und durch sie anderweitigen frommen Stiftungen anheimfallen solle , eine Scheidung zwischen ihm und Helenen zu veranlassen . Deshalb dieser Eifer , mich mit Helenen zu versöhnen ! Deshalb diese Leidenschaft , die mich zu einer Ehe zwingen wollte ! Ich werde Helenen nie vergessen . Wo mir etwas Sanftes , Zärtliches , Weiches , Hingebendes Bedürfniß ist , werd ' ich an Helene d ' Azimont denken . Aber sie hatte den Fehler aller Frauen , für Liebe einen ganzen Menschen zu verlangen und nur da praktischen Charakter zu zeigen , wo man ihr nicht huldigte . Egon gerieth immer in Feuer , wenn er gegen Helenen sprechen und weibliche Schwächen analysiren konnte ... Sie sind blasirt , Egon , sagte die Geheimräthin lächelnd . Und seit ich weiß , daß Ihnen Rafflard so früh den Casanova zu lesen gab ... Pauline hatte ein Bedürfniß , diese peinliche Unterhaltung heitrer zu modeln . Sie verschmähte dazu selbst ein frivoles Mittel nicht . Und Egon sagte : Rafflard legte den Grund meiner ersten Leiden . Er pflanzte früh in die Seele des Knaben verbotene Vorstellungen und lehrte mich Ekel und Überdruß an den Freuden , die Andre beglücken . Diesem Schändlichen jetzt sagen zu dürfen : Sie verlassen dies Land binnen dreimalvierundzwanzig Stunden , gewährt mir eine große Genugthuung ! In der That ? Wollen Sie Das ? Er kann Helenen folgen nach Turin , Rom , Paris , wohin er will . Ich habe die sprechendsten Beweise , unwiderlegliche Anzeigen , daß er hier im Interesse der Hierarchie zu wirken suchte und Sie würden erstaunt sein , wenn Sie wüßten , wer ihm Vertrauen geschenkt hat . Rafflard bewegte sich zuletzt in den höchsten Cirkeln ... Es fehlte wenig , daß er in die » kleinen « kam und eine Vorlesung über isolirte Gefängnisse hielt . Diese wunderliche Hofromantik kommt noch einst in die Lage , Heilige anzubeten , auf deren Reversseite sich Lovelace präsentirt . Wie komisch ist doch dies Jagen nach dem Aparten , Exclusiven ! Glauben Sie aber , daß General Voland - Ich glaube nicht , daß dieser kluge Mann irgendwie sich an untergeordnete Emissaire preisgibt , aber ich weiß , daß das Terrain für den Jesuitismus bei haltlosen , in allen Widersprüchen der Zeit hin- und herschwankenden Naturen gar nicht so ungünstig ist . Selbst aus dem Schooße der Freimaurerei , die sonst eine geschworne Feindin Loyola ' s ist , hat sich wieder ein päpstliches Autoritätswesen entwickelt , ganz wie im vorigen Jahrhundert ... Jetzt versteh ' ich den Artikel , den Stromer vorgestern im » Jahrhundert « lieferte . Er verfaßte ihn nach meinen Angaben und ich beobachtete die Wirkung desselben in den » kleinen Cirkeln « . O erzählen Sie ! Als ich eintrat , fühlte ich an einer gewissen Stille in dem kleinen traulichen Zimmer , daß ich selbst eben der Gegenstand des Gespräches gewesen war . General Voland steckte eben eine Zeitung ein , die er ohne Zweifel vorgelesen und glossirt hatte . Prinz Ottokar , ein Gegner des Generals , stand auf und sagte mit lautem Nachdruck , indem er mir die Hand reichte : Prinz Hohenberg , Sie haben Recht , daß Sie unklare Schleicher abfertigen lassen ! Als er gegangen war , sprach ich mich auf ' s Entschiedenste gegen die geheimen Gesellschaften aus ... Zitterte da die Altenwyl nicht für unsern geliebten Reubund ? Wohl ! Man kam wieder mit all dem romantischen Geflimmer , dem ich nun- und nimmermehr das Wort reden werde . Dies Liebäugeln mit dem Mittelalter hat den modernen Staat in seiner monarchischkonservativen Form fast zur Unmöglichkeit discreditirt . Ich ließ die Altenwyl , die gutgeschulten Kammerherren , einige gottselige Präsidenten , die Hofmagier und Zeichendeuter alle reden , was sie wollten über diese Nothwendigkeit des Anschlusses gleichgestimmter Gemüther und was sonst für die Geschichte der Kreuzzüge und des Peter von Amiens Brauchbares vorgebracht wurde , und war zuletzt so frei , den General Voland über seine Meinung wegen der Jesuiten zu fragen . Die Königin , etwas gereizt , warf sogleich die Äußerung dazwischen , daß der General katholisch wäre . Der König in seinem scheuen Zartgefühl , in seiner Befangenheit vor allen extremen Meinungen brach diese Debatte durch ein Album ab , dessen Blätter er mir vorlegte . Es waren ... Doch nicht die Zeichnungen des Gethsemane ? fragte Pauline . O nein , sagte Egon lachend . Frau von Trompetta ist ja seit ihrer Sammlung für die deutsche Flotte so in Ungnade gefallen , daß Frau von Altenwyl sie kürzlich schon eine der gefährlichsten Hochverrätherinnen nannte , die man nur ihrer frommen Verwandten wegen schonen würde . Pauline mußte über diese Anschuldigung der Frau von Trompetta in Lachen ausbrechen . Nein , fuhr Egon fort , jenes Album war eine Siegel-und Wappensammlung , die General Voland seit Jahren geordnet hat ... Man sieht , daß wir im Frieden leben und uns nur zum Schein manchmal auf den Krieg berufen ! Ich mag etwas Ähnliches in meinen Mienen geäußert haben ; denn mein Interesse an diesen bunten Malereien war sehr gering . Die Königin hob viele der in den Wappen enthaltenen Wahlsprüche hervor . Besonders gefielen ihr die provenzalischen , die General Arnheim gut übersetzen konnte . Ich litt , zu sehen , welchen Ideen und Beschäftigungen man bei Hofe in dieser Zeit nachgeht . Man betrachtet Siegel und treibt Wappenkunde ! Man läßt sich erzählen , wie die Alten Glas brannten und wodurch besonders das glühende Rubin der gemalten Fensterscheiben gewonnen wird ! Man sammelt Autographen und liest die Schriften über » innre Mission « , die zu Hamburg in der » Agentur des rauhen Hauses « erscheinen . Der König , gegängelt von den Frauen , hat die Liebhaberei des Allwissens und schlägt , da seine eignen großen Kenntnisse doch immer noch nicht ausreichen , die noch größern des Generals Voland auf . Ruhig gibt dieser seine Antworten , immer positiv , immer wie sich von selbst