ihm sagen , daß ich gegen seine Interessen auftreten würde . Er lächelte mit Bitterkeit . Ich finde diesen Freund gereizt über meine politische Entwickelung , von Louis nicht zu reden , den ich sogar warnen muß , sich von signalisirten Persönlichkeiten fern zu halten . Glauben Sie mir , Pauline , ich bedarf meiner ganzen gesammelten Kraft , um den Rücksichten nach allen Seiten hin nicht zu erliegen . Diese Freunde , die ich liebgewann , weichen in ihren Meinungen von mir ab . Sie verstehen eine Position nicht , die ihre bestimmten Pflichten hat . Mit einer so nachgiebigen Natur wie Siegbert Wildungen würd ' ich mich verständigen . Mit Dankmar , seinem Bruder , nie . Ich bot ihm eine Stellung in meinem Kabinet . Er hat sie ausgeschlagen und mir aufrichtig , weil ich ihn um Aufrichtigkeit bat , die Misbilligung meines ganzen Systems ausgesprochen . Ich habe ihm nur mit einem Seufzer antworten können und ihn vielleicht für immer entlassen . Louis vollends ist ein Schwärmer . Er muß nach Frankreich zurück . Die Erinnerungen , die sich an ihn knüpfen , hemmen meine Bahn und Gott ist mein Zeuge , ich will etwas Fruchtbringendes , Festes , Großes , mag ich nun mit meinem Werke stehen oder selber mit seinen Trümmern fallen . Eben hatte Egon diese mit feierlichem Ernst und mit dem ganzen Nachdruck eines sich selbst vertrauenden starken Willens gesprochenen Worte beendet , als es draußen an der Thür rauschte , raschelte , klopfte . Herein ! rief Pauline , die schon merkte , wer die » Fledermaus « war ... Es war Melanie , die muthwillig hereinsprang und mit einer Neckerei den jungen Fürsten begrüßte . Ist es erlaubt , sagte sie , ihre sich bauschenden Kleider hinterwärts zurückstreifend , die schöne Frau von Spitz so lange warten zu lassen , bis Durchlaucht die Staatsgeschäfte in ihren blauen Augen vergessen ? In braunen Augen nur vergess ' ich meine Pflichten , Melanie ! erwiderte Egon und wollte die schlanke Hüfte umfassen und das schöne Mädchen an sich ziehen . Himmel ! sagte Melanie . Da fällt ein durchlauchtigstes Haar auf meine Schulter . Helfen Sie mir es suchen , Geheimräthin ! Ich sammle diesen Herbst , um der Gräfin Wachendorf einen geheimen Brochenschmuck daraus flechten zu lassen . Melanie ! seufzte Egon . Spotten Sie nicht über einen Menschen , der seit drei Wochen täglich nur fünf Stunden geschlafen hat ! Aber nicht Opium nimmt ! Hören Sie , Prinz ! Man erzählt Das ! Um Gotteswillen nicht ! Melanie sprach diese Bitte mit wirklicher Theilnahme und ging auf Egon , dem sie entflohen war , freundlich zu . Wie bemitleid ' ich Sie ! sagte sie fast traulich zu ihm . Wär ' ich so jung und schön , wie Sie ! warf Pauline dazwischen und hielt ihre Hand fest , so würd ' ich Mitleiden mit diesen umflorten müden Augenlidern haben und sie küssen . Ein solches Wort konnte nur möglich sein bei einer schon weitgediehenen Vertraulichkeit . Wenn Sie die Augen schließen wollen ! sagte Melanie , berühr ' ich sie mit meinen Handschuhen . Ich hörte immer , das Handschuhleder der Frauen magnetisirt . Egon schloß die Augen . Melanie näherte sich leise und hauchte die Lider mit ihrem Athem an . Egon merkte die Nähe des schönen Mundes . Er wollte Melanie im trunknen Taumel haschen , aber sie entfloh ihm . Er ergriff seinen Hut um sie zu verfolgen . So huschten Beide fort und erst auf der Emporstiege nahmen sie einen gemessenen , vernünftigen Schritt ... Pauline aber machte etwas Toilette . Sie gestand sich , daß sie ein großes Glück genoß . Ein junger , liebenswürdiger , von aller Welt bewunderter Mann war ihr seit der Entdeckung , daß er nicht den Fürsten Waldemar von Hohenberg , sondern einen Unbekannten , Namens Heinrich Rodewald , zum wahren Vater hatte , zugethan wie ein Sohn , zuweilen wie ein Gefangener . Sie schloß ihn wirklich in ihr Herz , das jener enthusiastischen Einseitigkeit , die man nach Rudhard ' s Theorie Liebe nennt , im höchsten Grade fähig war . Sie schloß ihn da mit aller Vorliebe um so inniger ein , als sie , wie wir gesehen haben , fast spielend , wie im Scherz durch Egon über die wichtigsten Ereignisse des Staates in Kenntniß gesetzt wurde und sich endlich in jenem Zusammenhange mit ihrer Epoche fühlte , den sie so lange vergebens erstrebt hatte . Es war ein hoher triumphirender Stolz , mit dem sie ihre Gemächer verließ , um hinaufzusteigen in ihre wie es schien heute mehr als je gefüllten , jetzt gegen früher sehr veränderten Salons , die wir diesmal nur vom Standpunkte eines nur mittelbar zu ihnen Eingeladenen von der Hintertreppe aus belauschen wollen ... Ein Theil der Gesellschaft war schon versammelt , als Fritz Hackert , der an ihn ergangenen Aufforderung gemäß , sich in dem Hotel der Geheimräthin von Harder einstellte ... Schon hielten einige Wagen vor der Thür . Er erkannte die Livree des Fürsten und einiger andrer vornehmen Besucher , die einstweilen von der Ludmer empfangen wurden ... Als er eine Hintertreppe emporgestiegen und in einen mit Decken belegten und von Glaskugeln mit milchweißem Lichte erleuchteten Korridor getreten war , gab man ihm den Bescheid , daß er erwartet würde , sich aber einige Zeit gedulden müsse , bis Madame Ludmer zu sprechen wäre . Man wies ihn in derselben Etage , wo die Gesellschaft sich versammelte , in ein hinteres Zimmer und stellte ihm ein Wachslicht hin mit dem Ersuchen , sich die Zeit nicht lang werden zu lassen . Es kommt überhaupt darauf an , sagte er zu dem Bedienten ziemlich vorwitzig , ob ich Zeit habe . Der Bediente beobachtete den Anzug des kühnen Sprechers . Hackert hatte eine gewähltere Toilette gemacht und einmal an sein struppiges Haar , dem er keine Sorgfalt widmen mochte , weil er es der Farbe wegen