auftun würde . Er übergoß den Virtuosen , in der Hoffnung , ihn zu überraschen , mit einem Frühlingsregen von wohlriechenden Wassern des Lobs auf die Flöte . Allein fahrende Ton-Meister , die man stets laut beklatscht , und nur hinter ihrem Rücken auspfeift , sind fast noch eitler als Schauspieler , welche doch zuweilen eine gute Monatsschrift kneipt und ärgert . » Ich darf mich « , versetzte Vult , » wohl , ohne die Bescheidenheit zu verletzen , einiger Bescheidenheit rühmen . Aber wie hörtest du ? Voraus und zurück , oder nur so vor dich hin ? Das Volk hört wie das Vieh nur Gegenwart , nicht die beiden Polar-Zeiten , nur musikalische Silben , keine Syntax . Ein guter Hörer des Worts prägt sich den Vordersatz eines musikalischen Perioden ein , um den Nachsatz schön zu fassen . « Der Notar erklärte sich darüber ganz vergnügt ; er teilte dem Flautisten die gewaltige Verstärkung des Eindrucks mit , die er selber der Flöte durch die Szenen-Träume , durch die Mädchen und durch Wina zugeschickt , ohne zu erraten , daß Vultens ganzes Gesicht an diesem Lorbeer verzogen käue , weil er den Unmut seinem mangelhaften Streckvers zuschrieb , worin der Virtuose las . Dieser hatte das Gedicht in der Hoffnung aufgenommen , es lobe keine andern Schönheiten als musikalische . » Es ist « , sagte der Notar stockend , » an die Braut des Grafen ; ich bin auch nicht zufrieden mit manchem harten Fuß darin , ich meine den Ditrochäus ( - - ) , den dritten Päon ( - ) und den Jonikus mit dem langen Anfang ( - - ) aber im Feuer wird man leicht hart . « - » Wie Prügel z.B. und Eier « , sagte Vult . » Aber , o Gott , wie hören deine Menschen ! Sollte man nicht lieber seine Flöte zum Blasrohr oder zur Kinder-Klistierspritze ansetzen oder zu Hobelspänen für einen Sarg verschneiden , wenn man so die gräßliche Bespritzung des einzigen Himmlischen erfährt , das noch über die Lebens-Spießbürgerei oben vorüberfliegt ? - Ich ziele nicht auf dich , Notar ; aber du bringst mich darauf . Denn wie besonders Musik entheiligt wird - obgleich jede Kunst überhaupt - das höre ! Tafelmusik lass ' ich noch gelten , weil sie so schlecht ist wie Tafelpredigten , die man in Klöstern ins Käuen hinein hält ; von verfluchten , verruchten Hofkonzerten , wo der heilige Ton wie ein Billardsack am Spieltische zum Spielen spielen und klingeln muß , red ' ich gar nicht vor Grimm , da ein Ball in einem Bilderkabinett nicht toller wäre ; aber das ist Jammer , daß ich in Konzertsälen , wo doch jeder bezahlt , mit solchem Rechte erwarte , er werde für sein Geld etwas empfinden wollen ; allein ganz umsonst . Sondern damit das Klingen aufhöre ein paarmal und endlich ganz , - deswegen geht der Narr hinein . Hebt noch etwas den Spießbürger empor am Ohr , so ists zwei- , höchstens dreierlei : 1. wenn aus einem halbtoten Pianissimo plötzlich ein Fortissimo wie ein Rebhuhn aufknattert , 2. wenn einer , besonders mit dem Geigenbogen , auf dem höchsten Seile der höchsten Töne lange tanzt und rutscht und nun kopfunter in die tiefsten herunterklatscht , 3. wenn gar beides vorfällt . In solchen Punkten ist der Bürger seiner nicht mehr mächtig , sondern schwitzt vor Lob . Freilich bleiben Herzen übrig , Walt , die delikater fühlen und eigennütziger . Ich habe aber Stunden , wo ich aufbrausen kann gegen ein paar verliebte Bälge , die , wenn sie etwas Hohes in der Poesie oder Musik oder Natur vorbekommen , sofort glauben , das sei ihnen so recht auf den Leib gemacht , an ihren flüchtigen Erbärmlichkeiten , die ihnen selber nach einem Jahr bei noch größerer als solche erscheinen , habe der Künstler sein Maß genommen und komme mit dem gestickten Krönungsmantel und Isisschleier auf dem Ärmel zurück , für die Kunden . Ein Associé von Neupeter sieht bei solcher Gelegenheit nachts gen Himmel an die Milchstraße und sagt zur Kauffrau : Edle , so empfange jenen Kreis als einen schlechten Ring von mir zum Zeichen und Braut-Gürtel unseres himmlischen Bunds . « » Ei , Bruder « , sagte Walt , » du bist so hart : was kann denn ein Mensch für eine Empfindung oder gegen sie , es sei in der Kunst oder großen Natur ? - Und wo wohnen denn beide , so groß sie auch sind , als nur in einzelnen Menschen ? - Wohl mag er sie sich daher zueignen , als wären sie für ihn allein . Die Sonne geht vor Schlachtfeldern voll Helden - vor dem Garten der Brautleute - vor dem Bette eines Sterbenden zugleich auf , ja in derselben Minute vor andern unter ; und doch darf jeder nach ihr sehen und sie an sich heranziehen , als beleuchte sie seine Bühne nur allein und stimme ein in sein Leid oder in seine Lust ; und ich möchte sagen , gerade so wie man Gott so anruft als den seinigen , indes doch ein Weltall vor ihm betet . Ach sonst wär ' es ja schlimm , wir sind ja alle einzelne . « » Gut , so nehmt die Sonne hin « , sagte Vult , » aber nur der Paradiesesfluß der Kunst treib ' eure Mühlen nicht . Darfst du Tränen und Stimmungen in die Musik einmengen : so ist sie nur die Dienerin derselben , nicht ihre Schöpferin . Eine elende Pfeiferei , die dich am Todestage eines geliebten Menschen aus den Angeln höbe , wäre dann eine gute . Und was wäre das für ein Kunst-Eindruck , der wie die Nesselsucht sogleich verschwindet , sobald man in die kalte Luft wieder kommt ? Die Musik ist unter allen Künsten die rein-menschlichste , die allgemeinste . « - - » Desto mehr Besonderes geht hinein « , versetzte Walt