dem Winde , der sich nach und nach zu erheben anfing , diese sonderbaren Worte des Verliebten . Fahrende Blitze erhellten inzwischen von Zeit zu Zeit die Gegend , und ihr Schein fiel auf die Gesichter der beiden Jäger . Sie waren gar lieblich anzusehen , schienen beide noch Knaben . Der eine hatte ein silbernes Horn an der Seite hängen . Leontin sagte , er solle eins blasen ; er versicherte aber , daß er es nicht könne . Leontin lachte ihn aus , was sie für Jäger wären , nahm das Horn und blies sehr geschickt ein altes , schönes Lied . Der eine gesprächige Jäger sagte , es fiele ihm dabei eben ein Lied ein , und sang zu den beiden Grafen mit einer angenehmen Stimme : » Wir sind so tief betrübt , wenn wir auch scherzen , Die armen Menschen mühn sich ab und reisen , Die Welt zieht ernst und streng in ihren Gleisen , Ein feuchter Wind verlöscht die lust ' gen Kerzen . - Du hast so schöne Worte tief im Herzen , Du weißt so wunderbare alte Weisen , Und wie die Stern am Firmamente kreisen , Ziehn durch die Brust dir ewig Lust und Schmerzen . So laß dein Stimme hell im Wald erscheinen ! Das Waldhorn fromm wird auf und nieder wehen , Die Wasser gehn , und Rehe einsam weiden . Wir wollen stille sitzen und nicht weinen , Wir wollen in den Rhein hinuntersehen , Und , wird es finster auf der Welt , nicht scheiden . « Kaum hatte er die letzten Worte ausgesungen , als Erwin , der durch den Gesang aufgewacht war und bei einem langen Blitze das Gesicht des andern stillen Jägers plötzlich dicht vor sich erblickte , mit einem lauten Schrei aufsprang und sich in demselben Augenblicke über den Kahn in den Rhein stürzte . Die beiden Jäger schrieen entsetzlich , der Knabe aber schwamm wie ein Fisch durch den Strom und war schnell hinter dem Gesträuch am Ufer verschwunden . Leontin lenkte sogleich ihm nach ans Ufer und alle eilten verwundert und bestürzt ans Land . Sie fanden sein Tuch zerrissen an den Sträuchern hängen ; es war fast unbegreiflich , wie er durch dieses Dickicht sich hindurchgearbeitet . Friedrich und Leontin begaben sich in verschiedenen Richtungen ins Gebirge , sie durchkletterten alle Felsen und Schluchten und riefen nach allen Seiten hin . Aber alles blieb nächtlich still , nur der Wald rauschte einförmig fort . Nach langem Suchen kamen sie endlich müde beide wieder auf der Höhe über ihrem Landungsplatze zusammen . Der Kahn stand noch am Ufer , die beiden Jäger aber unten waren verschwunden . Der Rhein rauschte prächtig funkelnd in der Morgensonne zwischen den Bergen hin . Erwin kehrte nicht mehr zurück . Sechszehntes Kapitel Die heftige Romana liebte Friedrich vom ersten Blicke an mit der ihr eigentümlichen Gewalt . Seitdem er aber in jener Nacht auf dem Schlosse von ihr fortgeritten , als sie bemerkte , wie ihre Schönheit , ihre vielseitigen Talente , die ganze Phantasterei ihres künstlich gesteigerten Lebens alle Bedeutung verlor und zuschanden wurde an seiner höhern Ruhe , da fühlte sie zum ersten Male die entsetzliche Lücke in ihrem Leben , und daß alle Talente Tugenden werden müssen oder nichts sind , und Schauderte vor der Lügenhaftigkeit ihres ganzen Wesens . Friedrichs Verachtung war ihr durchaus unerträglich , obgleich sie sonst die Männer verachtete . Da raffte sie sich innerlichst zusammen , zerriß alle ihre alten Verbindungen und begab sich in die Einsamkeit ihres Schlosses . Daher ihr plötzliches Verschwinden aus der Residenz . Sie mochte sich nicht stückweise bessern , ein ganz neues Leben der Wahrheit wollte sie anfangen . Vor allem bestrebte sie sich mit ehrlichem Eifer , den schönen , verwilderten Knaben , den wir dort kennengelernt , zu Gott zurückzuführen , und er übertraf mit seiner Kraft eines unabgenützten Gemütes gar bald seine Lehrerin . Sie knüpfte Bekanntschaften an mit einigen häuslichen Frauen der Nachbarschaft , die sie sonst unsäglich verachtet , und mußte beschämt vor mancher Trefflichkeit stehen , von der sie sich ehedem nichts träumen ließ . Die Fenster und Türen ihres Schlosses , die sonst Tag und Nacht offenstanden , wurden nun geschlossen , sie wirkte still und fleißig nach allen Seiten und führte eine strenge Hauszucht . Friedrich sollte ihretwegen von alledem nichts wissen , das war ihr , wie sie meinte , einerlei . - Es war ihr redlicher Ernst , anders zu werden , und noch nie hatte sich ihre Seele so rein triumphierend und frei gefühlt , als in dieser Zeit . Aber es war auch nur ein Rausch , obgleich der schönste in ihrem Leben . Es gibt nichts Erbarmungswürdigeres , als ein reiches , verwildertes Gemüt , das in verzweifelter Erinnerung an seine ursprüngliche , alte Güte , sich lüderlich an dem Besten und Schlechtesten berauscht , um nur jenes Andenken loszuwerden , bis es , so ausgehöhlt , zugrunde geht . Wenn uns der Wandel tugendhafter Frauen wie die Sonne erscheint , die in gleich verbreiteter Klarheit , still und erwärmend , täglich die vorgeschriebenen Kreise beschreibt , so möchten wir dagegen Romanas rasches Leben einer Rakete vergleichen , die sich mit schimmerndem Geprassel zum Himmel aufreißt und oben unter dem Beifallsklatschen der staunenden Menge in tausend funkelnde Sterne ohne Licht und Wärme prächtig zerplatzt . Sie hatte die Einfalt , diese Grundkraft aller Tugend , leichtsinnig verspielt ; sie kannte gleichsam alle Schliche und Kniffe der Besserung . Sie mochte sich stellen , wie sie wollte , sie konnte , gleich einem Somnambulisten , ihre ganze Bekehrungsgeschichte wie ein wohlgeschriebenes Gedicht , Vers vor Vers , inwendig vorauslesen , und der Teufel saß gegenüber und lachte ihr dabei immerfort ins Gesicht . In solcher Seelenangst dichtete sie oft die herrlichsten Sachen , aber mitten im Schreiben fiel es ihr ein , wie doch alles eigentlich nicht wahr sei - wenn sie betete , kreuzten ihr häufig unkeusche