begeisterung nicht anzubringen . Daß ich aber wirklich Reime fand , bewies mir aufs neue den Vorzug meines Geschlechts vor dem menschlichen , da auf das Wort Mensch sich bekanntlich nichts reimt , weshalb , wie schon irgendein Witzbold von Theaterdichter bemerkt hat , der Mensch ein ungereimtes Tier ist . Ich bin dagegen ein gereimtes . - Nicht vergebens hatte ich die Töne der schmerzhaften Sehnsucht angeschlagen , nicht vergebens Wälder , Quellen , den Mondschein beschworen , mir die Dame meiner Gedanken zuzuführen , hinter dem Schornstein kam die Holde daherspaziert mit leichten anmutigen Schritten . » Bist du es , lieber Murr , der so schön singt ? « So rief mir Miesmies entgegen . » Wie , « erwiderte ich mit freudigem Erstaunen , » wie , du kennst mich , süßes Wesen ? « - » Ach , « sprach sie , » ach , ja wohl , du gefielst mir gleich beim ersten Blick , und es hat mir in der Seele weh getan , daß meine beiden unartigen Vettern dich so unbarmherzig in die Gosse « - » Schweigen wir , « unterbrach ich sie , »