Burggrafen ein Glück war und daß der Sieg der adligen Opposition ein Unglück gewesen wäre . Dies Zugeständnis kann aber die Rechtsfrage nicht tangieren . Es war das gute Recht des Adels , von einem neuen Verweser und Pfandinhaber nicht viel wissen zu wollen . Die voraufgegangenen Erfahrungen berechtigten dazu . Sollten in unserer und aller Geschichte nur immer die gelten , die zu jeder Anordnung oder jedem offiziellen Geschehnis Ja und Amen sagen oder gesagt haben , so würden wir so ziemlich alle Namen streichen müssen , bei deren Nennung uns das Herz höher schlägt . Daß der Burggraf siegte , muß , wie wir nur wiederholen können , als ein unendlicher Segen für Land und Volk angesehen werden , daß man ihm aber damals Opposition machte , war verzeihlich , vielleicht gerechtfertigt . Und diese Frage richtigzustellen , wäre denn auch sicherlich längst geglückt , wenn nicht – und damit gehen wir zu dem zweiten Punkt über – die durch mehr als vier Jahrhunderte hin etablierte Gegnerschaft zwischen märkischem Adel und märkischem Bürgertum , diesem alten Anti-Quitzowgefühl immer wieder neue Nahrung zugeführt und dies Gefühl dadurch immer aufs neue belebt hätte . Ob unser Bürgertum dabei regelmäßig im Recht und unser im schlimmsten Fall ein gewisses Überlegenheitsgefühl herauskehrender Adel immer im Unrecht gewesen ist , ist mir zweifelhaft , aber desto zweifelloser ist es mir , daß der märkische Bürgerliche seiner märkischen Adelsantipathie durchaus Herr werden muß , wenn er vorhat , märkische Geschichte zu schreiben . Dies ist aber unserem Riedel nicht gelungen . Ein sein Urteil schädigendes bürgerliches Parteigefühl , das durch Verbeugungen gegen die Hohenzollern und ein unausgesetztes auf ihre Seite treten , 15 an Freiblick nicht gewinnt , durchdringt seine ganze Darstellung und macht ihn trotz wundervoller Einzelkenntnis der von ihm beschriebenen Zeit unfähig , diese Zeit von einem höheren Standpunkt aus zu betrachten . Er übersieht , auf Prinzip und Politik hin angesehen , daß alles , was da mals einen vornehmen Namen und ein gesellschaftliches und moralisches Ansehen in der Mark Brandenburg hatte , den Standpunkt der Quitzows teilte , was doch , wenn er nicht gewillt ist , den gesamten damaligen Adel für eine zufällig mit Machtbefugnissen ausgestattete Räuberbande zu halten , einer Rechtfertigung der Fronde ziemlich gleichkommt . Er übersieht des weiteren , daß die Kriegsführung der Mecklenburger- und Pommernherzöge , vor allem die des Magdeburger Erzbischofs , 16 um kein Haar breit anders war , als die der Quitzows und ihres Anhangs und übersieht zum dritten , daß alle die Genannten , wenn es ihnen paßte , sich nicht nur direkt der Quitzowschen Kriegskunst und Kriegstapferkeit , sondern auch der Quitzowschen Kriegsführungsformen , also , wenn man so will , des Räuberstils bedienten . Einer wie der andere . Dies sind die Gründe , die mich in diesem Streite auf Raumers Seite treten lassen . Bei Riedel nimmt das Bürgergefühl Anstoß an der Adelsüberhebung und ficht doppelt sicher hinter dem Schilde der Loyalität . Raumer steht drüber , Riedel steckt drin . Er ist der Rat von Heilbronn , der über den gefangenen Götz von Berlichingen zu Gerichte sitzt . 13. Kapitel 13. Kapitel Dietrich von Quitzow auf Rühstädt , von Landsknechten erschlagen am 25. Oktober 1593 Die Quitzowfamilie tritt mit den Brüdern Dietrich und Johann von Quitzow vom historisch-politischen Schauplatz ab und findet von 1417 ( Dietrichs Todesjahr ) bzw. von 1437 ( Johanns Todesjahr ) an , keine Gelegenheit mehr , in die Landesgeschichte bestimmend einzugreifen . 17 Aber wenn es der Familie seitdem versagt blieb , Mittelpunkt großer und allgemeiner Interessen zu sein , so blieb sie doch in ihrem engeren priegnitzischen Kreise durch alle Jahrhunderte hin ein Gegenstand der Aufmerksamkeit und Teilnahme . Zu keiner Zeit mehr , als im Jahre 1593 , wo Dietrich von Quitzow auf Rühstädt in dem benachbarten , dem Havelberger Bistum zugehörigen Dorfe Legde , von Landsknechten erschlagen wurde . Der Hergang , der bis diesen Tag in der Gegend fortlebt war der folgende . Landsknechte , fünfzig oder sechzig Mann stark , die , sehr wahrscheinlich aus kurfürstlichem Dienst entlassen , auf dem Wege nach ihrer harzisch-halberstädtischen Heimat waren , waren am 25. Oktober 1593 unter Führung ihres Hauptmanns Jürgen Hanne ( der ein Weib und zwei Söhne , zehn- und siebenjährig , hatte ) bis nach Rühstädt gekommen und hatten hier nicht nur geplündert , sondern sich auch allerhand Ausschreitungen erlaubt . Dietrich von Quitzow , der in seiner Eigenschaft als Gutsherr vielleicht imstande gewesen wäre , dem Unfuge zu steuern , war abwesend und zwar in Glöwen , wohin er sich , um an einer Jagd teilzunehmen , begeben hatte . Die Rühstädter , in ihrer Angst und Bedrängnis , schickten Boten über Boten , die nicht nur das Geschehene vermeldeten , sondern auch um schleunige Rückkehr und Hilfe baten , eine Bitte , die Dietrich von Quitzow zu erfüllen nicht säumte . Er verließ auf der Stelle die Glöwener Jagd , außer von einem Diener nur noch von einem jungen von Restorf begleitet , der in einem Lehnsverhältnis zu den Quitzows stand , und ritt auf das anderthalb Meilen entfernte Rühstädt zu . Legde war halber Weg . Als er das große , reiche Bischofsdorf ( Legde ) passieren wollte , traf er allhier die Landsknechte bereits vor , die mittlerweile das Quitzowsche Rühstädt verlassen und ihren Plünderzug auf Legde zu fortgesetzt hatten . Dietrich von Quitzow ritt sogleich an den Führer heran , um ihm Vorstellungen zu machen und das Ungesetzliche seiner Handlungsweise vorzuhalten . Es scheint aber , daß dies tatsächlich ein strittiger Punkt war und daß sich der Landsknechtshaufen eines kurfürstlichen Briefes erfreute , der ihnen das Anrecht gab , Unterkommen und Verpflegung zu fordern . Mutmaßlich auf solches Anrecht gestützt , nahm sich der Landsknechtführer heraus , den ruhigen und gemessenen Worten Dietrichs von Quitzow übermütig zu begegnen , was , als diese Dreistigkeit mehr und mehr in Hohn und Frechheit ausartete , den jungen von Restorf derartig empörte , daß er