die ganze Mark eine Beute angrenzender Fürsten geworden , wenn nicht die Landeshauptleute der Altmark , Priegnitz und Mittelmark : Hüner von Königsmarck , Kaspar Gans zu Putlitz und Lippold von Bredow Widerstand geleistet hätten . Als endlich im Jahre 1411 die Mark an Kaiser Sigismund zurückfiel , zeigt es gewiß von der patriotischen Denkungsweise des Landeshauptmanns von Putlitz , daß er sogleich nach Ungarn eilte , um den Kaiser zu bewegen , selbst die Regierung in die Hand zu nehmen , und es mußte ihn wohl schmerzen , als er dort erfuhr , daß das Vaterland von neuem an einen ihm ganz fremden entfernten Fürsten verhandelt werden sollte . Nachdem der Burggraf im Jahre 1412 in die Mark gekommen war , suchte der Adel , obwohl ungern , sich anfangs mit ihm gütlich zu setzen , allein noch in demselben Jahre entspann sich ein Zwist , welcher bald zu einem offenen Kriege aufloderte . Die Ursache der Abneigung mochte wohl mit darin liegen , daß der mächtige Adel , der während des letztverflossenen Jahrhunderts sich daran gewöhnt hatte , den Herrn im Lande zu spielen und seine Rechte ohne Rücksicht auf einen Höheren zu verfolgen , sich nicht gern durch einen Fürsten beschränken lassen wollte , dessen Energie er bald erkannt haben mochte , allein andererseits war sein Mißtrauen , daß der fremde Fürst den einheimischen Adel unterdrücken und den Franken den Lohn und die Ehre der Regierung der Mark zuwenden werde , nicht ungerecht . Zudem mußte die Ritterschaft nicht mit Grund vermuten , daß der Pfandinhaber , sobald er zu seinem Gelde gelangt wäre , das Pfandstück aufgeben werde ? Patriotische Besorgnisse dieser Art darf man bei einem Kaspar Gans zu Putlitz wohl voraussetzen . Unmöglich kann man der Ritterschaft ein Verbrechen daraus machen , daß sie 1412 die lange Reihe glorreicher Regenten nicht voraussah , welche der neue Verweser durch die göttliche Vorsehung bestimmt war , der Kurmark zu geben . Alles das muß in Erwägung gezogen werden , ehe man über den nicht einem alten angeborenen Fürsten , ja nicht einmal einem eigentlichen Landesherrn , sondern nur einem Pfandinhaber entgegengesetzten Widerstand urteilen will . Die Rede , die die Quitzows geführt haben sollen : › Und wenn es ein Jahr lang Nürnberger regnete , sie wollten doch ihre Schlösser behalten ‹ , zeugt zwar von großem Übermute , machte sie aber noch nicht zu Hochverrätern , denn der eigentliche Kurfürst und Landesherr , gegen den ein crimen laesae majestatis begangen werden konnte , war immer noch der Kaiser Sigismund . Wäre den Gebrüdern Quitzow gelungen , wonach sie strebten , wer möchte bestimmen , was das Schicksal der Mark gewesen wäre ? Wahrscheinlich Zersplitterung , ein Neben- und Durcheinander von Reichsstädten und Reichsritterschaften . Zum Glück für die Mark , für Preußen und für die politische Gestaltung von ganz Europa , ist es dahin nicht gekommen , allein die Urheber solcher Entwürfe können wenigstens auf eine ebenso gerechte Würdigung Anspruch machen , wie Franz von Sickingen , dessen Pläne auch auf Herstellung des kaiserlichen Ansehens und auf eine Erweiterung der Rechte des Ritterstandes hinausgingen . Zum Beweise übrigens , wie sehr historische Vorurteile dazu beitragen können , unverdienter Weise wirklichen Nachteil zu stiften , mag hier zum Schlusse hervorgehoben werden , daß , als zur Zeit König Friedrich Wilhelms I. , die von Dietrich von Quitzow abstammende Hauptlinie der Familie ausstarb , der König , bei Wiederverleihung der erledigten , sehr beträchtlichen Lehne , die übrigen Linien nur aus dem Grunde überging , weil ihm einige Günstlinge vorstellten , › daß die Quitzows sich gegen seine Vorfahren als Hochverräter und Rebellen betragen hätten und die Familie daher eine Berücksichtigung gar nicht wert sei ‹ . « * So Riedel , so Raumer – unsere besten Spezialhistoriker – , deren Urteile hinsichtlich der Quitzowzeit sich also diametral entgegenstehen . Wer hat recht ? Riedel hat recht von Räubereien und Felonie zu sprechen , aber Raumer hat , meinem Ermessen nach , noch viel größeres Recht , beides zu bestreiten . Riedel ist der gelehrtere , gründlichere Forscher ( das Maß seiner Kenntnis ist wohl von keinem anderen erreicht worden ) , aber Raumer ist der weitaus bedeutendere Historiker . Er hat das Auge des Geschichtsschreibers , er begreift große Vorgänge , während es mir bei Riedel , dessen Standpunkt nicht hoch genug ist , um einen freien Blick zu gestatten , zweifelhaft erscheint , ob man ihn überhaupt zu den Historikern zählen kann . Ausgezeichneter Forscher sein , heißt noch nicht Historiker sein . Raumer beurteilt alles aus der zu schildernden Zeit , Riedel alles aus seiner eigenen Zeit heraus . Er wirft Raumer Tendenzen und Vorurteile vor , während er selber in Vorurteilen steckt und derselben Parteilichkeit Ausdruck gibt , die sich schon in Wusterwitz ' Aufzeichnungen findet . Unseres Volkes Fühlen stellt sich freilich ganz auf die Seite Riedels und wird , wenn nicht für immer , so doch noch auf lange hin in dieser Stellung beharren . Zu der Oberacht , die Kaiser und Reich über die märkische Fronde verhängten , kommt die schlimmere , die durch vier Jahrhunderte hin auch die Nachgeborenen über die Quitzows ausgesprochen haben . Aber diese Verurteilung ist ungerecht , und alles , was ich zugestehen kann , ist das , daß ich diese Verurteilung trotz ihrer Ungerechtigkeit begreiflich finde . Sie hat ihren Grund zunächst in einer falschen Fragestellung und zum zweiten in einer rühmlichen , aber deplacierten Loyalität , begleitet von einem unausrottbaren Adels-Antagonismus des märkisch-bürgerlichen Gefühls . Über beides noch ein Wort . In einer falschen Fragestellung , weil die Dinge beständig darauf hin angesehen werden , als ob es sich um die Frage handle , was vorzuziehen sei , Quitzowtum oder Hohenzollerntum ? Darum aber hat es sich , seit Friesack und Plaue fielen und Kaspar Gans bei Ketzer-Angermünde die Scharte auswetzte , nie mehr gehandelt , nicht einmal bei dem gedemütigten Adel selbst . Man ist einig darüber , daß der Sieg des