haßte , sorgsamlichst die Bürste gebracht . Der schwarze Frack , den er trug , war etwas eng geworden , die Weste von verschossenem gelben Piqué ; sie hatte früher dem Justizrath Schlurck gehört , von dem er überhaupt , seiner Stellung zu ihm gemäß , die abgelegten Kleider trug . Seine Handschuhe waren von weißem , frischgewaschenem Baumwollengespinnst . Da es draußen empfindliche Novemberkälte gab , so fror ihn in seinem leichten Staatsanzuge . Glücklicherweise fand sich ein Ofen . Er setzte sich an die ausströmende Wärme desselben , gerade einem Spiegel gegenüber , in dem sich wiederfindend Hackert vor sich her brummte : Gerade wie ein Junge , der eingesegnet wird und das erste Mal das Abendmahl nimmt ! Wenn die Dame , die mich sprechen will , noch hübsch ist , so fürcht ' ich , hält sie mich meines Hemdkragens wegen für einen unschuldigen Jüngling und wird roth statt meiner . Wenn ich den Hemdkragen aufstellte ! So ! Jetzt das schwarze Tuch breiter gelegt - Ha ! Nun hab ' ich das Ansehen eines jungen Engländers aus einer Pension ! Hackert , Hackert ! Du hältst dich für schön und die Sorgfalt deiner Toilette wird sich rächen ! Es währte geraume Zeit , ehe die Stille um ihn her durch irgend etwas Bemerkenswerthes unterbrochen wurde . Er hörte zuweilen einen Wagen rollen , zuweilen die Hausthür gehen und Etwas die große Treppe , wie er sagte , heraufknackern . Im Übrigen war es still . Die zurückgelegte Gardine zeigte den Hof und einen Blick in den kahlen , winterlichen Garten . Er sah Remisen , einen Stall und fand es in der Ordnung , daß in dieser Einsamkeit auch einige gewaltige Hunde klafften . Bei Alledem , sagte er sich , bin ich begierig , was man von mir will . Ich wette , es ist ein silberner Löffel gestohlen worden und die Herrschaft hier will , daß ich mit Klugheit entdecke , welcher von den Bedienten der Thäter ist . Der impertinente Schlingel , der mir hier nichts als ein Wachslicht vorsetzte , ahnt vielleicht sein Schicksal nicht . In diesem Augenblick hörte er nebenan , in einem Zimmer , das gleichfalls nach dem Hofe hinausging und allerdings hintertreppenartig genug aussah , einige Worte , die ungefähr so lauteten : Wohin , wohin , werthester Herr Justizrath ? Lassen Sie mich , Beste ! Ich kenne diese kleine Retraite - Bleiben Sie in dem türkischen Zelt ! Spielen Sie , Justizrath ? Danke ! Danke ! Ich warte hier , bis Se . Durchlaucht kommen . Ein paar Worte mit ihm , dann ist mein Geschäft abgemacht . Wie Sie wollen , Justizrath ! Ich schicke Ihnen den Thee hier herein ! Aber , Himmel ! Sie sind ein Einsiedler geworden , menschenscheu so zu sagen ! Was ist Das nur ? Die Stimme , die diese Worte sprach , gehörte irgend einer alten in ihrem Organe verwahrlosten Frau . Sie war krächzend und unmelodisch . Hackert kannte sie nicht . Aber Schlurck ' s Stimme war ihm sogleich gegenwärtig . Es erregte ihn nicht wenig , dem Manne wieder nahe zu sein , den er eine so lange , glückliche Jugendzeit hindurch gewohnt war wie seinen Vater zu betrachten und der ihn erst dann in Überwallung des Zornes aus dem Hause entfernte , als er sich ihm gegenüber rühmte , daß eine Jugendliebe nicht ohne Erwiderung geblieben war . Es wurde Alles still nebenan . In den vordern Zimmern , die zur Allee hinausgingen , merkte man die belebte Gesellschaft , der der Justizrath offenbar entfliehen wollte . Nebenan nur hustete und räusperte sich zuweilen derselbe Mann , der nicht ahnen mochte , daß ihm sein ehemaliger Pflegesohn , der Schreiber Fritz Hackert , so nahe war . Hackert konnte dem Reize , sich dem Justizrathe bemerkbar zu machen , auf die Länge nicht widerstehen . Er fing gleichfalls an zu husten und trällerte leise . Er glaubte jetzt damit Eindruck machen zu können , daß man ihn in ein so vornehmes Haus beschieden hatte und stand , da der Justizrath ganz allein zu sein schien , mehrmals auf dem Sprunge , zu ihm einzutreten . Nur der Gedanke , daß jeden Augenblick nun doch wol die Dame kommen konnte , die ihn zu sprechen verlangt hatte , hinderte ihn an der Ausführung . Endlich als diese sogenannte Madame Ludmer in ihrer Rücksichtslosigkeit auch zu weit ging und immer noch nicht kam und zuletzt gar Kuchen und Wein mit der Bitte schickte , nicht ungeduldig zu werden , faßte er sich ein Herz und entschloß sich , den Justizrath zu überraschen und wär ' es auch nur , daß er so thäte , als hätte er sich in den Zimmern geirrt und gleich wieder zurückprallte ... Er öffnete die Thür . Ein Lichtstrahl fiel ihm entgegen aus einem bunten Gemache , das ohne Zweifel jenes obengenannte türkische Zelt war . Zwischen seinem Zimmer und jenem geöffneten Zelte lag noch ein einfenstriger Verbindungsraum , unerhellt . Ein Sopha stand hier gegen die Wand so gestellt , daß Hackert den darauf Sitzenden zwar bemerken , aber auch thun konnte , als säh ' er ihn nicht , während er selbst halb unbemerkt blieb . Schlurck blieb ruhig sitzen . Er glaubte , ein Bedienter sähe nach dem türkischen Zelte und ließ Hackerten ruhig gewähren , der auf den Zehen nach vorne schlich und dem lauten Gespräch der vorderen Säle folgen zu wollen schien . Ein Seitenblick zeigte ihm Schlurck ' s Perrücke , seine goldne Brille , seinen blauen Frack mit den gelben Knöpfen . Hackert ging so weit vorwärts , daß er schon im türkischen Zelte stand und sich grell genug in der Beleuchtung desselben , von dem kleinen Zimmer aus gesehen , abschnitt . Nun richtete Schlurck doch den Kopf empor , erkannte Hackert und von dem Gedanken ergriffen , der böse Dämon wage sich in diese Zimmer , um Melanie zu beunruhigen