, die ihn verhinderte zu wissen , was er thäte .... Dann müßte er Hand an sich selbst legen ... Es waren wirkliche Thränen - » der Nervenschwäche « , die ihm flossen , als er sagte , in solcher Lage würd ' er einmal sterben , wenn nicht ein Wesen um ihn wäre , das ihn vor Wahnsinn bewahrte ... Was halfen die » Davidsteine « aus seiner Beichte bei Bonaventura - ! Was half die Erkenntniß , daß jeder , jeder Geist untergehen muß , der anders spricht und handelt , als er denkt - ... Am achten Tag nach Lucindens Einzug in sein Haus wollte sie ihm in seine Zimmer einen spätangekommenen Brief tragen und fand ihn hängend unterm Kronleuchter . Das Sopha darunter , das auf Rollen ging , war zurückgeglitten ... Der Anblick war furchtbar ... In Momenten der Gefahr bewährte sich Lucinde nicht . Sie sah Hammaker den schwebenden Körper hin- und herschaukeln ; sie hörte die » Frau Hauptmännin « ein Wiegenlied auf ihrer Guitarre dazu klimpern ; die Blätter in Serlo ' s Erzählungen vom Pater Fulgentius und Hubertus flogen auf ... Sie floh vor dem grauenhaften Anblick , ohne den Muth zu haben Lärm zu machen ... Ja sie fühlte mit grausigem Gelüst der That des Hubertus nach - ihn ruhig hängen zu lassen - den lebensmüden , gewissenszerrütteten Mann - der sie in so entsetzliche Verwickelungen des Lebens geführt , der so viel Verleumdungen und Zweifel über sie in Bonaventura ' s Urtheil verpflanzt hatte ... Aber nun vor sich selbst als dann einer Mörderin erbebend , konnte sie nichts thun als die Flucht ergreifen ... Sie raffte ihre wichtigsten Sachen zusammen , klingelte und lief wie von bösen Geistern verfolgt zu Veilchen Igelsheimer in die Rumpelgasse ... Die Nacht über mußte sie annehmen , daß der Oberprocurator - durch ihre Schuld ! - todt war ... Sie blieb einige Tage versteckt , sie , die Mörderin des Verhaßten ... Allmählich erfuhr sie , daß Nück noch lebte und nur heftig erkrankt war ... Ueber diese Annäherungen ihres Lebens an Brand und Mord verließ sie die Residenz des Kirchenfürsten . Sie folgte Bonaventura nach Wien ... Gefeit gegen alles , zog sie Männertracht an und lebte wie ein Mann ... Sie hatte seitdem nichts mehr von Nück gehört , als daß er , zurückgezogen von den Geschäften , auf dem Lande wohnte ... So war sie reif für Rom ! ... Ihrem Auge hatte sich die sittliche Welt aller Hüllen entkleidet , wie nur einem katholischen Priester , der , um den Himmel lehren zu können , in den Vorkommnissen der Hölle unterrichtet wird ... Sie haßte und verachtete , was sie sah - und im Grunde nichts mehr , als die Männer ... Für diese hohen Würdenträger der Kirche , für diese Tausende von ehelosen Geistlichen , die Rom zählt , war ihr jeder Begriff von Tugend zur Täuschung geworden . Ist Rom » mit Ablässen gepflastert « , wie jener Pilger zu Bruder Federigo gesagt hatte , so sind die Sünden dort wie Straßenstaub ... Die Beichtstühle der katholischen Welt scheinen in Rom mit den Geheimnissen der Menschen seit zwei Jahrtausenden umgestürzt und ausgeschüttet worden zu sein ... Ja sogar der Heiligste der Menschen , der Bischof von Castellungo , war - » ungetauft « ! ... Sein Rival , Pater Vincente , hatte für einen geträumten » Kuß in der Beichte « gebüßt ! ... Lucinde nahm nichts mehr , wie es sich gab ; sie zweifelte an Allem ... Dem » ungetauften Heiligen « hatte Lucinde in Wien Dinge gebeichtet , die bei diesem allerdings ihren Besitz der Urkunde Leo Perl ' s in Schach halten konnten ... Bonaventura durfte nach diesen Geständnissen ruhiger werden ... Sie hatte in der That begonnen von ihrer Bonaventura schon bekannten Begegnung mit Räubern ... Sie hatte erzählen müssen vom Eindruck , den auf eine nicht von ihr genannte , aber leicht zu erkennende Person ( Bonaventura ergänzte sich : » Nück ! « ) die Mittheilung gemacht hätte , daß jener Hammaker seinem frühern Gönner eine tödliche Verlegenheit hinterlassen wollte durch eine ins Archiv von Westerhof einzuschwärzende falsche Urkunde ... Sie hatte Nück ' s Betheiligung als eine nur passive dargestellt , ihren eigenen Zusammenhang sowol mit dem Brand wie mit dem Fund des Falsificats nur als die äußerste Anstrengung , das Verbrechen zu hindern ... Dennoch - sie gestand es , war es ausgeführt worden ... Ein kurzer Schauder Bonaventura ' s - ein Seufzen - » Was muß ein katholischer Priester alles in der Beichte hören und verschweigen ! « ... Dann fuhr sie fort und berichtete vollständig , Jean Picard hätte sogar für seine Rettung und Flucht den Beistand eines Mannes gefunden , der zufällig in ihm denjenigen erkannte , für dessen Wohl er noch die letzten Anstrengungen seines Lebens hätte machen wollen ... ( Bonaventura sagte sich : » Hubertus ! « ... ) Was aus dem Brandstifter geworden , wußte sie nicht ... Nück hätte das Geschehene nicht ohne die größte Gefahr für seine Ehre aufdecken können , wäre auch durch nichts dazu gedrängt worden , da sowol ein Ankläger fehlte wie die anfangs von ihm so gefürchteten Gelderpressungen des Brandstifters , der sich von seinem Unternehmen mit gutem Grund die stete Beunruhigung und Ausschröpfung Nück ' s hätte versprechen dürfen ... Picard war in einem Grade verschollen , daß man selbst seinen Tod - wer weiß , ob nicht von den Händen seines ungenannten , von Bonaventura errathenen Retters - annehmen durfte ... Alle diese Vorgänge beichtete Lucinde in ihrer vollen Wahrheit , gedrängt von den Drohungen des Grafen Hugo ... Sie warf ihre Sorge auf die heilige römische , alleinseligmachende Kirche , auf die nahe Beziehung derselben zu Gott , auf den Schatz der guten Werke , der die reichste Vergebung aller der Sünden gestattete , die die weltliche Welt , die Welt des Gesetzes , die Welt der Fürsten , ihrer