wir leider schon öfters durch falsche Siegeshoffnungen waren getäuscht worden . Desto größer war die Freude , als heute mit anbrechendem Tage , vom kaiserlichen Palaste aus , wohin der Tribun , der die Nachricht gebracht , vorläufige Botschaft gesandt hatte , sich die frohe Bestätigung durch die ganze Stadt verbreitete . Der Tribun bekam Befehl , öffentlich in die Stadt einzuziehen . Die Strassen waren mit einer unzählbaren Menschenmenge bedeckt , deren dumpfes Geräusch , wie des fernen Meeres , und ihr Hin- und Herfluthen mich ergötzte . Ich war auf die Terrasse über unserm Hause gegangen , wo ich jetzt schreibe , und sah dem Schauspiel vergnügt , aber ohne besondre Theilnahme zu . Auf einmal verkündigte ein lebhaftes Geschrei und Jauchzen , der Schall kriegerischer Instrumente und die heftigere Bewegung der Menschenmasse die Annäherung des Siegesboten . Alles schrie : Es lebe Diocletian ! Es lebe Galerius ! Es war ein Freudentumult , der auch mich unwillkührlich ergriff , mein Herz schneller schlagen , und Thränen der Freude in meinen Augen schwellen machte - es war mir , als sollte ich mitrufen : Es lebe der Kaiser ! So ansteckend ist das Entzücken . Jetzt kam der Zug . Voraus ritt eine Schaar ganz gewaffneter und prächtig geschmückter Krieger , hinter ihnen , von Offizieren umgeben , der Tribun im Schmucke seines Ranges . Ich hatte schon vorher von meinen Sclavinnen gehört , daß er sich bei der Schlacht sehr ausgezeichnet , und von seiner Cohorte auf dem Schlachtfelde zum Tribun erwählt worden war ; dies machte mich aufmerksamer auf ihn . Es war eine schlanke Gestalt , die sich mit Anstand gegen die grüßende Menge verneigte , aber je näher er kam , je sonderbarer ward mir zu Muthe - ich glaubte bekannte Züge zu entdecken , und - stelle dir meine Ueberraschung , meine Freude vor - es war wirklich Agathokles . Als er an unser Haus kam , sah er sogleich empor . So einnehmend , so froh hatte ich ihn nie gesehen . Sein Gesicht glühte , seine Augen leuchteten vom freudigen Stolze , und doch war eine bescheidne Haltung in seinem Wesen , die den schimmernden Eindruck lieblich mäßigte . Er grüßte mich sehr freundlich , ich beantwortete seinen Gruß mit so viel Achtung und theilnehmender Freude , als sich nur in einen Gruß legen läßt , und ergötzte mich an dem Umsehen , Emporblicken und Flistern der Menge , die dieses Zeichen meiner genauern Bekanntschaft mit dem Helden des Tages aufmerksam gemacht hatte . Nach einer Stunde kam mein Vater vom Augustus zurück , auch er war erfreut über die Auszeichnung , die seinen Gastfreund ehrte . Er rühmte den gütigen Empfang des Augustus , Agathokles bescheidnes kluges Betragen , und kündigte ihn mir als Gast zur Tafel an . Wie ein Blitzstrahl fuhr mir der Gedanke durch den Kopf , den heutigen Tag und Agathokles wohlverdienten Ruhm durch ein kleines Fest zu feiern . Gedacht - gethan ! Ich ließ meine Mädchen , und die jüngsten Sclaven meines Vaters rufen , ich unterrichtete sie , so gut sich in der Eile thun ließ ; unser großer Gartensaal ward zum Schauplatze eingerichtet , und Alles recht hübsch geordnet . Noch vor der Essenszeit zog mich ein Geräusch an ' s Fenster - er war es . Ohne den Prunk , der ihn zuvor umgeben hatte , zu Fuß , nur von einem Sclaven begleitet , kam er auf unser Haus zu ; aber das Volk lief ihm nach , und begleitete ihn mit Freudensbezeigungen bis beinahe in ' s Atrium . Hier empfingen ihn mein Vater , mein Bruder und ich mit einer herzlichen Freude , in die sich - unwillkührlich etwas Feierliches mischte . Er gab sich , in dem frohen Gefühle , unserer Freundschaft hin ; er war heiter , gesprächig , sogar munter . O wie liebenswürdig , wie gefährlich könnte der Mann seyn , wenn er immer so heiter wäre ! Nun , zum Glücke für uns arme leichtsinnige Geschöpfe , die nicht so glücklich sind , Larissen zu seyn , kömmt er nicht alle Tage als Siegesbote , und so ist auch keine Gefahr , daß er alle Tage so liebenswürdig seyn wird . Nach dem Essen entschlüpfte ich unbemerkt , und nachdem Alles veranstaltet war , ließ ich meinen Vater und ihn in den Gartensaal rufen . Auch für meinen Vater war mein kleines Fest eine Ueberraschung , um desto besser gelang es , und ich glaube , daß alle Parteien gleich vergnügt auseinander gingen . Als ich zu Agathokles trat , ihm den Kranz aufzusetzen , sah ich ihn unwillkührlich zurücktreten , und eine brennende Röthe überflog sein Gesicht . Er hielt meine Hand zurück , aber ich ließ mich nicht stören , und während meine Mädchen sich in lieblichen Stellungen schwebend und tanzend um ihn gruppirten , wand ich ihm das Siegeszeichen in die Locken . So stand er bekränzt und betroffen vor mir , und dankte mir mit einem Blicke und Ton , der mir meine kleine Mühe so vergalt , wie ich sie vergolten zu haben wünschte , und - zeihe mich immer heimlicher Listen und Absichten - durch mein Fest vergolten haben wollte . Wir gingen in den Garten , mein Vater wurde abgerufen , ich blieb allein mit Agathokles . Er war nicht ohne Verlegenheit , das sah ich - es freute mich , und erhielt mir meine ganze Unbefangenheit . Das muß seyn , wenn ich nicht auf der Stelle den erhaltenen Gewinn verlieren , und wieder auf dem Platze mit ihm stehen will , auf dem ich vor seiner Ankunft stand . Er muß zu denken , auszulegen , zu enträthseln haben , wenn ich meine Absicht erreichen will , nicht ich - wir müssen Rollen tauschen . Unsere Unterhaltung war eine Weile einsylbig , dann aber desto lebhafter , und obwohl sie beständig in den Schranken zwangloser Freundschaft blieb , war ich doch ganz wohl mit